Angebot gilt bis 30.März
Übernahmeversuch irritiert Sulzer

Der Schweizer Großinvestor René Braginsky will mit seiner Incentive AG den Traditionskonzern Sulzer übernehmen. Er plant, Sulzers industriellen Kern zu erhalten. Das Management ist verblüfft.

HB ZÜRICH. Überraschung am Schweizer Kapitalmarkt: Die an der Börse notierte Beteiligungsgesellschaft Incentive Capital AG, Zug, plant eine Übernahme des traditionsreichen Schweizer Industriekonzerns Sulzer AG, Winterthur. Das Angebot gilt bis zum 30. März und für alle ausstehenden Aktien des Konzerns. Zum Angebot gehört der Plan, die Tochter Sulzer Medica abzuspalten und als eigenes Unternehmen an die Börse zu bringen. Mit einem Anteil von 15 % ist Incentive bereits der größte Aktionär von Sulzer.

Hinter der Beteiligungsgesellschaft steht mit René Braginsky ein Mann, der als langjähriger Geschäftsführer dem Schweizer Ableger der Kölner Privatbank Sal. Oppenheim jr. & Cie. AG zu einiger Prominenz verholfen hat. Braginskiy traut sich offenbar zu, aus dem Industrieteil von Sulzer einen höheren Wert als Verwaltungsratspräsident Ueli Roost und seine Führungsmannschaft herauszuholen.

Sulzer-Chef Roost hatte im September 2000 sein tief greifendes Konzept für den Umbau des Industrieteils bekannt gegeben. Dazu zählte der Verkauf wichtiger Maschinenbausparten.. Ziel waren Verkaufserlöse von 1 Mrd. sfr. Im Gegenzug plante Roost die Vollübernahme der Medizintechniktochter. Doch der Umbau kam nicht in die Gänge. Nach Aktionärsprotesten wurde der Plan, Sulzer Medica voll zu integrieren, rasch wieder fallen gelassen. Und auch der Verkauf der Pumpensparte kam am Jahresende nicht zu Stande.

Zum zweiten Male war Sulzer damit von seinen ursprünglichen Plänen abgewichen, was für das Vertrauen in das Management nicht gerade förderlich war. Auch dies dürfte jetzt Incentive auf den Plan gerufen haben. Karl Otto Pöhl, Chef des Incentive-Verwaltungsrats, sprach Klartext: Es sei an der Zeit, Veränderungen bei Sulzer herbeizuführen. Denn der Kurs der Aktie sei unbefriedigend und die Strategie des Managements unklar, so der ehemalige Präsident der Deutschen Bundesbank und Partner des Bankhauses Oppenheim.

Der Alternativplan von Incentive sieht so aus: Nach der Verselbstständigung von Sulzer Medica will die Beteiligungs AG mit dem Industrieteil des Winterthurer Konzerns fusionieren. Obwohl er noch keine Einzelheiten zur künftigen Strategie nannte, unterstrich Incentive-Chef Braginsky jedoch, dass sein Unternehmen industrielle Interessen verfolge. Bisher hat Incentive nicht mit Sulzer gesprochen.

Deshalb gab es bisher auch keinen Kommentar des Konzerns. Offen bleibt, ob Braginsky das Management neu besetzen will. Vor der Presse sagte Braginsky: "Wir suchen eine konstruktive Lösung für die Aktionäre, das Unternehmen und die Beschäftigten."

Großaktionär Incentive bietet pro Sulzer-Titel zwei Aktien der an der Schweizer und New Yorker Börse notierten Sulzer Medica AG und zusätzlich 410 sfr in bar oder alternativ 0,9 Aktien der Incentive Capital AG. Damit werden die Sulzer-Aktien zwischen 1 206 und 1 228 sfr bewertet. Das bedeutete einen Börsenwert von 4,4 Mrd. sfr. Gestern stiegen die Aktien um 5,8 % auf 1 162 sfr. an. Seit Jahresanfang 2000 hat Sulzer ein Auf und Ab erlebt, die Kursausschläge lagen zwischen 1 309 beziehungsweise 990 sfr. Analysten begrüßten die Offerte mehrheitlich.

Die Übernahme ist an Bedingungen geknüpft. Zu diesen zählt, dass Incentive nach Ablauf der Frist im Besitz von 67 % der Sulzer-Aktien ist. Die Beteiligungsgesellschaft hat sich die Unterstützung der Deutsche Bank AG, von J.P. Morgan und Lombard gesichert.

Mit dem Abfindungsangebot von Sulzer hat Incentive damit zum zweiten Male einen Coup gelandet. Erstmals war die frühere Gesellschaft durch den Kauf eines Aktien-Paketes des Versicherungskonzerns Baloise Holding aufgefallen, das Braginsky mit deutlichen Gewinn an die Zurich Financial Services weiterverkaufte. Bragninsy hält jetzt 27,6 % der Incentive-Aktien.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%