Angeblich neues Bin-Laden-Tonband
USA wollen Irak testen

Die USA wollen den Irak ein letztes Mal auf die Probe stellen. Wie die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungsbeamte am Sonntag berichtete, will Washington in dieser Woche den UN einen Entwurf für eine zweite Irak-Resolution vorlegen, in der Bagdad erneut "ernste Konsequenzen" angedroht werden. Der französische Präsident Jacques Chirac hält entgegen der US-Meinung eine neue Irak-Resolution derzeit nicht für notwendig. In Brüssel versuchte die Nato erneut, den Streit um Hilfszusagen für die Türkei im Falle eines Irak-Kriegs beizulegen.

HB/dpa WASHINGTON/BRÜSSEL. Nach Angaben der "New York Times" soll der Irak in den nächsten 14 Tagen im Rahmen der UN-Waffeninspektionen gezielt auf die Probe gestellt werden. Die USA erwarten dem Blatt zufolge, dass das Bagdad diese Tests als Beweis für die Abrüstungsbereitschaft nicht bestehen werde. Sie hofften, damit Kriegsgegner wie Frankreich von der Notwendigkeit eines Militärschlags überzeugen zu können. Zu den Tests werde unter anderem die Forderung nach völlig abgeschirmten Befragungen von irakischen Wissenschaftlern durch UN-Inspekteure ohne Überwachung und ohne Tonbänder gehören.

Die nationale Sicherheitsberaterin Condoleezza Rice äußerte sich in TV-Interviews nicht zu einem konkreten Zeitplan für eine neue UN-Resolution. Sie sprach aber von einem diplomatischen Zeitfenster, das nicht mehr lange offen sei. Washington sei an einer zweiten Resolution interessiert, wenn diese keine weitere Zeitverzögerung bedeute.

Rice bestätigte, dass die USA derzeit in den Vereinten Nationen um die Zustimmung zu einer zweiten Irak-Resolution werben. Die französische Haltung, den Waffeninspektoren in Irak mehr Zeit zu gewähren, verringere den Druck auf Iraks Präsident Saddam Hussein, sagte Rice am Sonntagmorgen in der NBC-Sendung "Meet the Press". Mit Frankreich, Russland und China haben sich drei Veto-Mächte in dem Rat für eine Verlängerung der Inspektionen ausgesprochen.

Zum Rückschlag für die US-Irakpolitik im UN-Sicherheitsrat sagte Rice, das Gremium habe wiederholt bewiesen "unfähig zur Reaktion" zu sein. In einer ersten Resolution waren dem Irak ernste Konsequenzen für den Fall angedroht worden, dass er die Abrüstungsauflagen der UN nicht erfüllt.

Die UN-Waffeninspekteure sollen dem Weltsicherheitsrat am 1. März erneut berichten. In ihrem jüngsten Report hatten sie am Freitag festgestellt, dass im Irak bislang keine Massenvernichtungswaffen gefunden worden seien.

Die Nato erörterte einen von Belgien vorgelegten Kompromissvorschlag. Belgiens Außenminister Louis Michel sprach von "sehr harten" Verhandlungen. Deutschland, Frankreich und Belgien hatten bislang einen Beschluss über das Ersuchen der Türkei mit dem Hinweis blockiert, dass der Weltsicherheitsrat erst über das weitere Vorgehen in der Sache müsse. Die EU wollte an diesem Montag auf einem Sondergipfel in Brüssel über eine gemeinsame Linie zum Irakkonflikt beraten.

In Kairo sprachen sich die Außenminister der Arabischen Liga gegen einen Angriff auf den Irak aus. Das Treffen fand zur Vorbereitung des Liga-Gipfels Ende Februar in Ägypten statt.

In einem angeblich von Terroristenführer Osama bin Laden stammenden neuen Tonband warnt dieser vor amerikanischen Plänen zur Aufspaltung der arabischen Welt, die Washington beherrschen wolle. Die arabische Tageszeitung "Al-Hayat" veröffentlichte am Sonntag Auszüge des Textes des Tonbandes, das eine Laufzeit von über 50 Minuten hat. Die Aufnahme sei ungefähr zum gleichen Zeitpunkt entstanden wie das vor einigen Tagen vom arabischen Fernsehsender El Dschasira abgespielte Tonband, das westliche Geheimdienste für echt halten. Auf dem neuen Band wird nach Angaben der Zeitung mit neuen Terroranschlägen gegen amerikanische Ziele gedroht. Eine Konferenz von 21 internationalen Hilfsorganisationen und 29 Staaten in Genf appellierte am Sonntag an die Welt, schon jetzt Hilfsgelder für humanitäre Zwecke für den Fall eines Irakkriegs zu spenden. UN-Hilfsorganisationen rechnen im Kriegsfall mit zwei Mill. Vertriebenen und bis zu 1,5 Mill. weiteren Flüchtlingen.

Unterdessen gingen die Kriegsvorbereitungen im Golf weiter. Kuwait sperrte am Samstag zwei Drittel des Landes für Zivilisten. In der nördlichen Wüstenregion haben die USA inzwischen schätzungsweise 70 000 Soldaten stationiert, Großbritannien etwa 30 000.

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