Angaben aus Marktkreisen
Erneute Devisen-Intervention Japans

Japan hat am Montag nach Angaben aus Marktkreisen erneut am Devisenmarkt interveniert, um die heimische Währung zu schwächen und damit die exportorientierte eigene Wirtschaft zu stützen.

Reuters TOKIO. Händlern zufolge verkaufte die Bank von Japan (BoJ) im Auftrag des Finanzministeriums in großem Umfang Yen gegen Dollar, nachdem die US-Währung bei 115,10 Yen ein Zwei-Jahres-Tief verzeichnet hatte. Nach dem Eingriff kletterte der Dollar wieder auf Kurse von 116,82 Yen. "Die japanischen Interventionen sind offenbar aggressiver geworden", sagte ein Händler einer japanischen Bank in London.

In Tokio gab es vorerst keine offizielle Bestätigung der Aktion. Zuletzt hatten die japanischen Behörden Eingriffe am Devisenmarkt erst eine gewisse Zeit später eingeräumt. Auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die US-Notenbank (Fed) gaben keinen Kommentar ab.

Der Dollar war deutlich unter Druck geraten, nachdem US-Finanzminister John Snow am Wochenende bei einem Treffen mit seinen Amtskollegen aus der Gruppe der sieben führenden Industrienationen (G7) die jüngsten Wechselkursbewegungen als "recht moderat" bezeichnet hatte. Die G7-Finanzminister indes waren in ihrer Abschlusserklärung nicht auf die jüngsten Kursverluste des Dollar zu Euro und Yen eingegangen. An den Devisenmärkten war beides als Hinweis darauf gewertet worden, dass die US-Regierung derzeit mit dem schwächeren Dollar-Kurs zufrieden sei und es keine konzertierten Aktionen mit anderen Ländern geben werde, die Abwertung der US-Währung zu stoppen.

Analysten zufolge ist es das Ziel der japanischen Behörden, einen Kursrückgang des Dollar unter 115,00 Yen zu verhindern. Japan hat in diesem Monat Händlern zufolge bereits mehrfach am Devisenmarkt interveniert. Nach Angaben von Japans bekanntestem Währungsexperten Eisuke Sakakibara, der früher selbst im Finanzministerium arbeitete, hat die Regierung in Tokio in der vergangenen Woche wahrscheinlich Devisenmarktgeschäfte im Volumen von mehr als zwei Billionen Yen (rund 15 Mrd. ?) durchführen lassen. Von Januar bis März hatte Japan offiziellen Angaben zufolge nahezu 2,5 Billionen Yen (rund 18,5 Mrd. ?) verkauft.

Das Land hat ein vitales Interesse daran, dass der Yen zum Dollar nicht zu stark an Wert gewinnt. Denn eine starke Landeswährung beeinträchtigt die Wettbewerbsfähigkeit heimischer Exporteure auf den internationalen Märkten. So sehen sich diese gezwungen, entweder die Preise für ihre Produkte im Ausland zu erhöhen oder Margeneinbußen hinzunehmen.

Japanische Regierungsvertreter hatten wiederholt keinen Zweifel daran gelassen, dass sie mit den jüngsten Kursgewinnen des Yen nicht zufrieden sind. So bezeichnete der stellvertretende Finanzminister Masakazu Hayashi am Montag die Wechselkursbewegungen in letzter Zeit als rasant und bekräftigte, die zuständigen Behörden würden gegebenenfalls handeln.

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