Angebot wird nach Meinung von Experten zurück gehen: Hohe Nachfrage stützt Unternehmensanleihen

Angebot wird nach Meinung von Experten zurück gehen
Hohe Nachfrage stützt Unternehmensanleihen

In diesem Jahr werden nach Meinung von Bondexperten um bis zu 30 % weniger Unternehmensanleihen in Euro begeben als 2001. Dabei sollte die Nachfrage aus verschiedenen Gründen zumindest konstant bleiben. Das sind die Hauptgründe, die für eine gute Performance der Corporate Bonds sprechen.

cü/rob FRANKFURT/M. Geringeres Angebot und hohe Nachfrage gleich gute Entwicklung - diese volkswirtschaftliche Erfolgsformel wird in diesem Jahr Unternehmensanleihen zu Gute kommen. Darin sind sich Bondexperten einig. Über die fundamentale Unterstützung des Marktes gehen die Meinungen dagegen auseinander.

Sicher scheint, dass in diesem Jahr deutlich weniger neue in Euro ausgegebene Unternehmensanleihen als im Rekordjahr 2001 auf den Markt kommen werden. Goldman Sachs prognostiziert einen Rückgang von 10 bis 20 %, Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) von 25 bis 30 % auf 125 Mrd. bis 150 Mrd. ?. Geringes Angebot allein sei jedoch noch kein Grund für eine gute Entwicklung der Unternehmensanleihen, erklärt Alison Miller, Kreditstrategin bei DKW. Dem geringeren Angebot stehe jedoch eine mindestens ebenso hohe Nachfrage wie im Vorjahr gegenüber. Investoren könnten wegen der Renditeaufschläge zu Staatsanleihen nicht auf Corporates verzichten. So lägen die Renditen von Staatsanleihen derzeit zum Beispiel unter den garantierten Mindestrenditen vieler Lebensversicherungen. Die Versicherer legen jedoch einen Großteil ihrer Gelder am Rentenmarkt an und müssen deshalb versuchen, die Performance mit Unternehmensanleihen zu verbessern. Außerdem sei der Rückfluss an liquiden Mitteln hoch: DKW erwartet in diesem Jahr Zinsen und Rückzahlungen bei Unternehmensanleihen in Höhe von etwa 66 Mrd. ? - deutlich mehr als im Vorjahr.

Goldman Sachs hebt hervor, dass sich immer mehr institutionelle Investoren an richtungweisenden Indizes orientieren, dabei würden Indizes für Unternehmensanleihen bedeutender - auch das stütze die Nachfrage. Die Ratingagentur Moody?s betrachtet unter anderem den erwarteten Anstieg an neuen Staatsanleihen als Plus für die Entwicklung von Unternehmensanleihen.

Bear Stearns sieht auch das allgemeine Umfeld als Vorteil für Unternehmensanleihen. David Brown, Chefvolkswirt der Investmentbank in Europa, erwartet keine schnelle Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed in diesem Jahr. Er rechnet am 30. Januar sogar mit einer weiteren Zinssenkung um einen viertel Prozentpunkt. Bei der Europäischen Zentralbank (EZB) sei mit aggressiven Zinssenkungen zu rechnen, da die wirtschaftliche Flaute bisher unterschätzt werde. Der Ölpreis soll außerdem bei niedrigen durchschnittlich 18 $ je Barrel (159 Liter) im laufenden Jahr liegen. Auch ein Anstieg des Euros auf Parität zum Dollar spreche für europäische Unternehmensanleihen.

Einige Strategen heben zudem hervor, dass sich die erwartete Konjunkturerholung in der zweiten Jahreshälfte positiv auf die Unternehmen und ihre Bonds auswirken sollte. Miller von DKW meint dagegen, selbst wenn die Unternehmen im Zuge einer Konjunkturerholung ab dem zweiten Halbjahr um bis zu 15 % höhere Gewinne erzielten, sei das gemessen am im Schnitt 20 prozentigen Rückgang des vergangenen Jahres nicht viel. Die Kreditqualität zumindest sollte sich dadurch nicht verbessern. Diese Ansicht teilen die Ratingagenturen Standard & Poor?s und Moody?s, die beide erwarten, dass es auch in diesem Jahr mehr Herab- als Heraufstufungen geben wird.

Bei der Betrachtung einzelner Branchen setzten alle großen Investmentbanken auf Telekomanleihen, weil sich die Konzerne auf den Schuldenabbau konzentrieren. Auch für zyklische Konsumgüter sind viele Analysten optimistisch. Bei Autoanleihen raten sie aber zunächst zur Vorsicht: Im ersten Quartal werden noch große Neuemissionen erwartet, im zweiten könnten schlechte Ergebnisse der ersten drei Monate die Bonds belasten. Anleihen von Versorgern - die mit einigem Abstand nach Telekom - und Autokonzernen die drittgrößten Emittenten von Unternehmensanleihen sind - raten viele Häuser auf Jahressicht unterzugewichten. Die anhaltende Konsolidierung sowie Fusionen und Übernahmen könnten die Ratings einiger Versorger gefährden.

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