Angeblich Übernahme durch Kirch
EM.TV korrigiert Gewinnprognose nach unten

Der Medienkonzern EM.TV, der kurz vor der Übernahme durch die Kirch-Gruppe stehen soll, hat seine Gewinnprognose für 2000 um fast eine halbe Milliarde DM nach unten korrigiert. Am Montag sollen auf einer Pressekonferenz in München die Neun-Monats-Zahlen bekannt gegeben werden.

dpa MÜNCHEN. Allerdings gilt es in Branchenkreisen als unwahrscheinlich, dass an diesem Tag auch die Übernahme durch die Kirch-Gruppe verkündet wird. Die Verhandlungen könnten sich noch bis zum Ende der Woche hinziehen.

Die EM.TV & Merchandising AG (München) hatte am Freitagabend mitgeteilt, dass statt der geplanten 525 Mill. DM das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) nur bei 50 Mill. DM liegen werde. Früher war sogar von einem EBIT in Höhe von 600 Mill. DM (1999: 153 Mio DM) die Rede gewesen. Die Liquidität des Konzerns sei trotz der Rücknahme der Prognosen um 90 % sichergestellt, hieß es.

In die EBIT-Prognose seien die Abschreibungen aus den milliardenschweren Zukäufen in diesem Jahr (Tele München, Formel 1, "Muppetshow") noch nicht eingerechnet, räumte EM.TV ein. Damit könnte der Konzern nach Einschätzung von Analysten beim Jahresüberschuss tief in die roten Zahlen rutschen. Der EM.TV-Aktienkurs war in den vergangenen Wochen wegen Gerüchten über eine Gewinnwarnung bereits auf neue Jahrestiefs gerutscht. Am Wochenende gab er im außerbörslichen Handel noch einmal um deutlich mehr als zehn Prozent auf zwischenzeitlich 14 Euro nach. Das Jahreshoch des einstigen Stars am Neuen Markt lag bei 120 Euro.

Die Prognosen seien noch einmal schlechter ausgefallen als vom Markt befürchtet, sagte ein Analyst dem Nachrichtensender n-tv. Beim Umsatz rechnet EM.TV für 2000 nur noch mit 1,4 Mrd. DM. Dies sei eine Abweichung von 2,7 % im Vergleich zu den bisherigen Planungen, hieß es. Allerdings hatte EM.TV noch im Juni sogar 1,6 Mrd. DM als Prognose abgegeben. Zu dem Widerspruch äußerte sich im Konzern zunächst niemand.

Sollte Kirch EM.TV übernehmen, würde der Münchner Medienmogul nach Informationen aus Branchenkreisen die Anteile von EM.TV-Chef Thomas Haffa und seinem Bruder Florian in Höhe von knapp 50 % voraussichtlich komplett übernehmen. Bezahlt würde der Deal mit einer Beteiligung an der KirchMedia im niedrigen einstelligen Bereich und mit einem Baranteil.

Halbjahreszahlen waren schon fehlerhaft

EM.TV hatte in den vergangenen Wochen schon öfter für Schlagzeilen gesorgt. Die Halbjahres-Zahlen mussten wegen Unregelmäßigkeiten in der Bilanz korrigiert werden. Florian Haffa gab kurze Zeit später sein Amt als Finanzvorstand ab und ist seither nur noch offizieller Vertreter seines Bruders als Konzernchef. Zuletzt machten sogar Gerüchte über eine drohende Pleite des Unternehmens die Runde.

Die KirchGruppe interessiert sich insbesondere für die 50-Prozent- Beteiligung von EM.TV an der Formel 1. Zudem betreiben die beiden Unternehmen seit einigen Jahren bereits erfolgreich das Joint Venture Junior TV. Bei der Gründung des Gemeinschaftsunternehmen zahlte EM.TV vor zwei Jahren 500 Mill. DM und verschaffte der Kirch-Gruppe damit eine wichtige Finanzspritze. Im Gegenzug erhielt EM.TV Zugang zu insgesamt rund 20 000 halbstündige Kinder- und Familienprogrammen. Zudem erhält EM.TV bei dem nach Einschätzung von Beobachtern ungewöhnlichen Geschäft 100 % der Junior-Ergebnisse bis seine Investition einschließlich Fremdkapitalzinsen vollständig refinanziert sind.

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