Angebot erwartet
Nord/LB vor den Toren der Bankgesellschaft

Nur wenige Jahre nach dem Scheitern der Fusion mit der Bankgesellschaft Berlin könnte die Nord/LB schon bald das Steuer bei dem angeschlagenen Konzern übernehmen.

dpa BERLIN/HANNOVER. Einen Tag, nachdem die Bankenaufsicht den Kapitalbedarf der Berliner auf gut 4 Mrd. DM beziffert hatte, signalisierte der niedersächsische Finanzminister Heiner Aller (SPD) am Freitag die Bereitschaft zu einer Mehrheitsbeteiligung. Der Aufsichtsrat der Bankgesellschaft betonte nach mehr als sieben Stunden Beratung, dass durch die Garantie des Senats die Zukunft aber auch "unabhängig von eventuellen Vereinbarungen mit anderen Aktionären oder anderen Partnern" gesichert sei.

"Wenn wir uns stärker engagieren, muss auch über die unternehmerische Führung diskutiert werden", sagte Aller der dpa. Er rechne demnächst mit einem Angebot des Landes Berlin, das die Mehrheit hält. Intern habe man sich Obergrenzen für einen Ankauf von Anteilen gesetzt, sagte er in der NDR-Sendung hallo Niedersachsen. Es sei aber taktisch falsch, jetzt konkrete Zahlen zu nennen. Als Partner für eine Übernahme nannte Aller das Land Brandenburg und die ostdeutschen Sparkassen.



Zur Sanierung muss die Bankgesellschaft neu strukturiert werden. Der Aufsichtsrat erwartet für seine Sitzung am 24. Juni dazu ein umfassendes Konzept. Der Jahresabschluss, der sich wegen der Sonderprüfungen verzögert hat, soll Mitte Juli feststehen. Ende August soll die Hauptversammlung die Kapitalerhöhung beschließen.



"Das Ergebnis der laufenden Aufräumarbeiten bei der Bankgesellschaft wird insgesamt sein, dass wir weniger Staat und eine stärkere Bank haben», sagte Berlins Regierender Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) der dpa. Die aktuelle Diskussion mache deutlich, "ass die Verknüpfung von Politik und Wirtschaft im risikobehafteten Kreditgeschäft besonders problematisch sein kann." Der Konzern war durch risikoreiche Immobiliengeschäfte ins Schleudern geraten.



Mit dem Einstieg der NordLB oder eines anderen strategischen Investors könnte das Land Berlin einen Teil seiner Milliarden-Spritze zurückbekommen. Welchen Anteil das Land am Ende noch an der Bankgesellschaft halten wird, ist offen. Für den Abend stand eine Aufsichtsratssitzung des Tochterinstituts Landesbank an.



Über mögliche Regressansprüche an Wirtschaftsprüfer und Vorstände fasste der Aufsichtsrat keinen Beschluss. Dazu müssten noch interne Prüfungsergebnisse im Zusammenhang mit der Kreditgewährung der Berlin Hyp an die Wohnungsfirma Aubis und zur Lage der Bauträger-Tochter IBG abgewartet werden.



Der umstrittene Verkauf von Immobilienengagements der IBG an eine in der Karibik ansässige Investorengruppe wurde rückgängig gemacht. Die Engagements waren in der neuen IBAG gebündelt worden, die jetzt als Immobiliendienstleister im Konzern bleibt. Der Aufsichtsrat hatte nach öffentlicher Kritik ein Veto gegen den Verkauf eingelegt, weil die Hintermänner der karibischen Investorengruppe nicht bekannt waren und die Bank für die Transaktion zunächst einen Kredit geben wollte.

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