Anführer der Geiselnehmer
Der Chef-Kidnapper gilt als skrupelloser Krimineller

Der mutmaßliche Anführer der Moskauer Geiselnehmer, Mowsar Barajew, war von den russischen Sicherheitsbehörden eigentlich vor zwei Wochen für tot erklärt worden.

HB/dpa MOSKAU. Der 23-jährige tschetschenische Feldkommandeur sei bei Kämpfen getötet worden, teilte das russische Kaukasus-Kommando am 12. Oktober mit.

Doch wahrscheinlich hat die russische Militärpropaganda nur eine ihrer häufigen Falschmeldungen verbreitet. Jetzt kommandiert der Totgesagte die etwa 50 Rebellen, die seit Mittwoch in einem Moskauer Theater 700 Menschen in ihrer Gewalt halten. Als einziger der Terroristen zeigte er sein Gesicht vor der Fernsehkamera. In neuer Tarnuniform, eine schwarze Wollmütze auf dem Kopf, die Kalaschnikow auf den Knien saß er in der Küche der Musical-Spielstätte.

Bild eines skrupellosen Kriminellen

Die wenigen Angaben, die über Barajew verfügbar sind, zeichnen das Bild eines skrupellosen Kriminellen. Er gehört zu einer jungen Generation von Tschetschenen, die nur mit Krieg und Verbrechen aufgewachsen sind. Im Juni 2001 übernahm er das Kommando über das so genannte "Islamische Regiment für Sonderaufgaben" von seinem getöteten Onkel Arbi Barajew.

Der russische Inlandsgeheimdienst FSB hatte den wegen seiner pathologischen Grausamkeit gefürchteten Tschetschenen-Führer umgebracht. Arbi Barajew hatte jahrelang seinen anti-russischen Kampf mit Kidnapping und Sklavenhandel finanziert. Er soll auch für die Enthauptung dreier entführter Briten und eines Neuseeländers 1998 verantwortlich gewesen sein.

Der Neffe Mowsar Barajew, geboren in dem Ort Alchan-Kala, erhielt seine Kampfausbildung nach Angaben der russischen Armeezeitung "Krasnaja Swesda" bei dem aus Jordanien stammenden Kommandeur Chattab, der in diesem April getötet wurde. In dem Dorf Mesker-Jurt, etwa 15 Kilometer östlich von Grosny, residierte Barajew als "Emir des Dschamaat", eigentlich der Versammlung orthodoxer islamischer Geistlicher. Dort trieb er von Geschäftsleuten den Zehnten als Beitrag zum "Heiligen Krieg" gegen Russland ein. Seine Freischärler griffen aber auch auf die nahe gelegene Stadt Argun über, die zum Einflussgebiet anderer Feldkommandeure gehört.

Mord an Kommandeur

Im Juni ermordete Barajew nach russischen Militärangaben den Kommandeur Riswan Achmadow, um von ihm 45 000 $ zu erbeuten. "Mowsar Barajew ist bereit, wegen einer großen Geldsumme jeden, auch den geachtetsten Feldkommandeur umzubringen", charakterisierte ihn die Moskau-treue Regierung Tschetscheniens.

Als militärisch wichtiger Befehlshaber tauchte Barajew vor allem in den Mitteilungen von "Kavkas-Zentr" auf, dem Sprachrohr des radikalen Flügels der tschetschenischen Separatisten. Die Agentur Chechenpress, die für die gemäßigten Kräfte um den gewählten Präsidenten Aslan Maschadow spricht, übte eher vorsichtige Kritik an dem Kidnapper-Regime des Barajew-Klans. Allerdings brachten russische Fernsehsender nach der Geiselnahme auch Videoaufnahmen, die Barajew angeblich bei Planungen in Tschetschenien an der Seite eines Mannes zeigten, der Maschadow sehr ähnlich sah.

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