Angeblich besteht Interesse an der Amex und der LSE
Hongkonger Börse auf Brautschau in Übersee

Fallende Handelsvolumen, eine schmale Produktpalette und begrenzte Wachstumschancen zu Hause treiben Hongkongs Börse auf Brautschau in Übersee. Investmentbanker suchen für die selbst börsennotierte Hongkong Exchanges & Clearing Ltd. (HKEx) nach Übernahmemöglichkeiten.

olm HONGKONG. Nach Informationen des Wall Street Journals konzentrieren sich die Gespräche auf einen Einstieg bei der American Stock Exchange (Amex). Die Hongkonger wollen sich bei der drittgrößten US-Börse offenbar am liebsten als Mehrheitsgesellschafter einkaufen, sind aber auch bereit, über einen kleineren Anteil zu verhandeln. An der Amex wird auch der Singapurer Börse Interesse nachgesagt. Hongkonger Zeitungen spekulieren daher bereits über einen möglichen Bieterwettstreit zwischen den Rivalen. Britische Zeitungsberichte zählen auch die London Stock Exchange (LSE) zu den Kandidaten für ein Investment aus Hongkong. Mit der LSE hat die HKEx kürzlich eine Allianz vereinbart. Um das Handelsvolumen zu erhöhen und sich für Neuemissionen attraktiver zu machen, wollen beide ab 2003 die umsatzstärksten Werte des Partners bei sich handeln lassen. Ein Anteilserwerb würde die Partnerschaft zementieren.

Ein HKEx-Sprecher bezeichnet die Berichte über Verhandlungen mit anderen Börsen als "Spekulation". Bei der Vorlage der Halbjahreszahlen hatte das Management erklärt, die Börse prüfe verschiedene Investitionsmöglichkeiten. Die HKEx sitzt auf einer Kriegskasse von 640 Mill. $, und der Druck auf das Management wächst, dieses Kapital sinnvoll zu verwenden. Gelegenheiten könnte die Konsolidierung der Branche schaffen, die in Europa bereits fortgeschritten ist und in den USA angesichts wachsenden Wettbewerbs in die Gänge kommen dürfte.

Vor strategischem Zukauf

Die Hongkonger könnten sich eine Übernahme der Amex leisten. Branchenexperten bewerten diese mit 500 bis 700 Mill. $. Die Börse wurde 1998 von der National Association of Securities Dealers (NASD) gekauft, die auch die Nasdaq betreibt. Weil die geplante Integration der beiden Märkte nicht vorankommt, will die NASD angeblich aus der Amex wieder aussteigen. Laut Wall Street Journal laufen Verhandlungen mit einem halben Dutzend Bieter.

Hongkonger Analysten glauben, dass sich die HKEx auf einen größeren strategischen Zukauf vorbereitet. Asiens zweitgrößte Börse hängt fast ausschließlich am Tropf des Handels mit Aktien aus China und Hongkong. Versuche, die Produktpalette zu diversifizieren, sind gescheitert. "Ein Einstieg bei einer großen europäischen oder amerikanischen Derivate-Börse wäre ein strategisch guter Schachzug", meint Paul Cheung von UBS Warburg. Er hält eine Beteiligung für vorteilhafter als den vagen Bund mit der LSE. "Die Effizienz von Handelsallianzen muss sich erst erweisen", so Cheung. Denn mit einem anderen Partner sind die Hongkonger bereits baden gegangen: Der Versuch, sieben Nasdaq-Titel in Fernost handeln zu lassen, hat sich als Flop erwiesen. Zudem lebt auch die LSE vorwiegend vom Aktienhandel, und dort sind die Umsätze drastisch eingebrochen. Der Derivatehandel wuchs indes im Vorjahr weltweit um mehr als die Hälfte. Das macht die Amex interessant: Sie kommt unter den Derivate-Handelsplätzen weltweit auf Rang acht, die HKEx nur auf Rang 30.

Egal, ob die Hongkonger sich mit der LSE verbünden oder der Amex: Die Stunde, da sie sich unter den Kooperationspartnern entscheiden müssen, rückt näher. Das Ziel, sich zum asiatischen Schlüsselbaustein einer weltumspannenden Börsen-Allianz zu machen, die Produkte rund um die Uhr handeln kann, hat Hongkong in parallele Bündnis-Gespräche mit erbitterten Konkurrenten getrieben. Und ewig wird die HKEx nicht gleichzeitig mit Nyse und Nasdaq, Euronext und LSE, Tokio, Schanghai und anderen mehr kooperieren können.

Quelle: Handelsblatt

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