Angeblich bevorstehende Zahlungsunfähigkeit
Internet-Händler Amazon verliert nach Gerüchten zehn Prozent

Der Pionier des Internethandels, die amerikanische Amazon.com Inc., hat nach Gerüchten über eine bevorstehende Zahlungsunfähigkeit an der Börse deutliche Einbrüche erlitten.

ddp-vwd. FRANKFURT/MAIN. Berichte, denen zufolge das Unternehmen aus Seattle Gläubigerschutz beantragt haben soll, "entbehren jeder Grundlage", sagte dagegen Unternehmenssprecherin Patricia Smith auf Anfrage. Daran "ist kein Fünkchen Wahrheit", fügte sie hinzu. Auch Analysten äußerten sich skeptisch über den Wahrheitsgehalt des Gerüchts. Der Kurs der Amazon-Aktie verlor an der Frankfurter Börse am Nachmittag gut zehn Prozent auf 11,50 Euro. An der Nasdaq sank der Kurs um acht Prozent auf 10,81 Dollar. Amazon.com ist laut Beobachtern schon lange das Ziel von Marktspekulationen, ob das Unternehmen jemals profitabel arbeiten könne.

Analyst Tim Albright, Experte für E-Commerce bei Salomon Smith Barney, sagte, ein solcher Antrag sei "höchst unwahrscheinlich". "Es hört sich an, als habe jemand etwas über eToys gelesen und sei dann verwirrt gewesen", sagte Albright. Der Online-Spielzeughändler hatte in dieser Woche Gläubigerschutz beantragt und seine Internet-Seite geschlossen.

Volker Kuhnwaldt, Manager des Nordinternet-Fonds der Nordinvest GmbH, Hamburg, bewertete das Gerücht als "vollkommenen Quatsch". "Für eine Pleite von Amazon.com müssen zwei Voraussetzungen erfüllt sein: Entweder steigen die Lagerbestände des Unternehmens von 175 Mill. Dollar im vierten Quartal 2000 auf 500 Mill. Dollar in diesem Quartal, oder der Umsatz von 650 Mill. Dollar im vierten Quartal vergangenen Jahres sinkt auf 100 Mill. Dollar im laufenden Quartal", sagte Kuhnwaldt auf Anfrage. Derzeit stünden bei Amazon.com noch 1,36 Mrd. Dollar an Assets kurzfristigen Verbindlichkeiten von 975 Mill. Dollar gegenüber. Auf mittlere und längere Sicht sieht Kuhnwaldt, der mit 2,3 % des Fondsvermögens des Nordinternet in Amazon.com investiert ist, sogar gute Chancen für das Unternehmen: "Der Logistikausbau ist beendet, alle wichtigen Produktgruppen sind integriert. Bekommt man noch die Kostensituation in den Griff, sollte das funktionieren."

Als Reaktion auf steigende Verluste und eine sich abkühlende US-Konjunktur hatte Amazon Ende Januar den Abbau von 1300 Arbeitsplätzen angekündigt. Dies sind etwa 15 % aller Beschäftigten.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%