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Anführer der Terroristen von Beslan ermittelt

Eine Woche nach dem blutigen Ende der Geiselnahme von Beslan haben russische Fahnder nach Medienberichten den Anführer des Terrorkommandos ermittelt.

dpa MOSKAU. Eine Woche nach dem blutigen Ende der Geiselnahme von Beslan haben russische Fahnder nach Medienberichten den Anführer des Terrorkommandos ermittelt.

Der wegen Mordes gesuchte Tschetschene Ruslan Chutschbarow habe die mehr als 30 Geiselnehmer kommandiert, berichtete die Moskauer Zeitung "Wremja Nowostej" am Freitag unter Berufung auf die Sicherheitsbehörden. Chutschbarow, der den Decknamen "Polkownik" (Oberst) hatte, gehöre zum Umfeld des tschetschenischen Topterroristen Schamil Bassajew. Der Verbleib von Chutschbarow sei noch unklar.

Angesichts wachsender Kritik am Versagen der Behörden bei der Geiseltragödie stimmte Präsident Wladimir Putin einer Untersuchung durch den strikt linientreuen Föderationsrat zu. Bislang hatte Putin die Einsetzung öffentlicher Untersuchungsausschüsse abgelehnt, weil dort die Gefahr einer "politischen Show" drohe.

Ein verletzter siebenjähriger Junge aus Beslan starb in einem Moskauer Krankenhaus, so dass die Zahl der Toten offiziell auf 331 stieg. Immer noch lagen mehr als 360 Verletzte in Krankenhäusern in Beslan, Wladikawkas und anderen Städten. Eine Mutter habe nach der Befreiung aus Geiselhaft wegen des Todes ihrer Tochter Selbstmord begangen, sagten Psychologen. Viele Ex-Geiseln müssten wegen Selbstmordgefahr eigentlich in Kliniken betreut werden.

Drei Tage nach dem Überfall auf die Schule Nr. 1 von Beslan war die Geiselnahme am vergangenen Freitag blutig eskaliert. Die Terroristen töteten in der Schulturnhalle hunderte Gefangene. Sicherheitskräfte konnten die Mörder erst nach Stunden chaotischer Kämpfe überwältigen.

Der lebend gefangene Geiselnehmer Nur-Paschi Kulajew habe den Terroristen "Polkownik" als Anführer genannt, berichteten russische Medien. Während der Geiselnahme habe Chutschbarow einige der eigenen Leute ermordet, weil sie Zweifel an der Kommando-Aktion äußerten. Geheimdienstler sagten, von den getöteten Terroristen sei noch keiner als Chutschbarow identifiziert worden. Deshalb sei nicht ausgeschlossen, dass ihm die Flucht geglückt sei. Der Tschetschene habe seit dem Jahr 2000 Terroranschläge im Auftrag Bassajews verübt.

In Berlin schlug der SPD-Außenexperte Gernot Erler zur Lösung des Tschetschenien-Konflikts einen "Stabilitätspakt für den Kaukasus" vor. Daran sollten Russland in führender Position, die EU und Nachbarstaaten wie Georgien mitwirken, sagte Erler der "Netzeitung". Es müsse verhindert werden, "dass sich die Russische Föderation nach der Tragödie von Beslan politisch einigelt".

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