Anführer muss acht Jahre hinter Gitter
Hohe Haftstrafen für Bankräuber von Wrestedt

Die drei Geiselnehmer von Wrestedt müssen für viele Jahre hinter Gitter. Das Landgericht Lüneburg verurteilte den Haupttäter Artur F. am Dienstag wegen schwerer räuberischer Erpressung und Geiselnahme zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und drei Monaten.

ddp LÜNEBURG. Seine Mittäter Heinrich K. und Vitali H. erhielten Strafen von jeweils sechs Jahren und neun Monaten. Das Gericht folgte damit den Anträgen der Staatsanwaltschaft.

Der Vorsitzende Richter Günther Kruse bezeichnete die Tat in seiner Urteilsbegründung als "nicht dilettantisch, sondern geplant". Die lang dauernde und ungewisse Situation der beiden Geiseln mit ihren psychischen Folgeschäden wirkten sich negativ auf das Strafmaß aus, sagte er. Strafmildernd sei jedoch das frühzeitige Geständnis und das Aufgeben der Angeklagten gewesen. Jeder Tag der dreimonatigen Haft in der Ukraine werde ihnen für die Haftzeit in Deutschland doppelt angerechnet, sagte Kruse.

Verteidiger: "Geiselnahme war nicht geplant"

Der 24-jährige Artur F. sei "der Initiator von Planung und Ausführung der Tat" gewesen, sagte Oberstaatsanwältin Christa Lüttmer in ihrem Plädoyer. Aufgrund seiner "bedrohlich empfundenen Lage" durch erhebliche finanzielle Schulden habe der Angeklagte den Überfall auf die Sparkasse durchgeführt. Mit Gaspistolen, Masken, Handschuhen und ohne Ausweise sei er "äußerst planvoll" vorgegangen und habe seine Freunde "zur Tat überredet".

Der 25-jährige Heinrich K. und der 26-jährige Vitali H. seien "nicht nur Mitläufer" gewesen, sondern an der Beschaffung der Waffen, der Geiselnahme und der Tat insgesamt beteiligt gewesen. Die Verteidiger der drei Angeklagten schlossen sich in ihren Plädoyers jeweils im Strafmaß sowie in weiten Teilen der Begründung der Staatsanwaltschaft an. Rechtsanwalt Guido Frings betonte die "situationsbedingte, keinesfalls geplante Geiselnahme" seines Mandanten Artur F., der unter "krankhafter Spielsucht" leide. Rechtsanwalt Eckehart Klawitter bezeichnete seinen Mandanten Heinrich K. als bislang "kriminell unauffällig" und "depressiv schwer zugänglichen Charakter". Vitali H. habe sich nach Ansicht seines Verteidigers Ulrich Albers "aus Freundschaft" zu seinem Vorbild Artur F. an dem Bankraub beteiligt.

Täter entschuldigten sich

Die drei Russlanddeutschen mit Wohnsitz in Lüneburg hatten am 2. April die Sparkasse in Wrestedt bei Uelzen überfallen. Anschließend nahmen sie zwei Bankangestellte als Geiseln und flohen mit ihnen in einer spektakulären 21-stündigen Autofahrt über Polen in die Ukraine. Dort gaben sie schließlich auf und wurden später nach Deutschland ausgeliefert. Bei dem Raub erbeuteten die Männer rund 240 000 Euro.

Die drei Angeklagten hatten sich bei den beiden Frauen entschuldigt. Das Urteil tritt mit sofortiger Wirkung in Kraft.

HB/dpa LÜNEBURG.Die drei Russlanddeutschen hatten Anfang April eine Sparkassenfiliale im niedersächsischen Wrestedt überfallen und zwei Geiseln genommen. Sie flüchteten bis in die Ukraine, wo sie schließlich aufgaben. Die Geiseln blieben unverletzt.

Vor Gericht gestand das Trio im Alter von 23, 24 und 26 Jahren die Tat und entschuldigte sich dafür. Die drei Monate Untersuchungshaft in der Ukraine werden den Männern auf die Dauer ihrer Haft mit je sechs Monaten angerechnet.

Der Anführer der Bande hatte der Staatsanwaltschaft zufolge große Geldprobleme und wurde von privaten Kreditgebern bedroht. Daraufhin entschloss er sich zu dem Überfall und überredete seinen Cousin sowie einen Freund zum Mitmachen. Eine Geiselnahme hatte das Trio zunächst nicht geplant.

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