Anfangself für Schottland-Spiel steht
Ballack schießt scharf

Für Rudi Völler war Schottland "noch weit weg", doch Leitfigur Michael Ballack fieberte bereits dem Tag der persönlichen Revanche entgegen: Mit markanten Spitzen gegen Ex-Trainer Berti Vogts heizte der Mittelfeldstar die Stimmung vor dem EM-Qualifikationsgipfel der deutschen Nationalmannschaft in Schottland mächtig an.

HB/dpa WOLFSBURG. "Es wird keine schmutzige Wäsche gewaschen, aber man braucht auch nicht zu verheimlichen, dass einige Leverkusener Probleme mit ihm hatten", sagte Ballack und zählte sich selbst ausdrücklich dazu: "Berti Vogts besaß große fachliche Kenntnisse. Im Umgang mit den Spielern war er aber nicht einfach, da hatte er seine Probleme."

Exakt 169 Tage oder 22 Spiele war Vogts bei Bayer Leverkusen von November 2000 bis zur Entlassung im Mai 2001 Ballacks Coach - lange genug, um nachhaltig in Erinnerung zu bleiben. "Die Zusammenarbeit war von Anfang an schwierig", erzählte Ballack am Dienstag im Trainingsquartier der DFB-Auswahl in Wolfsburg. Der heute 56-jährige Vogts lag damals mit dem Mittelfeldstar im Dauer-Clinch und hatte ihn gar öffentlich zur Disposition gestellt mit den Worten: "Ein Ballack muss sich hinterfragen, ob er genug Leistung bringt."

Daran besteht inzwischen wohl auch für Vogts kein Zweifel mehr. Der ehemalige Bundestrainer räumt inzwischen sogar Fehler im Umgang mit dem gebürtigen Sachsen ein. "Das Einzige, was ich mir für meine Zeit in Leverkusen vorwerfe, ist der mangelnde Draht zu Michael Ballack", sagte er der "Sport-Bild".

"Die besondere Konstellation mit Berti Vogts ist für viele Spieler reizvoll. Ihm wollen einige Spieler etwas zeigen, ich auch", sagte Ballack, der zuvor von Völler zum "Weltstar" ernannt worden war. "Er ist ein Vollstrecker und ein Leader geworden, bei uns und bei Bayern München. Er ist derjenige, der die Mannschaft führt. Diese Rolle hat er sich erarbeitet", urteilte Völler. Der 43-Jährige kündigte an, dass man sich erst ab Mittwoch intensiv mit dem Gegner auseinander setzen werde, um nicht zu früh den Spannungsbogen aufzubauen: "Momentan ist Schottland noch kein Thema."

Ballack hat bereits klare Vorstellungen, wie er am Samstag (16.00 Uhr/ARD) im Hampden Park die deutsche Auswahl gegen den in der EM-Qualifikationsgruppe fünf härtesten Widersacher führen will. "Wir haben gegen Litauen Punkte verschenkt, die wir jetzt holen müssen", erinnerte er an die ersten Punktverluste beim 1:1 Ende März in Nürnberg. Damals fehlte der frisch gebackene Doublegewinner des FC Bayern verletzungsbedingt wie in bislang allen Spielen in diesem Jahr.

Aus seiner Rückkehr ziehen die Mitspieler große Zuversicht, wie auch Völler. "Was für Frankreich Zidane ist, ist für uns Ballack", sagte der Teamchef, der sich am Dienstag noch um vier Leichtverletzte in seinem Aufgebot sorgte. Sebastian Kehl (Knöchelblessur), Carsten Ramelow (Achillessehnenprobleme), Frank Baumann (Bänderdehnung im Knie) und Miroslav Klose (Fußprellung) begnügten sich mit leichtem Jogging, während die Kollegen in der Volkswagenarena zur ernsthaften Trainingseinheit schritten.

Gar nicht mehr dabei war Benjamin Lauth. Der Youngster vom TSV 1860 München, der am Samstag beim 4:1 gegen Kanada keine Akzente setzte, wurde zur U 21-Auswahl delegiert, die am Freitag im schottischen Kilmarnock um das EM- und Olympia-Ticket kämpft. Dagegen durften Andreas Hinkel und Kevin Kuranyi bei der A-Mannschaft bleiben.

In der Anfangself von Glasgow werden aber elf andere Namen stehen. Bereits vier Tage vor dem Anpfiff waren sich Völler und Assistent Michael Skibbe über das Stammpersonal einig. Vor Keeper Kahn bilden Arne Friedrich, Christian Wörns und Carsten Ramelow den zentralen Abwehrverbund, die Flanken werden von Torsten Frings (rechts) und Tobias Rau (links) besetzt. Im zentralen Mittelfeld spielen Ballack, Jens Jeremies und Bernd Schneider. Und im Angriff sind Fredi Bobic und Klose erste Wahl. Für den gegen Kanada überzeugenden Bochumer Paul Freier bleibt nur die Rolle des Edeljokers.

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