Angeblicher Insider-Verrat soll Karadzic-Festnahme vereitelt haben
Französischer Offizier warnte Karadzic

Zwei große Einsätze der SFOR- Truppen zur Festnahme des wegen Kriegsverbrechen gesuchten Ex-Führers der Serben in Bosnien, Radovan Karadzic, sind wahrscheinlich wegen Verrats aus NATO-Kreisen gescheitert.

dpa SARAJEWO/PARIS. Ein französischer Hauptmann habe Vertrauten von Karadzic die Operation der SFOR-Friedenstruppe angedeutet, berichtete die Tageszeitung «Hamburger Abendblatt» in ihrer Montag-Ausgabe. Ein Karadzic-Vertrauter bestätigte am Montag indirekt diesen Bericht.

Das Pariser Verteidigungsministerium will vorerst zu der möglichen Warnung des französischen Offiziers an Karadzic nicht Stellung nehmen. «Die SFOR-Friedenstruppe hat eine Untersuchung eröffnet, wir werden uns an deren Schlussfolgerungen halten», sagte Ministeriumssprecher Jean-Francois Bureau am Montag in Paris.

Die von der NATO geführte internationale Bosnien-Truppe SFOR geht den Berichten über die angeblichen Informationslücken bei den missglückten Aktionen um die Karadzic-Festnahme nach. Das SFOR- Kommando sei über die Medienberichte informiert worden und habe entsprechende Ermittlungen aufgenommen, sagte SFOR-Sprecher Scott Lundy in Sarajevo. Sollten sich diese Verdächtigungen bestätigen, würden «entsprechende» Maßnahmen ergriffen werden, fügte er hinzu.

Der «äußere, periphere» Sicherheitsring um Karadzic habe über einen «Umweg» erfahren, dass etwas geschehen werde; so hätten alle «notwendigen Maßnahmen» getroffen werden können, sagte Miroslav Toholj der in Podgorica (Montenegro) erscheinenden Tageszeitung «Dan». Jetzt sei der angeklagte Kriegsverbrecher «vollkommen sicher», fügte Toholj hinzu, der ein enger Vertrauter von Karadzic ist.

Das «Hamburger Abendblatt» zitierte den amerikanischen Sonderbotschafter für den Balkan, Shaun Byrnes, mit den Worten: «Ein französischer Offizier legte die Aktion offen.» Das belegten Abhörprotokolle des Mobiltelefonverkehrs, die eine an der Friedenstruppe beteiligte Nation angefertigt habe. Demnach habe am vergangenen Donnerstag um 06.26 Uhr ein französischer Hauptmann mit einem hochrangigen Offizier der bosnisch-serbischen Polizei in der Stadt Foca telefoniert.

Der Schriftsteller Toholj war Informationsminister zur Zeit der Karadzic-Herrschaft und ist jetzt Vizepräsident eines so genannten Internationalen Komitees zur Wahrheit über Karadzic.

Am vergangenen Donnerstag und Freitag waren zwei Versuche der Friedenstruppe SFOR gescheitert, Karadzic bei Celebici im Südosten von Bosnien-Herzegowina festzunehmen. Der 56 Jahre alte ehemalige Präsident der bosnischen Serbenrepublik, Psychiater und Schriftsteller ist seit 1995 vom UN-Tribunal wegen Völkermordes, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Verstößen gegen das Kriegsvölkerrecht angeklagt.

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