Angeklagten nahmen erwartungsgemäß die Urteile an
"Hells-Angels" erhalten mehrjährige Haftstrafen

In einem groß angelegten "Hells Angels"-Prozess hat das Hamburger Landgericht am Donnerstag sechs ehemalige Schlüsselfiguren der Rotlicht-Szene zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Die Männer erhielten Strafen zwischen einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung und vier Jahren und acht Monaten.

dpa HAMBURG. Die Strafen für die geständigen Angeklagten waren im Vorfeld zwischen den Prozessbeteiligten abgesprochen worden. Zudem müssen die Männer, darunter zwei Mitglieder der Rockerbande "Hells Angels", elf Mill. DM (5,6 Mill. ?) aus ihren Geschäften zahlen.

Den Angeklagten wurde unter anderem Menschenhandel, Zuhälterei und Verstoß gegen das Ausländergesetz vorgeworfen. Das Verfahren gegen einen siebten Angeklagten und "Hells Angel"-Mitglied wurde abgetrennt.

Die Männer im Alter zwischen 26 und 55 Jahren hatten seit Januar 1999 das Prostitutionsgeschäft auf der Hamburger Reeperbahn in der Hand. Sechs Angeklagte hatten kurz nach Prozessbeginn Mitte August die Taten eingeräumt. Damit erfüllten sie die Voraussetzungen für die Absprachen zwischen Gericht, Staatsanwaltschaft und Verteidiger, in denen ihnen die «maßvollen» Strafen zugesichert worden waren.

Die Angeklagten nahmen erwartungsgemäß die Urteile an. Die Staatsanwaltschaft verzichtete ebenfalls auf Rechtsmittel. "Wunderbar, dieses Urteil" sagte einer der Angeklagten nach der Urteilsverkündung. Während der letzten Prozesstage traten die Angeklagten betont lässig auf und lächelten ihren Freundinnen im Zuschauerraum zu.

Drei der zu Haftstrafen verurteilten Täter bleiben vorerst von der weiteren Untersuchungshaft gegen Kaution verschont. Sie müssen erst später zum Haftantritt erscheinen.

Als strafmildernd wertete Richter Michael Kaut das frühzeitige Geständnis der Angeklagten, als straferschwerend jedoch den "erheblichen Umfang der Tat".

Der Prozess um Menschenhandel, Zuhälterei und Prostitution hatte Mitte August begonnen und war ursprünglich als Großprozess bis ins Jahr 2003 mit 469 Zeugen geplant. Der "Deal" zwischen den Prozessbeteiligten ermöglichte einen Abschluss bereits nach sieben Verhandlungstagen.

Nur einer der Angeklagten, der 37-jährige Chef der verbotenen Rockerbande in Hannover, konnte sich nicht zu einem Geständnis überwinden. Ihm wird vorgeworfen, den Hamburgern als "Berater" zur Seite gestanden zu haben. Gegen ihn soll nun getrennt verhandelt werden.

Bis zu ihrer Festnahme um die Jahreswende hatten die Angeklagten unter anderem die über Hamburg hinaus bekannten Strip-Lokale "Pascha" und "Eros-Center" an der Reeperbahn geführt. Die Gang schleuste ausländische Prostituierte ein, übernahm Bordelle und Stundenhotels im großen Stil. Sie sollen Arbeitsabläufe bestimmt, Prostituierte und Einnahmen der "Stundensteigen" abkassiert haben. Etliche Frauen wurden mit Schlägen zur Prostitution gezwungen.

Bei der groß angelegten Festnahme beschlagnahmten die Ermittler ein Vermögen von rund 750 000 DM, darunter einen Lamborghini und andere Luxuswagen. Als Beruf gaben die Männer unter anderem Elektriker, Heizungsbauer, Kfz-Mechaniker, Kaufmann und Fotograf mit Wohnsitz an der noblen Hamburger Elbchaussee an.

In Hamburg sind die "Hells Angels" seit 1983 verboten. Die Bande blieb trotzdem weiter unter dem Deckmantel "Motorradclub" in der kriminellen Szene aktiv. Der Beitritt der zweitmächtigsten deutschen Rockerbande "MC Bones" zu den "Höllenengeln" 1999 verschaffte der Gang eine weltweite Vormachtstellung. Nach Angaben des Landeskriminalamtes gibt es in Deutschland etwa 40 Gruppen mit 700 Mitgliedern, die den "Hells Angels" zuzuordnen sind.

In den 90er Jahren tobte in Skandinavien ein blutiger Krieg zwischen den verfeindeten Rockerbanden "Hells Angels" und "Bandidos". 14 Menschen wurden dabei getötet, zahlreiche verletzt.

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