Angebot für Länder ohne staatlichen Schutz gegen Terrorschäden
Allianz plant Versicherer für Terrorschäden

Die Münchener Allianz will mit Partnern einen Spezialversicherer für Terrorrisiken gründen. Sowohl Swiss Re, Zurich Financial und Hannover Rück prüfen ein Engagement. Die neue Gesellschaft soll Terrorrisiken in den Ländern decken, in denen es dafür keinen staatlichen Schutz gibt.

cbu/cd/ef/rl MÜNCHEN/ZÜRICH. Der Münchener Allianz-Konzern will mit Partnern einen Spezialversicherer für Terrorrisiken gründen. Dies bestätigte Allianz-Vorstand Detlev Bremkamp, der betonte, es sei offen, ob das Projekt zu stande kommt. Die Schweizer Rück und die Zurich - Gruppe bestätigten Kontakte über den Versicherer mit der Allianz. Ein Engagement prüft auch die Hannover Rück, bestätigte Vorstandschef Wilhelm Zeller dem Handelsblatt. Laut Zurich befinden sich die Gespräche in einem sehr frühen Stadium. Offenbar ist die Investmentbank Goldman Sachs damit beauftragt, weitere Partner für das Projekt zu gewinnen. Dem Vernehmen nach wurde auch die Münchener Rück angesprochen. Der Rückversicherer lehnte eine Beteiligung aber ab. Allianz und Münchener Rück sind über eine Überkreuzbeteiligung verbunden. Die Schweizer Rück ist der härteste Konkurrent des Weltmarktführers Münchener Rück. Ein Sprecher der Münchener gab dazu keine Stellungnahme ab.

Der neue Spezialversicherer, der seinen Sitz in Luxemburg haben soll, würde Terrorrisiken in denjenigen Ländern abdecken, in denen es dafür keinen staatlichen Schutz gibt. Einen solchen gibt es in Europa bisher erst in wenigen Ländern wie England, Frankreich und Spanien. Gedacht ist offensichtlich an eine Absicherung von Sachschäden, nicht von Betriebsunterbrechungen. Durch letztere war etwa bei den US-Terroranschlägen der weitaus größere Schaden entstanden. Zudem sollen nur örtlich begrenzte Schäden gedeckt werden, etwa in einem bestimmten Umkreis der versicherten Industrieanlage. "In der Haftpflichtversicherung ist das Terror-Risiko jedoch nach wie vor versichert", ergänzt Reiner Hagemann, Chef der Allianz-Versicherungs-AG am Donnerstag auf einer Pressekonferenz.

Die Allianz verfolgt mit dem Projekt das Ziel, großen Industriekunden auch im Ausland Schutz gegen Terrorrisiken anbieten zu können. Vor allem große Unternehmen wie Chemiekonzerne sind an einem Schutz aller ihrer Produktionsanlagen interessiert. Eine staatlich rückgedeckte Terror-Deckung, wie sie von der Versicherungsgesellschaft in Deutschland angestrebt wird, würde jedoch nur einen Versicherungsschutz für Anlagen im Inland umfassen. Das Terrorproblem stellt sich besonders für Unternehmen mit Versicherungssummen von mehr als 25 Mill. Euro. Wie Hagemann bestätigt, hat die Versicherungswirtschaft der Regierung eine genaue Liste der Unternehmen hinterlegt, die seit Januar ohne Terrordeckung sind.

Den Planungen zufolge soll die neue Gesellschaft über Eigenkapital von 500 Mill. Euro verfügen und eine Deckung von bis zu zwei Mrd. Euro anbieten. Jeder Partner soll mit einem Anteil von maximal 20 % beteiligt werden, damit die Gesellschaft nicht in den Konzernbilanzen konsolidiert werden muss. Keinesfalls soll der Versicherer eine Alternative zu bisherigen Lösungsansätzen darstellen. "Ein solches privates Unternehmen kann nur als Ergänzung zu einer Involvierung des Staates bei der Absicherung von Terrorrisiken dienen", so Bremkamp.

Das Bundesfinanzministerium sieht sich aber durch das Allianz - Modell in seiner ablehnenden Haltung zu einer unbegrenzten staatlichen Haftung für Terrorschäden bestärkt, verlautete aus Kreisen des Ministeriums. Es verdeutliche, dass es kein generelles Marktversagen für die Versicherung von Terrorschäden gebe. Eine unbegrenzte Staatshaftung sieht dagegen der Lösungsansatz der Versicherer vor. Sie wollen einen Spezialversicherer, die so genannte Extremus Versicherungs AG gründen. Sie soll Terrorschäden bis drei Mrd. Euro decken. Darüber soll der Staat unbegrenzt haften. In ihrem neuesten Focus-Report fordert die Swiss Re, eine teilweise Staatshaftung Nachdem Möglichkeit und Schadenausmass von Terroranschlägen nicht mehr abschätzbar sei, könne eine Versicherung nur auf sehr beschränkter Basis erfolgen.

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