Angeblicher Brief Saddams
US-Militär sucht verbotene Waffen im Irak

Die US-Besatzungstruppen im Irak haben nach Ablauf einer Amnestiefrist mit groß angelegten Razzien zur Entdeckung verbotener Waffen begonnen. In der Unruhestadt Falludscha rückten am Sonntag etwa 1300 US-Soldaten zu Durchsuchungen aus, die Teil des neues Einsatzes "Operation Wüstenskorpion" waren.

dpa BAGDAD. Nach Angaben des US-Militärs gab es eine Reihe von Festnahmen. Zugleich errichteten amerikanische Panzertruppen Kontrollstellen auf Autobahnen um die Hauptstadt Bagdad. Irakische Polizeioffiziere bestätigten der dpa, dass trotz der garantierten Straffreiheit in den vergangenen zwei Wochen nur wenige Waffen abgegeben wurden.

Der Einsatz solle Widerstandsnester isolieren und besiegen, die den Wandel zu Frieden und Stabilität bedrohten, wie die US-Militärführung mitteilte. Er richte sich gegen ausgewählte Anhänger der verbotenen Baath-Partei von Saddam Hussein, gegen als terroristisch bezeichnete Organisation und Kriminelle. "Den Kampfeinsätzen folgen humanitäre Aufträge, die den Übergang zu irakischer Selbstverwaltung unterstützen sollen", hieß es. Während der Amnestie waren in ganz Irak bis Samstag nur einige hundert von schätzungsweise Millionen Waffen abgegeben worden, darunter 115 Pistolen, 406 Sturmgewehre und 152 Panzerfäuste.

Wenige Stunden vor Ablauf der Frist hatte der US-Zivilverwalter Paul Bremer am Samstag die Bevölkerung gewarnt. "Wir meinen es ernst damit, dass wir diese Waffen aus dem Verkehr ziehen", sagte er am Samstag in Bagdad. Bremer hatte eine Amnestie-Periode vom 1. bis zum 14. Juni verkündet, während derer Pistolen und Gewehre straflos abgeben werden konnten.

"Hier wurden keine Schusswaffen abgegeben", sagte ein irakischer Polizeioffizier am Sonntag in der Stadt Falludscha, die mehrfach Schauplatz irakischer Angriffe auf US-Truppen war. "Die Leute sagen, sie wollen ihre Waffen behalten. Es sei zu gefährlich, es gebe keine Sicherheit für die Familien." An einem Kontrollpunkt auf der Autobahn zwischen Bagdad und Falludscha nahmen Soldaten mehrere Männer in Gewahrsam. "Wir suchen nach Schusswaffen. Verdächtig Autos werden gestoppt, alle müssen aussteigen", sagte ein US-Offizier.

Wi ist Saddam Hussein

Nach Angaben des US-Zentralkommandos in Doha (Katar) ist inzwischen auch der ehemalige Kommandeur der irakischen Luftwaffe, Hamid Radschah Schalah el Tikriti, festgenommen worden. Der Ex- Kommandeur stand auf der US-Liste der 55 meistgesuchten Iraker auf Platz 17. Inzwischen sind damit nach Angaben des Militärs 31 der 55 auf der Liste genannten Iraker in der Hand der US-Truppen.

Die in London erscheinende arabische Tageszeitung "Al-Quds Al- Arabi" veröffentlichte am Wochenende einen Brief, der angeblich von dem verschwundenen irakischen Ex-Präsidenten Saddam Hussein stammt. Darin werden alle Ausländer zum Verlassen des Iraks aufgefordert. In dem Brief, der nach Angaben des Blattes vom 12. Juni stammt, werden die Iraker zum Widerstand gegen die amerikanisch-britische Besatzung und die neuen Truppen, "Dänemark und die Polen und andere Ungläubige" aufgerufen. Falls die Besatzer weiter im Land bleiben sollten, würden später auch Angriffe "in ihren eigenen Ländern" folgen. Für die Authentizität des Briefes gab es keine unabhängige Bestätigung.

Das Schicksal von Saddam Hussein ist weiter unklar. "Ich weiß, dass er den Krieg überlebt hat", sagte seine 36-jährige Tochter Raghad der "Sunday Times" in einem Telefoninterview. Allerdings habe sie selbst das letzte Mal wenige Tage vor Kriegsbeginn mit ihrem Vater gesprochen. Sie habe keinen Kontakt zu ihrem Vater und ihren beiden Brüdern Udai und Kusai, sagte Raghad nach Angaben des Blattes weiter. Nach dem Bericht lebt die Saddam-Tochter mit ihren vier Kindern und ihrer Schwester Rana sowie deren drei Kindern im Irak.

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