Angebote nur noch bis Mittwoch
Bankgesellschaft steht zum Verkauf an

Ein solches Angebot gab es in Deutschland noch nie. Zum Verkauf steht ein Finanzkonzern mit 260 Filialen, 16 000 Mitarbeitern, mehr als 2,5 Mill. Kunden, einer Bilanzsumme von 189 Mrd. Euro - und einer Unmenge von Problemen. Nur noch bis Mittwoch nimmt der Berliner Senat Angebote für die angeschlagene Bankgesellschaft entgegen.

HB/rtr BERLIN/HANNOVER. Bis Ende des Jahres soll die Entscheidung fallen, wer den Zuschlag bekommt. Trotz aller Schwierigkeiten könnte es für den Käufer ein lohnendes Geschäft werden.

Mit dem Verkauf der mehrheitlich (81 %) landeseigenen Bank geht ein Vorhaben zu Ende, das Berliner Politikern und Bankern bestens träumen ließ und dann im Fiasko endete. Als die Bankgesellschaft Berlin (BGB) 1994 aus der Taufe gehoben wurde, waren die Ambitionen fast grenzenlos. In der wiedervereinigten Hauptstadt, an der alten Grenze zwischen Ost und West, sollte durch die Zusammenlegung von privaten mit staatlichen Geldinstituten ein Finanzriese von Weltrang entstehen.

Heraus kam ein Debakel. Nur mit staatlichen Milliardenhilfen wurde der Zusammenbruch verhindert. Im April musste das Berliner Abgeordnetenhaus eine Bürgschaft für die Immobilien-Geschäfte der Gesellschaft übernehmen, die über drei Jahrzehnte hinweg Risiken bis zu 21,6 Mrd. Euro abdeckt. Kein Wunder, dass viele in der notorisch klammen Hauptstadt die marode Bank schnellstmöglich los werden wollen.

Aufgabe von Finanzsenator Thilo Sarrazin ist es nun, den besten Preis herauszuschlagen. Auf eine konkrete Summe hat sich der SPD-Politiker in der Öffentlichkeit nicht festgelegt. Sicher ist wohl, dass der rot-rote Senat mindestens 1,75 Mrd. Euro haben will. Das ist genau die Summe, die das Land im vergangenen Jahr der Bankgesellschaft zur Rettung aus größter Not zuschießen musste.

Weitgehend befreit von den Altlasten ist das Geldhaus ein attraktives Übernahmeziel. Zum Konzern gehören Marken wie Berliner Bank, Berliner Sparkasse, Weberbank oder Berlin Hyp. Im bundesweiten Vergleich liegt die BGB auf Platz elf. Der regionale Marktanteil im Privatkundengeschäft beträgt etwa 50 %. Unter dem neuen Vorstandschef Hans-Jörg Vetter wurde damit begonnen, den großspurigen Finanzkonzern zur Regionalbank gesund zu schrumpfen. Die Gewerkschaften haben in den Abbau von 4000 Stellen eingewilligt.

Im Wettbewerb sind nun noch vier ausgewählte Interessenten, die alle Einblick in die Bücher hatten. Auf Grundlage ihrer Angebote will Sarrazin innerhalb eines Monats entscheiden, mit welchem "bevorzugtem Bieter" dann allein verhandelt wird. Am engsten sind bislang die Bindungen zur NordLB aus Hannover, die schon seit 1994 an der BGB beteiligt ist. Ausgerechnet die NordLB klagt nun aber darüber, dass für ein konkretes Angebot noch Informationen fehlten.

Kreise: Keine Einigung bei NordLB über Angebot an Bank Berlin

Die Norddeutsche Landesbank (NordLB) hat nach Angaben aus Bankkreisen einen Tag vor Ablauf der Bieterfrist keine Einigung über ein Angebot zur Übernahme der angeschlagenen Bankgesellschaft Berlin erzielt. Nach mehrstündiger Sitzung sei die Versammlung der sechs Gewährträger der NordLB gestern Abend ohne Ergebnis auseinandergegangen, war aus Kreisen zu erfahren. Demnach konnten sich die Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern sowie deren Sparkassenorganisationen nicht auf eine gemeinsame Offerte einigen.

Die NordLB ist nach dem Land Berlin (81 %) mit elf Prozent zweitgrößter Eigner der Bankgesellschaft. Neben der NordLB gibt es drei weitere US-Investoren, die bereits ein Angebot angekündigt haben.

Die drei anderen Interessenten - alle aus den USA - haben mit den angeblich noch fehlenden Informationen weniger Probleme. Lange dabei ist auch schon das Konsortium BGB Capital Partners, ein Zweckbündnis aus den beiden früheren Gegenspielern Christopher Flowers und David Bonderman. Beide haben sich international als Sanierungsexperten einen Namen gemacht, die auf Fälle wie die Bankgesellschaft spezialisiert sind.

Auch der Pensionsfonds Lone Star hat schon Erfahrung mit der Sanierung von angeschlagenen Banken gesammelt. In Berlin sind die Texaner bislang als Käufer von DDR-Plattenbauten in Erscheinung getreten. Am wenigsten ist in Berlin über den "Restrukturierungsexperten" Wilbur L. Ross aus New York bekannt. Er gilt in Branchenkreisen als Experte für besonders hoffnungslose Fälle. Oder - wie er auch genannt wird - als "König des Bankrotts".

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