Angehörige ratlos
Roberts Familie kondoliert in offenem Brief

Einen Tag vor dem Staatsakt und der Trauerfeier für die Opfer des Schulmassakers von Erfurt hat sich die Familie des Todesschützen an die Öffentlichkeit gewandt. "Uns tut es unendlich leid, dass unser Sohn und Bruder so ein entsetzliches Leid über die Opfer und ihre Angehörigen, die Menschen in Erfurt und Thüringen, über ganz Deutschland gebracht hat", schrieben die Eltern und der sechs Jahre ältere Bruder von Robert Steinhäuser.

dpa ERFURT. Der 19-Jährige hatte am vergangenen Freitag im Gutenberg-Gymnasium 16 Menschen und sich selbst getötet.

In dem offenen Brief, der am Donnerstag in der "Thüringer Allgemeine" und der "Thüringischen Landeszeitung" abgedruckt wurde, drücken die Angehörigen auch ihre Ratlosigkeit aus. "Seit dieser schrecklichen Tat vom vergangenen Freitag fragen wir uns immer und immer wieder, woher der Hass und die Verzweiflung von Robert kamen und warum wir nicht davon vorher erfahren haben."

Zu der Trauerfeier eine Woche nach der Tat werden an diesem Freitag zehntausende Menschen in Erfurt erwartet. Mit einem Staatsakt auf dem Domplatz der Thüringer Landeshauptstadt soll den Opfern - zwölf Lehrern, zwei Schülern, einer Angestellten der Schule und einem Polizisten - die letzte Ehre erwiesen werden. Danach folgt ein ökumenischer Gottesdienst.

Bundespräsident Johannes Rau und Ministerpräsident Bernhard Vogel (CDU) werden auf dem Domplatz der Opfer gedenken. Auch Kanzler Gerhard Schröder (SPD) und Regierungschefs wie Georg Milbradt (CDU) aus Sachsen haben sich laut Staatskanzlei angesagt.

Eine persönliche Einladung von Oberbürgermeister Manfred Ruge (CDU) erhielten die rund 700 Schüler des Gutenberg-Gymnasiums, Lehrer und Angehörige der Opfer. Viele von ihnen werden seit der Bluttat von Psychologen betreut. Mehrere Thüringer Zeitungen erschienen am Donnerstag erneut mit Trauerflor auf der Titelseite und veröffentlichten große Traueranzeigen des Landtags und des Gutenberg- Gymnasiums. "Nichts wird jemals so sein, wie es einmal war", schrieben die Lehrer und Schüler des Gutenberg-Gymnasiums sowie deren Eltern in einer ebenfalls halbseitigen Anzeige. "Unsere bitteren Tränen fließen scheinbar unaufhaltsam zu Ehren der sinnlosen Opfer der grausamen Tat."

Landes-Innenminister Christian Köckert (CDU), Erfurts Leitender Polizeidirektor Rainer Grube und Freunde ließen Traueranzeigen drucken, in denen an Polizeihauptmeister Andreas Gorski erinnert wird. Der 41-Jährige war bei dem Polizeieinsatz von Steinhäuser erschossen worden.

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