Angeblicher Emissionsbetrug
Weitere Strafanzeige gegen Telekom-Manager

Gegen den früheren Telekom-Chef Ron Sommer und andere Telekom-Manager ist eine weitere Strafanzeige wegen angeblichen Emissionsbetrugs beim dritten Börsengang des Bonner Konzerns gestellt worden.

Reuters FRANKFURT. "Die Anzeige wegen Emissionsbetrugs ist heute hier eingegangen", bestätigte der Sprecher der Staatsanwaltschaft Bonn, Fred Apostel, am Mittwoch. Eingereicht worden sei sie von der Stuttgarter Kanzlei Binz und Partner, die damit eine bereits vorliegende Anzeige erweitere. Hintergrund sind Medienberichte, wonach die Anleger bei der Ausgabe der dritten Tranche von Telekom-Aktien im Juni 2000 angeblich nicht ausreichend über Risiken informiert worden seien.

In den Berichten hatte es geheißen, die britische Mobilfunkfirma One-2-One sei 1999 für zehn Milliarden Euro eingekauft worden, obwohl der damalige Telekom-Finanzchef den Wert des Unternehmens als nur halb so hoch eingestuft habe. Ein Telekom-Sprecher wies Vorwürfe zurück, dass im Börsenprospekt angeblich nicht ausreichend auf dieses Risiko hingewiesen worden sei. Rechtsexperten bezeichneten die Aussichten auf Schadenersatz in der Sache als gering.

Für die Übernahme von One-2-One im August 1999 hatte die Telekom zehn Milliarden Euro bezahlt. Das ARD-Magazin "Report" hatte über ein internes Schreiben des damaligen Finanzvorstands Joachim Kröske berichtet, der den Wert des britischen Mobilfunkunternehmens nur auf fünf Milliarden Euro taxierte.

Telekom weist Vorwurf zurück

Ein Telekom-Sprecher wies den Vorwurf zurück, dass beim anschließenden dritten Börsengang im Sommer 2000 nicht ausreichend auf Risiken wie den vermeintlich überteuerten Unternehmenskauf hingewiesen worden sei. Der Börsenprospekt enthalte alle notwendigen Informationen. "Es ist ganz normal, dass es im Vorstand eine Vielzahl von Meinungen und Diskussionen gibt im Vorfeld eines solchen Kaufs. Der ehemalige Finanzvorstand hat Punkte aufgezählt, die beim Kauf von One2One berücksichtigt werden müssten", sagte der Sprecher. Bei Übernahmen bei Kaufpreisen deutlich über den eigentlichen Firmenwerten sind häufig erhebliche Abschreibungen nötig .

Die Staatsanwaltschaft Bonn teilte mit, die Anzeige werde in die bereits seit längerem laufenden Ermittlungen wegen der Bewertung der Telekom-Immobilien bei der ersten Telekom-Tranche integriert.

Rechtsexperten stufen die Aussichten, dass die rund drei Millionen Kleinanleger bei einer erfolgreichen Schadenersatzklage ihre T-Aktien zum damaligen Ausgabepreis von 63,50 Euro der Telekom zurückgeben könnten, eher als gering ein.

"Ich glaube nicht, dass etwas dabei rauskommt. Die Staatsanwaltschaft muss den Vorsatz nachweisen, also dass die Telekom-Aktionäre vorsätzlich getäuscht werden sollten. Dazu braucht man aber mehr als ein internes Schreiben, schließlich kann Herr Sommer da gegenhalten und Experten zitieren, die etwas anderes festgestellt hatten", sagte Klaus Rotter, ein auf Anlegerschutz spezialisierter Rechtsanwalt aus München. "Wir haben seit Jahren Klagen hier liegen, die die Immobilienbewertung bei der ersten und dritten Tranche betreffen. Wir prüfen erst noch, ob wir diesen Grund darin aufnehmen können." An der Börse legte der Kurs der Telekom-Aktie bis zum Mittag um 1,4 Prozent auf 10,33 Euro zu, während das Börsenbarometer Dax mit 0,9 Prozent im Minus lag.

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