Angeblich keine Kapitalerhöhung
Münchener Rück schließt Verlust nicht aus

Der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück schließt angesichts erwarteter Abschreibungen auf Finanzanlagen einen Verlust im ersten Quartal 2003 nicht aus. Vorstandsmitglied Clement Booth zufolge plant der Konzern derzeit keine Kapitalerhöhung, lässt sich eine Hintertür aber offen. Die Aktie brach am Freitag um über elf Prozent auf ein Acht-Jahres-Tief ein.

Reuters MÜNCHEN. "Das kann nicht ausgeschlossen werden", sagte ein Konzernsprecher am Freitag auf die Frage, ob im Auftaktquartal 2003 ein Fehlbetrag möglich sei. Am Donnerstag hatte die Münchener Rück erklärt, im ersten Quartal Abschreibungen im hohen dreistelligen Millionenbereich zu erwarten. Eine Kapitalerhöhung und damit die Ausgabe neuer Aktien plant der Konzern, der bereits die Begabe einer nachrangigen Wandelanleihe zur Stärkung seiner Kapitalbasis angekündigt hat, derzeit nicht. Unterdessen erfuhr Reuters aus Marktkreisen, dass die Investmentbanker von HSBC Securities und Goldman Sachs ihre Bewertung der Aktie des Rückversicherers zurückgenommen haben.

"Auf der einen Seite (...) würden wir das nicht auf einer Analystenkonferenz ankündigen, wenn wir eine Bezugsrechteemission planten", sagte Münchener Rück-Vorstandsmitglied Clement Booth am Freitag in einem Reuters-Interview. "Andererseits müssen wir sehr vorsichtig sein, dass wir in der heutigen Welt nichts ausschließen." Derzeit gebe es aber keine Pläne für einen solchen Schritt. "Es hängt alles davon ab, was die Märkte machen." Mit Blick auf die geplante nachrangige Anleihe sagte er, er sei trotz der jüngsten Ratingsenkung durch S&P sehr zuversichtlich für die Begabe. Finanzkreisen zufolge soll die Anleihe ein Volumen von rund drei Mrd. ? haben.

Fondsmanagern zufolge trugen am Freitag auch zwei negative Urteile internationaler Investmentbanken zum massiven Kurseinbruch der Münchener Rück-Aktie bei. Wie Reuters aus Londoner Marktkreisen erfuhr, stufte HSBC den Anteilsschein auf "Reduce" von zuvor "Add" zurück. Zugleich senkte Goldman Sachs seine Gewinnschätzung für die Aktie um 64 %.

Das Papier, das bereits am Donnerstag mit einem Minus von rund zehn Prozent aus dem Handel gegangen war, brach zeitweise um bis zu zwölf Prozent ein. Am frühen Abend notierte der Anteilsschein mit 59,89 ? um 11,25 % im Minus. Damit ist der Anteilsschein so günstig wie zuletzt 1995. Im Jahr 2000 hatte die Aktie mit knapp 400 ? noch ein Rekordhoch markiert.

Die Münchener Rück hatte am Donnerstag über das Geschäftsjahr 2002 berichtet und mit einem Überschuss von 1,1 Mrd. ? nach Abschreibungen von 5,7 Mrd. ? auf kursschwache Wertpapiere die Erwartungen von Analysten verfehlt. Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) hatte daraufhin die wichtigsten Langfristratings des Konzerns deutlich gesenkt und dies mit der enttäuschenden Ergebnisentwicklung des weltgrößten Rückversicherers in den vergangenen Jahren begründet.

Ein Fondsmanager sagte am Freitag, die Rating-Zurückstufung durch S&P sei mit zwei Stufen äußerst massiv ausgefallen: "Offenbar glaubt der Markt nicht, dass die geplante Anleihe der Münchener Rück ausreicht, um den Kapitalbedarf zu decken."

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