Angebliche Verbindungen Iraks zu El Kaida angezweifelt
Streit in London

Wenige Stunden vor einer Rede von US-Außenminister Colin Powell im UN-Sicherheitsrat ist in Großbritannien ein Streit über angebliche Verbindungen zwischen dem Irak und dem Terrornetzwerk El Kaida ausgebrochen. Premierminister Tony Blair sprach am Mittag im Unterhaus von einer "unbestreitbaren" Verbindung zwischen El Kaida und dem Regime in Bagdad.

HB/dpa LONDON. Wie weit diese Verbindungen gingen, müsse aber im "Bereich der Spekulation" bleiben. Ähnlich hatte sich zuvor auch Außenminister Jack Straw geäußert. Dagegen hatte der Rundfunksender BBC am Mittwoch berichtet, in einem Blair vorgelegten Geheimdienstpapier würden derartige Verbindungen ausgeschlossen.

"Es gibt mit Sicherheit Verbindungen zwischen El Kaida und verschiedenen Leuten im Irak. Was wir nicht wissen ist - und Blair und ich haben das ganz deutlich gemacht - wie groß das Ausmaß dieser Verbindungen ist", sagte Straw. Bekannt sei aber, dass im Irak eine "freizügige Umgebung" herrsche, in der Mitglieder von El Kaida arbeiten könnten. Außerdem sei bekannt, dass Saddam Hussein in der Vergangenheit "allgemein" den Terrorismus unterstützt habe, fügte Straw hinzu.

Über das neue Geheimdienstpapier berichtete der BBC- Verteidigungsexperte Andrew Gilligan. Dieser berief sich auf ein vor drei Wochen von einem Stab des militärischen Nachrichtendienstes verfasstes Papier, das als "streng geheim" eingestuft und Blair vorgelegt worden sei. Daraus gehe hervor, dass El-Kaida-Chef Osama bin Laden die im Irak regierende Baath-Partei im Gegensatz zu seinen religiösen Ansichten sehe. Für den Terroristenführer sei der Irak ein "abtrünniges Regime". Bin Ladens Ziele stünden in einem "ideologischen Widerspruch" zum heutigen Irak. Anfängliche Kontakte seien an "Misstrauen und unvereinbaren Ideologien" gescheitert.

Laut Gilligan herrscht in Kreisen der britischen Geheimdienste "wachsende Unruhe" darüber, dass ihre Arbeit "politisiert" werde, um so eine Rechtfertigung für einen Krieg gegen den Irak zu schaffen.

Saddam Hussein hatte in einem am Dienstagabend im britischen Fernsehsender Channel vier ausgestrahlten Interview mit dem langjährigen Labour-Abgeordneten Tony Benn jegliche Beziehungen zu El Kaida bestritten. "Wenn wir Beziehungen zu El Kaida hätten, und wir an diese Beziehungen glauben würden, hätten wir keinen Grund, uns deswegen zu schämen und das nicht zuzugeben", sagte Saddam Hussein.

Das Gespräch war am vergangenen Wochenende bei einem Besuch Benns in Bagdad aufgezeichnet worden. Benn (74) ist erklärter Kriegsgegner.

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