Angeblicher Streit zwischen Busch und Blair
USA wollen Talibanführer nicht entkommen lassen

Die USA wollen die Führung der Taliban und des El-Kaida-Terrornetzwerks auf keinen Fall aus Afghanistan entkommen lassen. Die USA hofften, dass sich die Oppositionskräfte nicht auf einen "Handel" mit den Taliban einließen, sagte Verteidigungsminister Donald Rumsfeld am Montag in Washington. Die Vorstellung, Angehörige der Taliban oder El Kaida könnten möglicherweise ihre Waffen behalten, in andere Staaten fliehen und dann von dort aus ihr Unwesen treiben, mache die USA "nicht sehr glücklich".

dpa ISLAMABAD/LONDON. In der eingeschlossenen nordafghanischen Stadt Kundus sollen die Taliban mit den Belagerern über einen freien Abzug für sich und die ausländischen Freiwilligen, unter ihnen angeblich führende El-Kaida - Mitglieder, verhandeln.

In Afghanistan sind unterdessen erneut mehrere westliche Journalisten auf einer Fahrt von Dschalalabad nach Kabul erschossen worden. Dies bestätigte Montagabend in Brüssel der italienische Außenminister Renato Ruggiero. Bei den vier Reportern handele es sich um einen Kameramann und einen Fotografen der britischen Nachrichtenagentur Reuters, eine Korrespondentin der italienischen Zeitung "Corriere della Sera" und einen Journalisten der spanischen Zeitung "El Mundo". Sie waren auf dem Weg nach Kabul und gerieten in einen Hinterhalt. Erst am 11. November waren der "Stern"-Reporter Volker Handloik und zwei französische Journalisten bei einem Taliban- Angriff im Norden des Landes getötet worden.

Nach britischen Presse-Informationen ist es zwischen US-Präsident George W. Bush und Blair zu Unstimmigkeiten über die künftige Strategie in Afghanistan gekommen. Die Londoner Abendzeitung "Evening Standard" meldete am Montag unter Berufung auf britische Regierungsquellen, Blair wolle Bodentruppen in großer Anzahl entsenden, um der "chaotischen" Situation Herr zu werden. Bush hingegen wolle nur den Terroristenführer Osama bin Laden und sein Netzwerk El Kaida ausschalten und die Taliban endgültig entmachten.

Der Bericht wurde von einem Sprecher Blairs als "einfach nicht wahr" dementiert. Auch könnten noch immer 6000 britische Soldaten kurzfristig nach Afghanistan geschickt werden. Es stimme nicht, dass die Entsendung der Truppen wegen Problemen mit der Nordallianz verschoben worden sei. Die BBC und der "Daily Telegraph" hatten hingegen am Montag berichtet, der Aktionsplan zur Entsendung britischer Truppen sei eingefroren.

Der Innenminister der Nordallianz, Junis Kanuni, wurde in britischen Medien zum Streit über die britische Truppenpräsenz mit den Worten zitiert: "Wir erwarten nicht noch mehr ausländische Truppen. Wir sehen keine Notwendigkeit dafür." Am Donnerstag waren etwa 100 Elitesoldaten der Royal Marines auf dem Flughafen Bagram nördlich von Kabul eingetroffen; sie sollen sich auf humanitäre Aufgaben, Minensuche und den Schutz der britischen Botschaft beschränken.

Vertreter der Nordallianz in Kabul hatten ihren Ärger darüber zum Ausdruck gebracht, dass der erste Stoßtrupp der Royal Marines ohne Ankündigung eingetroffen war. Eine Vorhut französischer Soldaten, die am Wochenende in Masar-i-Scharif landen sollte, saß am Montag noch in Usbekistan fest.

Der nach Kabul zurückgekehrte afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani, ein Tadschike, befürchtet nach Ansicht von Experten offenbar, dass eine massive ausländische Truppenpräsenz die Machtverhältnisse zu seinen Ungunsten verschieben könnte. Der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, kündigt an, dass in dieser Woche Gespräche über eine All-Parteien- Regierung beginnen. Eine Gruppe ranghoher russischer Regierungsbeamter nahm am Montag in Kabul Arbeitskontakte zur Nordallianz auf. In Kabul hält sich derzeit auch der UN-Diplomat Francesc Vendrell auf.

In Kundus im Norden Afghanistan hat es Massaker und Selbstmorde unter den eingeschlossenen Taliban und Mitgliedern der Terrorgruppe Osama bin Ladens gegeben. Die arabische Zeitung "Al-Hayat" berichtete am Montag, Terroristen der Gruppe El Kaida hätten 300 Taliban umgebracht, die bereit gewesen seien, über eine Kapitulation zu verhandeln. Ähnlich hatten sich am Vortag Vertreter der Nordallianz im US-Sender CNN geäußert. Sie berichteten auch über Selbstmorde in den belagerten Milizen. Die Nordallianz zog nach eigener Aussage den Ring um Kundus enger. Auch die südliche Taliban-Hochburg Kandahar ist eingeschlossen.



Die USA setzten unterdessen ihre Luftangriffe fort. Beobachter werten dies als Hinweis, dass die USA auch nach dem Abzug der Taliban aus vielen Provinzen dort noch Terroristenlager vermuten.

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