Angaben aus EU-Finanzkreise: Duisenberg soll wohl drei Monate länger bleiben

Angaben aus EU-Finanzkreise
Duisenberg soll wohl drei Monate länger bleiben

EZB-Präsident Wim Duisenberg soll angesichts der Schwierigkeiten bei seiner Nachfolge nach Angaben aus hochrangigen EU-Finanzkreisen seinen für Juli angekündigten Ruhestand um drei Monate verschieben. Die EU-Finanzminister würden den Niederländer bei ihrem informellen Treffen am Samstag in Athen bitten, bis Oktober an der Spitze der Notenbank zu bleiben.

Reuters ATHEN. Finnlands Finanzminister Sauli Niinisto sagte nach dem Treffen mit seinen Kollegen aus der Euro-Zone, der Amtsverbleib Duisenbergs stehe bei den Beratungen am Samstag auf der Tagesordnung. Die Euro-Gruppe habe am Freitag nicht über dieses Thema diskutiert. Auch über die Nachfolge der finnischen EZB-Direktorin Sirkka Hämäläinen soll bei dem Mittagessen am Samstag beraten werden.

Duisenberg wollte eigentlich am 9. Juli, seinem 68. Geburtstag, vorzeitig aufhören - und "Fischen gehen", wie er früher sagte. Ein längerer Amtsverbleib ist aber notwendig, weil sich sein potenzieller Nachfolger Jean-Claude Trichet in einem Strafprozess vor Gericht verantworten muss. Das Urteil wird erst am 18. Juni gesprochen. Die Staatsanwaltschaft hat für den französischen Notenbankchef eine Haftstrafe von zehn Monaten auf Bewährung gefordert. Trichet soll in einen Bilanz-Skandal um die französische Großbank Credit Lyonnais verwickelt sein. Selbst wenn Trichet freigesprochen würde und das Amt deshalb antreten könnte, würden die Formalien dazu länger als drei Wochen in Anspruch nehmen. Duisenberg hatte erst am Donnerstag seine Bereitschaft zu einem längeren Amtsverbleib bekräftigt.

Die Finanzminister werden sich auf ihrem Treffen auch mit weiteren wichtigen EZB-Personalien befassen. Am Samstag werde über die Nachfolge Hämäläinens im EZB-Direktorium diskutiert, sagte der griechische Vorsitzende der Euro-Gruppe, Nikos Christodoulakis. Es wird erwartet, dass die Österreicherin Gertrude Tumpel-Gugerell als Nachfolgerin der Ende Mai ausscheidenden Finnin benannt wird. Die EU-Staats- und Regierungschefs müssen dem Vorschlag der Finanzminister noch zustimmen.

Das vorzeitige Ausscheiden Duisenbergs geht auf eine informelle Vereinbarung zurück, die der französische Staatspräsident Jacques Chirac 1998 kurz vor Beginn der Europäischen Währungsunion durchgesetzt hatte. Auf die erste Besetzung des Präsidentenpostens hatte Frankreich nur unter der Bedingung verzichtet, dass der Nachfolger ein Franzose wird und Duisenberg vorzeitig aufhört. Seit Monaten wird in den Medien spekuliert, wen Frankreich im Falle einer Verurteilung Trichets als Alternativkandidaten präsentieren könnte. Dabei werden immer wieder der ehemalige EZB-Vizepräsident Christian Noyer und der Präsident der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung, Jean Lemierre, genannt. Aus dem französischen Finanzministerium drang bisher noch nichts nach draußen.

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