Angeschlagener Software-Konzern leitet Sanierung ein
NSE entlässt 30 Prozent der Mitarbeiter

Reuters MÜNCHEN. Die am Neuen Markt gelistete NSE Software AG will sich mit einem Sanierungskonzept wieder auf ihr Kerngeschäft beschränken, dafür aber 30 Prozent der Belegschaft entlassen. Die Sanierung werde "drastische Auswirkungen auf die Bilanz" haben, sagte eine Sprecherin der Nachrichtenagentur Reuters am Montag in München. Weil im Zuge dessen mehr als die Hälfte des Grundkapitals aufgezehrt werden könnte, müsse der Anbieter von Software für Finanzdienstleister unverzüglich eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen. NSE wolle künftig nicht mehr als Komplettanbieter auftreten. Die Filialen in Hamburg, Leipzig und Würzburg sollen geschlossen werden. Die Vorstände Peter Päselt und Dirk Oevermann erklärten ihren sofortigen Rücktritt.

Die Folgen der Sanierung auf das Ergebnis des vergangenen Jahres wollte die Sprecherin nicht beziffern. Schon im Januar hatte NSE erklärt, auch die Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2001 von 54,1 Mio. Euro könne nicht erreicht werden, weil ein Großauftrag ausgefallen sei. Einen Vertrag mit der GEMA hat NSE Software Mitte Februar gelöst. Im Oktober war für 2000 mit einem Verlust von 21,2 Mio. Euro vor Zinsen und Steuern (Ebit) gerechnet worden. Damals hatte es geheißen, vor allem die hohen Entwicklungskosten für die neue Komplettsoftware Finas Enterprise und der Aufwand für externe Dienstleistungen hätten das Ergebnis belastet. Auch der Umsatz werde mit 25,6 (1999: 33,4) Mio. Euro unter dem Vorjahreswert liegen, hatte es geheißen.

Das Unternehmen wolle sich künftig wieder auf Front-Office- Softwarelösungen für die Finanzwirtschaft konzentrieren, hieß es. Mit Finas Enterprise sei kein signifikantes Lizenzgeschäft zu erwarten, begründete das Unternehmen den Rückzug aus diesem Bereich. Die bestehenden Komponenten von Finas Enterprise sollten im Rahmen von Kundenprojekten weiter entwickelt werden, hieß es. Mit dem Strategiewechsel könnten die Investitionen und die Zahl der Subunternehmer deutlich reduziert werden. "Im Vordergrund steht eindeutig die Stabilisierung der Situation des Unternehmens", sagte Schmaderer, der künftig im NSE-Vorstand für Marketing und Vertrieb zuständig ist. "Danach können wir wieder über Wachstum und Visionen reden", fügte er hinzu. NSE Software verfüge derzeit noch über Finanzmittel von 18 Mio. Euro, hieß es.

Ziel sei ein Personalabbau auf 320 Mitarbeiter, davon 300 Stellen intern, sagte die Sprecherin Reuters. Zuletzt hatte NSE über 450 Mitarbeiter beschäftigt. Vor allem in unproduktiven Bereichen fielen Arbeitsplätze weg.

Finanzvorstand Päselt soll den Angaben zufolge auf Wunsch des Aufsichtsrats aber noch bis zum 30. April bei NSE bleiben. Das Unternehmen soll künftig von dem erst im Oktober in den Vorstand berufenen Petr Vaclavek (39) und dem bisherigen Vice President Manfred Schmaderer (45) geführt werden, der in den Vorstand aufrückt. Oevermann war erst Anfang August 2000 von Siemens Business Services zu NSE gewechselt.

Die am Neuen Markt notierte NSE-Aktie legte bis zum Mittag gegen den Markttrend knapp 2 % auf 1,58 Euro zu.

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