Angeschlagene Telefongesellschaft soll gerettet werden
Teldafax: Schwere Vorwürfe gegen die Telekom

Nach dem Insolvenzantrag des Call-by-Call-Anbieters Teldafax befürchtet der Verband für Post und Telekommunikation weniger Wettbewerb auf dem Telefonmarkt. Vorsitzender Manfred Herresthal sagte, das frühere Monopol der Telekom könnte durch eine Art Oligopol mehrerer großer Firmen ersetzt werden. Zugleich warf der neue Eigentümer des angeschlagenen Unternehmens Teldafax, die US-Firma World Access, der Telekom vor, die Bemühungen um die Rettung von Teldafax zu behindern.

ap ATLANTA/BONN. Herresthal sagte am Dienstag im MDR, ein Oligopol sei nicht unbedingt das, was dem Verbraucher nütze. Teldafax hatte am Montag Insolvenz angemeldet, nachdem die Telekom wegen ausstehender Rechnungen damit gedroht hatte, die gemieteten Leitungen zu sperren. World Access teilte am Dienstag in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia zugleich die Übernahme von inzwischen 70 % der Teldafax-Anteile mit.

World-Access-Vorsitzender John Phillips kritisierte, dass die Telekom trotz der Zusage einer Vorauszahlung durch sein Unternehmen nicht bereit gewesen sei, die Frist für Teldafax zu verlängern und mit dem Kappen der Leitungen gedroht habe. World Access setze die Gespräche mit der Telekom fort, um die Unterbrechung der Dienstleistungen für Teldafax zu verhindern.

World-Access-Präsident Walter Burmeister kündigte indes am Dienstag in Frankfurt an, dass der neue US- Eigentümer die fälligen Schulden bei der Deutschen Telekom möglicherweise schon in den nächsten Tagen begleichen werde. Access werde für "gewisse Forderungen der Deutschen Telekom" bis Anfang kommender Woche einstehen. Genaue Angaben zur Höhe des Betrages machte er nicht.

"Dies ist ein offensichtliches Beispiel dafür, dass die Deutsche Telekom sämtliche Maßnahmen ergreifen möchte, um ihre Monopolstellung auf dem deutschen Markt zu retten", erklärte Phillips. Es scheine mehr als nur reiner Zufall zu sein, dass die Telekom genau an demselben Tag mit der Abschaltung von Teldafax drohte, an dem die Akquisition einer Mehrheitsbeteiligung an Teldafax durch eine US-Firma abgeschlossen worden sei. "Das stützt die Sorgen US-amerikanischer Regulierungsbehörden und einiger Kongressmitglieder hinsichtlich der möglichen Expansion der Telekom - deren Anteile zur Mehrheit von der deutschen Regierung gehalten werden - auf den US-Markt", meinte

Telekom weist Vorwürfe zurück

Telekom-Sprecher Hans Ehnert wies in Bonn die Vorwürfe als nicht haltbar zurück. Die Kritik gehe an der Realität vorbei. Zum konkreten Einzelfall könne er sich zwar nicht äußern, sagte Ehnert. Generell beruhten Abschaltungen der Telekom-Leitungen aber "auf erheblichen Zahlungsrückständen" der Kunden. Mehrere Mahnstufen gingen voraus.

Die Telekom habe dem Call-by-Call-Anbieter Teldafax zwar den Zugang zu Auslandgesprächen, in die Mobilfunknetze und zu kostenträchtigen Servicenummern gesperrt, erklärte der Sprecher. Normale Inlandferngespräche seien aber über Teldafax weiterhin möglich. Ehnert wollte keine konkreten Zahlen nennen und auch nicht in den Medien kursierende Angaben bestätigen, dass es bei Teldafax um Außenstände von über 85 Mill. DM gehe. Allerdings müsse die Telekom-Führung Forderungsausfälle durch zahlungsunfähige Call-by-Call-Anbieter auch gegenüber den eigenen Aktionären vertreten.

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