Angeblich „große Schmerzen“ und Verabreichung von Wahrheitsserum angedroht
Staatsanwalt ermittelt gegen Vize-Polizeichef

Im Zusammenhang mit der Entführung des Bankierssohnes Jakob von Metzler ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den stellvertretenden Polizei-Präsidenten von Frankfurt, der vom mutmaßlichen Täter eine Aussage erpresst haben soll.

Reuters FRANKFURT. Es gebe einen Anfangsverdacht der Aussage-Erpressung gegen den stellvertretenden Polizei-Präsidenten und einen weiteren Polizisten, erklärte ein Sprecher der Frankfurter Staatsanwaltschaft am Montag. Zu Einzelheiten wollte er sich nicht äußern. Die "Bild"-Zeitung hatte zuvor berichtet, der stellvertretende Polizei-Präsident habe dem mutmaßlichen Entführer des Jungen "große Schmerzen" und die Verabreichung eines Wahrheitsserums androhen lassen, um den Aufenthaltsort des Kindes herauszufinden. Der Berliner "Tagesspiegel" (Dienstagausgabe) berichtete vorab sogar, der Polizeibeamte habe tatsächlich angeordnet, dem verdächtigen Jura-Studenten Schmerzen zuzufügen. Der Student gestand später, den Jungen entführt und getötet zu haben.

Es werde geprüft, ob ein übergesetzlicher Notstand oder eine Nothilfe vorgelegen habe, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft, ohne sich zu Einzelheiten zu äußern. "Es geht um Dinge, die angeblich vorgefallen sind, als man davon ausgehen musste, dass der Junge noch lebt." Der Sprecher machte keine Angaben dazu, wie das Ermittlungsverfahren in Gang kam. Der stellvertretende Polizeipräsident habe jedoch nicht versucht, "irgendetwas unter den Tisch zu kehren". Auch ein Prozess gegen den Studenten sei nicht gefährdet, da er sein Geständnis mittlerweile in einer richterlichen Vernehmung wiederholt habe. Von der Polizei war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Der "Tagesspiegel" berichtete über einen angeblichen internen Vermerk des stellvertretenden Polizei-Präsidenten für die Handakte von Polizei und Staatsanwaltschaft. Danach sei der verdächtige Student "nach vorheriger Androhung, unter ärztlicher Aufsicht, durch Zufügung von Schmerzen, (keine Verletzungen) erneut zu befragen". Die Anordnung erfolge zur Rettung des Lebens des entführten Kindes und sei damit verhältnismäßig. Parallel dazu solle geprüft werden, ob man ein "Wahrheitsserum" beschaffen könne. Der Verdächtige sei mit dem Vorhaben der Ermittler konfrontiert worden und habe daraufhin eingeräumt, dass Jakob von Metzler bereits tot sei.

Der elfjährige Jakob von Metzler war im September 2002 in Frankfurt auf dem Heimweg von der Schule entführt worden. Trotz Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von einer Million Euro blieb er zunächst verschwunden. Erst durch die Aussage des Jura-Studenten, den die Polizei bei der Geldübergabe beobachtet hatte, wurde die in Plastiksäcke verschnürte Leiche des Jungen schließlich in einem See in Osthessen entdeckt. Zunächst hatte der Angeklagte der Polizei nach deren Angaben allerdings andere Orte als Versteck des Jungen genannt, unter anderem wurde ein Waldgebiet südlich von Frankfurt auf einen Hinweis des Verdächtigen hin von Hunderten Polizisten durchsucht. Die Entscheidung über eine Anklage gegen den Studenten wird in Kürze erwartet.

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