Angebot an Malaysian Airlines für vertiefte Kooperation – Lücke im deutschen Markt
KLM hat Fusionspläne nicht aufgegeben

Das gute Halbjahrsergebnis von KLM kann nicht darüber hinweg täuschen: Die niederländische Fluggesellschaft ist zu klein, um allein zu überleben. Trotz gescheiterter Versuche sucht sie weiter nach einem Fusionspartner und hält die Tür für British Airways und Alitalia offen. Auch die internationalen Allianzen sollen ausgebaut werden.

AMSTERDAM/DÜSSELDORF. Die niederländische Fluggesellschaft KLM hofft, langfristig doch noch mit British Airways (BA) oder Alitalia zu fusionieren. Beide wären gute Partner und seien deshalb für KLM attraktiv, sagte KLM Executive Vice President Henny Essenberg in einem Gespräch mit der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten.

Nach Ansicht des Chefs des Passagierverkehrs wird KLM durch den Konsolidierungsdruck bei den Fluggesellschaften gezwungen, noch bis Ende nächsten Jahres an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Ziel werde eine Fusion oder zumindest eine tiefgreifende Allianz sein, bei der es auch einen Aktientausch geben könnte.

KLM hatte bereits mit Alitalia eine enge Partnerschaft, die in einen vollen Zusammenschluss münden sollte. Diesen Prozess haben die Fluggesellschaften im April diesen Jahres jedoch überraschend wegen starker Differenzen wieder abgebrochen. Anschließend begann KLM Fusionsverhandlungen mit BA, die im September auf Grund von Problemen im Bereich internationaler Luftfahrtverträge und Wettbewerbsfragen für gescheitert erklärt wurden. Doch nun geben sich die Niederländer optimistisch: "Die Probleme, die wir rund um das Wettbewerbsrecht hatten, sind alle lösbar", meint Essenberg. Man könne nicht warten, bis die internationalen Gesetze geändert seien, sondern müsse wegen des allgemeinen Konsolidierungsdrucks bald handeln.

Bis es soweit ist, will sich das Unternehmen unter dem Motto "Back to blue" besser strukturieren. Dabei will KLM rund 2 000 Stellen streichen. Erste Ergebnisse zeigten sich bei den gerade vorgelegten Halbjahreszahlen. So stieg das Betriebsergebnis um 45 % auf 301 Mill. Euro. Doch "Back to blue" sei nur die Strategie für die nahe Zukunft, betonte Essenberg. Der Aufbau neuer Allianzen habe bei KLM Priorität. "Als eigenständiges Unternehmen hat KLM im Grunde keine Existenzmöglichkeit", sagt auch Michael Benedikt, Luftfahrt-Experte der Bank Julius Bär.

"Mini"-Heimatmarkt

Unter Druck steht KLM aus zwei Gründen: So hat sie - ähnlich wie die Swissair - einen sehr kleinen Heimatmarkt. "KLM muss größer werden, sie ist einfach zu klein, um alleine zu überleben", sagt Morris Garfinkle, President von GKMG Consulting Services und einer der gefragtesten Unternehmensberater der Branche.

Zum anderen sind ihre Partnerschaften mit anderen Airlines nicht so stark ausgebaut, dass sie dieses Manko ausgleichen könnte. Konkurrent Lufthansa beispielsweise kooperiert in Europa eng mit der skandinavischen SAS, mit Austrian Airlines, British Midland und der Spanair. Deswegen sind für Lufthansa-Chef Jürgen Weber Fusionen zurzeit kein Thema. "Neunzig Prozent der Synergien entstehen auf der Ertragsseite", so Weber, "und die kann man auch ohne Fusionen realisieren."

KLM dagegen steht weiter unter Zugzwang - nicht nur in Europa. "KLM muss ganz schnell in Asien zum Zuge kommen", so Analyst Benedikt. Doch potenzielle Partner sind rar. Malaysian Airlines liegt bereits ein Angebot über eine Vertiefung der schon bestehenden Kooperation mit den Niederländern vor, über das in der ersten Jahreshälfte 2001 entschieden werden soll. Die Kooperation soll vor allem den australischen Markt für KLM öffnen.

Und der Blick auf den deutschen Markt verrät: Auch hier müssen die Niederländer kämpfen, da Lufthansa 25 % des langjährigen KLM-Partners Eurowings übernehmen wird. Deshalb wird das Unternehmen jetzt seine Partnerschaft mit der drittgrößten deutschen Fluggesellschaft auflösen und plant, die Routen nach Deutschland spätestens in zwei Jahren mit eigenen Maschinen zu bedienen.

Probleme könnte den Niederländern dabei ihre Flotte machen. An kleineren Maschinen haben sie vor allem den vierstrahligen Jet BAE 146 im Programm. Die Flugzeuge von Britisch Aerospace haben aber höhere Betriebskosten als die der Konkurrenz. Verfügbar hätten sie auch Turbopropmaschinen der Marke Fokker. Doch die Akzeptanz der an sich sparsamen Propellermaschinen bei den Kunden nimmt immer mehr ab.



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