Angelegenheit ist nicht erledigt
Bundesregierung kritisiert US-Botschafter

Die Bundesregierung hat Äußerungen des US-Botschafters Daniel Coats offen kritisiert. Hintergrund ist dessen Gespräch mit Kanzleramtschef Frank Walter Steinmeier (SPD) und weiteren Vertretern des Amtes über die Haltung zu einem möglichen Angriff auf Irak.

Reuters BERLIN. Coats hatte nach eigenen Worten die US-Kritik an der Position von Kanzler Gerhard Schröder (SPD) zu einem Einsatz in Irak verdeutlicht.

"Vor dem Hintergrund des geführten Gesprächs hat die Bundesregierung diese Äußerungen des Botschafters mit Erstaunen zur Kenntnis genommen", sagte Regierungssprecher Uwe-Karsten Heye der "Süddeutschen Zeitung". Seine Stellvertreterin Charima Reinhardt bestätigte diese Aussage. Es habe am Dienstag noch ein Telefonat mit Coats gegeben, in dem der Verwunderung Ausdruck gegeben worden sei. "Für uns ist die Angelegenheit damit erledigt", sagte Reinhardt. Bundeskanzler Schröder hatte in den vergangenen Wochen mehrfach eine deutsche Beteiligung an einem Angriff auf Irak ausgeschlossen, der in den USA erwogen wird.

Die Bundesregierung hatte das Gespräch von Steinmeier und Coats am Wochenende als nicht ungewöhnlich bezeichnet. Coats seien die Standpunkte der Bundesregierung dargelegt worden. Dagegen hatte die "New York Times" unter Berufung auf US-Regierungskreise von einem "höchst ungewöhnlichen Ereignis zwischen zwei engen Verbündeten" gesprochen.

Coats wollte US-Haltung darlegen, nicht informiert werden

Coats hatte der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" gesagt, er habe in dem Gespräch deutlich gemacht, dass die Kritik Schröders an der amerikanischen Irak-Politik aus US-Sicht nicht angemessen sei. Es sei ihm nicht darum gegangen, die deutsche Haltung vermittelt zu bekommen, wie es die Bundesregierung angibt, sondern die amerikanische Position der deutschen Seite darzulegen.

Reinhardt sagte, das Gespräch mit Coats habe in sehr freundlicher Atmosphäre stattgefunden. Sie bekräftigte, die Regierung habe ihre Haltung zu einem Angriff auf den Irak dargelegt. Auf die Frage, wie Coats die Angelegenheit in dem zweiten Gespräch bewertet habe, sagte Reinhardt, sie habe nicht den Eindruck, "dass es in dem Gespräch eine unterschiedliche Einschätzung gegeben hat".

Schröder hat unter Hinweis auf einen Angriff auf den Irak gesagt, Deutschland sei für Abenteuer nicht zu haben. Etwaige Differenzen mit den USA würden freundschaftlich ausgetragen.

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