Angeklagte belustigt bis gelangweilt
Hell's Angels-Prozess in Hamburg fortgesetzt

Der Hamburger Kiez-Prozess gegen sieben mutmaßliche Mitglieder und Sympathisanten der Rockerbande Hell's Angels ist am Montag vor dem Landgericht der Hansestadt fortgesetzt worden.

ap HAMBURG. Offen gelangweilt bis belustigt reagierten die Angeklagten auf den Beginn der Verlesung der 529-seitigen Anklage. Staatsanwältin Friederike Dopke warf ihnen darin vor, mehrere Bordelle betrieben und zahlreiche Frauen - auch mit Gewalt - zur Ausübung der Prostitution gezwungen zu haben.

Allein die Verlesung der Namen der betroffenen Frauen, darunter viele Ausländerinnen, nahm fast eine Stunde in Anspruch. Nach eineinhalb Stunden wurde das Verfahren bis zum 6. September vertagt. Wie der Vorsitzende Richter Michael Kaut mitteilte, wird mit der Vernehmung der Angeklagten am 12. September begonnen. Die erste Zeugin soll im Oktober aussagen.

Die Staatsanwältin warf den Angeklagten, unter anderen dem 47-jährigen Hans-Peter K. und dem 40 Jahre alten Matthias S., vor, die Frauen in persönlicher und wirtschaftlicher Abhängigkeit gehalten und die Arbeitsbedingungen diktiert zu haben. So mussten nach ihrer Darstellung etwa die Prostituierten im Hamburger Bordell "Laufhaus", dessen Konzessionär der 55-jährige Angeklagte Hans-Peter S. war, horrende Mieten bezahlen, die auch im Krankheitsfall nur geringfügig herabgesetzt wurden.

Illegale Ausländerinnen wurde laut Anklageschrift noch mehr Miete abgenommen als ihren deutschen Kolleginnen. Laut Staatsanwaltschaft war diese Praxis für die Bordellbetreiber offenbar eine Art Risikoausgleich.

Das Verfahren, bei dem auch der mutmaßliche Hell's-Angels-Boss aus Hannover, Frank H., auf der Anklagebank sitzt, wird voraussichtlich weit über zwei Jahre dauern. Die Verfahrensakte umfasst acht Bände Leitakten und 18 Umzugskartons voller Stehordner. In der Anklage ist von 469 Zeugen, davon 200 Prostituierte, die Rede.

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