Angebot über 44 Euro nicht realisierbar
Bertelsmann will RTL doch nicht vollständig übernehmen

Der Medienkonzern Bertelsmann hat sich gegen ein freiwilliges Kaufangebot für die restlichen, im Streubesitz befindlichen Anteile seiner Fernsehtochter RTL Group entschieden. Bertelsmann sei nach eingehender Prüfung zu dem Schluss gekommen, dass ein freiwilliges Angebot über 44 ? je Aktie nicht realisierbar sei.

Reuters GÜTERSLOH. Die 44 ? entsprechen dem Kaufpreis, den Bertelsmann im Dezember für den 22-prozentigen RTL-Anteil des britischen Medienkonzerns Pearson bezahlt hatte. Bertelsmann hatte damit seinen Anteil an RTL auf 89 % erhöht. Gleichzeitig hatte Bertelsmann damals Verhandlungen mit dem RTL-Vorstand mit dem Ziel aufgenommen, auch die verbleibenden Anteile der freien Aktionäre für 44 ? zu übernehmen.

Seit Dezember habe Bertelsmann nun geprüft, ob ein solches freiwilliges Kaufangebot zu den selben Bedingungen und Konditionen wie den mit Pearson vereinbarten möglich ist, hieß es am Dienstag. "Ausführliche Diskussionen über die für ein potenzielles Angebot relevanten Bestimmungen haben für Bertelsmann zu dem Schluss geführt, dass ein Angebot zu den angestrebten Konditionen nicht realisierbar ist."

Ende Februar hatte die Luxemburger Gruppe Investas, die einige RTL-Minderheitsaktionäre vertritt, eine Klage gegen Bertelsmann angekündigt. Investas hatte den Preis von 44 ? damals als inakzeptabel bezeichnet. Den Aktionären sei empfohlen worden, das Angebot nicht anzunehmen. Investas forderte, dass die Minderheitsaktionäre dieselben Bedingungen geboten bekommen wie die belgische Holding Groupe Bruxelles Lambert (GBL) beim Tausch ihres 30-Prozent-Anteils an der RTL Group gegen eine gut 25-prozentige Beteiligung an Bertelsmann.

GBL hatte Analysten zufolge bei dem Tausch einen deutlichen Aufschlag erhalten, musste bei Bertelsmann aber auf weit reichende Mitspracherechte verzichten: GBL erhielt zwar 25,1 Prozent des Bertelsmann-Kapitals, aber nur 25 % der Stimmrechte. GBL kann seinen Bertelsmann-Anteil ab 2005 an die Börse bringen.

Seit Dezember hat Bertelsmann weitere 785 000 RTL-Group-Aktien für 44 ? je Anteilsschein übernommen. Als Folge dieser Käufe befänden sich nun rund 90,2 % des Aktienkapitals der RTL Group im Besitz des Medienkonzerns. "Bertelsmann beabsichtigt, diesen Anteil an der RTL Group beizubehalten und behält sich darüber hinaus das Recht auf eine weitere Aufstockung vor", hieß es. Dabei sollten die "Rechte der Minderheitsaktionäre der RTL Group auch in Zukunft beachtet werden".

Aktien profitieren von der Nachricht

Die Fernsehgruppe RTL teilte nach dem Bertelsmann-Verzicht auf ein Kaufangebot mit, dass die Interessen ihrer Aktionäre weiterhin im Vordergrund stünden. "Das Management von RTL wird die Gesellschaft weiterhin im Interesse der Aktionäre führen und freut sich darauf, die führende Position des Unternehmens in den Bereichen Fernsehen, Radio und Produktion weiter zu stärken." An der Börse in Brüssel notierten die RTL-Papiere am Vormittag 4,17 % im Plus bei 46 ?.

Die Bertelsmann-Gruppe ist gemessen am Umsatz der weltweit viertgrößte Medienkonzern. Analysten hatten in der Vergangenheit gesagt, eine komplette Übernahme von RTL würde der Bertelsmann AG mit Blick auf ihren geplanten Börsengang zu einer größeren Flexibilität verhelfen. Die RTL Group mit ihrem Flaggschiff RTL Television in Deutschland ist der größte private Fernsehkonzern Europas und im vergangenen Geschäftsjahr zum größten Umsatz- und Gewinnbringer von Bertelsmann geworden.

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