Angeblich palästinensische Armee-Geschosse
Hebron-Patrouille vorläufig ausgesetzt

Die internationale Beobachtergruppe in der geteilten palästinensischen Stadt Hebron (TIPH) hat ihre Patrouillen in der Stadt nach dem tödlichen Anschlag auf zwei ihrer Mitglieder am Mittwoch vorübergehend ausgesetzt.

dpa HEBRON. Eine Beobachterin aus der Schweiz und ihr türkischer Kollege waren am Dienstagabend in ihrem deutlich gekennzeichneten Dienstfahrzeug von einem unbekannten Attentäter mit einer Maschinenwaffe beschossen worden. Ein dritter Beobachter der "Zeitweiligen Internationalen Präsenz in Hebron" (TIPH) sagte später israelischen Journalisten, bei dem Täter habe es sich eindeutig um einen Mann in palästinensischer Polizeiuniform gehandelt.

Die Sprecherin der TIPH, Nanna Ahlmark, sagte am Mittwoch: "Wir können diese Angaben noch nicht bestätigen. Unsere Untersuchung ist noch nicht abgeschlossen." Wegen des schweren Zwischenfalls setzten die etwa 90 Beobachter der Gruppe am Mittwoch ihre Kontrollgänge aus. Die Patrouillen würden jedoch vermutlich an diesem Donnerstag wieder aufgenommen, meinte Ahlmark.

Sprecher der Palästinenser hatten am Dienstagabend israelische Soldaten oder jüdische Siedler für den Anschlag verantwortlich gemacht. Die Beobachter seien nach Angaben der Krankenhausärzte von Geschossen getroffen worden, "die nur von der Armee benutzt werden", sagte Hebrons Bürgermeister Mustafa el Natsche. Auch die Autonomiebehörde in Ramallah bezichtigte die Israelis der Tat und verlangte eine internationale Untersuchung.

Innerhalb von nur zwei Wochen sind damit bereits drei Ausländer Opfer des Konflikts zwischen Israel und den Palästinensern geworden. Am 13. März war der italienische Fotograf Raffaele Ciriello von einem israelischen Soldaten in Ramallah von einem Panzer aus erschossen worden.

Die etwa 90 Beobachter der "Zeitweiligen Internationalen Präsenz in Hebron" sind seit 1994 in der palästinensischen Stadt stationiert, in der neben 120 000 Arabern auch etwa 500 jüdische Siedler leben. Die nicht bewaffneten Beobachter aus Italien, Dänemark, Norwegen, Schweden sowie der Schweiz und der Türkei begannen ihre Arbeit nach dem blutigen Attentat des jüdischen Siedlers Baruch Goldstein. Er hatte am 25. Februar 1994 in einer Moschee am Grab des Patriarchen 29 Palästinenser erschossen. Seither sind die Beobachter immer wieder zum Angriffsziel jüdischer Siedler geworden.

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