Angela Merkel bleibt zugeknöpft
Hitze lässt Arbeitnehmer stöhnen

Die ungewöhnliche Juni-Hitze hat Deutschland am Dienstag heiß erwischt: Bei Temperaturen von mehr als 35 Grad herrschte vielerorts Stöhnen über die tropische Stimmung.

Wiwo/ap FRANKFURT/MAIN. Meteorologen sprachen von der größten Hitze im Juni seit Beginn der Temperatur-Aufzeichnung. Betroffen waren vor allem diejenigen, die nicht die Vorteile eines klimatisierten Büros genießen konnten und in krawattenträchtigen Branchen arbeiten.

Politiker müssen schwitzen

Klima- oder Kühlanlagen sind zwar in den meisten deutschen Bürogebäuden längst Standard, dafür herrschte bei einer mit Anzügen reich ausgestatteten Großveranstaltung Gluthitze: In der nicht klimatisierten Festhalle des Frankfurter Messegeländes litten die Delegierten des CDU-Parteitages unter drückender Schwüle. Programmheftchen mussten als Fächer herhalten, und die Partei spendierte eine extra Flasche Mineralwasser für jeden. Manche Politikerin zeigte ungewöhnlich viel Bein, nicht jedoch Parteichefin Angela Merkel, die im gewohnten Hosenanzug erschien.

Auch andernorts in der Politik wurde stark geschwitzt, so etwa in den oberen Büro-Etagen des Schweriner Landtags, wo es auch keine Klimatisierung gibt. Ein Sprecher kommentierte die Hitze lakonisch: "Da Politiker allgemein hoch hinaus wollen, müssen sie jetzt auch damit fertig werden."

In vielen Ämtern herrscht jedoch keine Kleiderordnung - "jeder darf anziehen, was er will", sagte ein Sprecher des Berliner Bezirksamts Spandau. Anders dagegen die bayerische Justiz: Gerüchte von Amtsrichtern in Lederhose und mit den Füßen im Wassereimer seien Sagen, erklärte ein Sprecher in Münchner. Auch bei größter Hitze trügen alle Richter weißes Hemd mit weißer Krawatte unter der schwarzen Robe. Lediglich Sandalen seien der richterlichen Unabhängigkeit unterworfen.

Kleiderordnung im Büro

Für die Welt der Büroangestellten wies die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi auf die gesetzlichen Bestimmungen am Arbeitsplatz hin. Arbeitgeber müssten kalte Getränke zur Verfügung stellen, um die Arbeit bei Hitze erträglich zu gestalten, sagte ein Verdi-Sprecher in Frankfurt am Main. In geschlossenen Räumen müsse eine verträgliche Temperatur herrschen. Eine Temperaturgrenze, ab der Arbeit unzumutbar sei, gebe es jedoch nicht.

In Hamburg schenkten Lufthansa und Airbus den Mitarbeitern der Flugzeugwerften kalten Tee aus. Lufthansa-Werftarbeitern war - wenn die Arbeitssicherheit es zulasse - das Tragen von T-Shirts und kurzen Hosen erlaubt, so ein Sprecher.

Schwitzen beim Kundenkontakt

Erleichterungen, die in anderen Branchen tabu sind: Mitarbeiter, die Kundenkontakt haben, müssen bei den meisten Banken immer Jackett und Schlips tragen. Für männliche Kollegen seien lediglich kurzärmelige Hemden zulässig, erklärte etwa Daniela Gramlich von der Nassauischen Sparkasse in Wiesbaden. Für Mitarbeiterinnen seien schulter- oder rückenfreie Kleider oder solche mit tiefem Ausschnitt selbst bei größter Hitze nicht zulässig.

Und das, obwohl die Filialen der Sparkasse durchweg nicht klimatisiert seien: "Die Kunden haben einen Anspruch darauf, dass ihnen ein ordentlich gekleideter Mitarbeiter gegenüber steht", betonte Gramlich. Andere Institute sind da liberaler: Bei der HypoVereinsbank könne es in Häusern ohne Klimaanlage schon sein, dass Mitarbeiter ohne Krawatte vor dem Kunden stehen, sagte ein Sprecher der Großbank in München.

Streik verschafft Baubranche Kühlung

In der Baubranche war die Situation dagegen weniger von der Hitze als vom ersten bundesweiten Streik in der Nachkriegsgeschichte geprägt. Auf 550 Baustellen hatte die IG Bau zum Ausstand aufgerufen. Ein Gewerkschaftssprecher sagte daher auf Anfrage in Frankfurt am Main, er rate allen Arbeitern, sich dem Streik anzuschließen. Das sei die beste Möglichkeit, um keine schwere Arbeit bei den schwülen Temperaturen verrichten zu müssen.

Mediziner gaben angesichts der Hitze generellen Tipps, um sich zu schonen. Dieter Böning vom Institut für Sportmedizin der Freien Universität Berlin riet vor allem dazu, viel zu trinken. Salzhaltiges Mineralwasser sei das beste Mittel, um bei starkem Schwitzen einem Salzverlust des Körpers vorzubeugen. 2,5 Liter Flüssigkeit seien das Minimum pro Tag, ein Arbeiter im Freien könne aber gut und gern zehn Liter zu sich nehmen. Außerdem solle man im Freien einen Kopfschutz gegen die Sonne tragen, auf luftige Kleidung achten und im Zweifelsfall weniger arbeiten.

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