Angesichts weiterer Plünderungen im Irak: Alliierte wollen jetzt für mehr Ordnung sorgen

Angesichts weiterer Plünderungen im Irak
Alliierte wollen jetzt für mehr Ordnung sorgen

Amerikanische und britische Militärs wollen in Zukunft entschieden gegen die anhaltenden Plünderungen im Irak vorgehen. "Wie werden das Plündern stoppen und Personen, die dabei ertappt werden, festnehmen", kündigte Major David Cooper, ein Presseoffizier der in Bagdad stationierten US-Marineinfanteristen, am Sonntag an.

HB/dpa BAGDAD. Bereits von diesem Montag an würden US-Soldaten gemeinsam mit reaktivierten irakischen Polizisten Streife gehen. Genauso will das britische Militär in der südirakischen Stadt Basra vorgehen. In der Hauptstadt Bagdad gingen die Plünderungen weiter. Am Sonntag berichteten dpa-Korrespondenten aber, dass diese Aktionen etwas abflauten, weil nach den Tage langen Plünderungen öffentliche Gebäude, Ministerien, Schulen, Krankenhäuser und leer stehende Privathäuser ausgeraubt waren. Vor einzelnen Einrichtungen zogen US- Wachtposten auf. Bewaffnete Bürgerwehren gingen gegen Plünderer vor, Ladenbesitzer stellten sich mit Gewehren vor ihre Geschäfte. Das US- Militär hofft, dass bald wieder 3000 Polizisten im Dienst sein werden.

In Wohnvierteln von Bagdad haben die Menschen in vielen Straßen Barrikaden aus Steinen, Ästen und Möbelstücken errichtet, um Plünderern mit Autos den Weg zu versperren, wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) berichtete. Viele Bewohner trauten sich nicht, auf die Straße oder gar zur Arbeit zu gehen.

Die irakische Polizei war am Mittwoch von den Straßen verschwunden, als US-Einheiten in weite Teile von Bagdad vorrückten und das Regime von Saddam Hussein zusammenbrach. Von da an beherrschten Plünderer die Straßen von Bagdad, raubten öffentliche Gebäude, Krankenhäuser und Museen aus. Die in Bagdad eingerückten US- Truppen unternahmen bislang wenig gegen diese Übergriffe.

Seit Samstag verhandeln jedoch US-Kommandeure in Bagdad mit hochrangigen irakischen Polizeioffizieren. "Unser vorrangiges Ziel ist es, die Polizei zurück auf die Straßen zu bringen", sagte Cooper.

Über arabischsprachige Radiosender habe man die Polizisten aufgefordert, sich zurück zum Dienst zu melden. Allerdings würden nur jene Beamte akzeptiert, die bei der Verkehrs- oder Kriminalpolizei tätig waren. So wolle man verhindern, dass Leute übernommen werden, die als Mitarbeiter der Geheimdienste oder Sondertruppen Teil des Unterdrückungsapparates von Saddam Hussein waren, fügte Cooper hinzu.

Auch in Basra wollen britische Militärs gemeinsam mit der örtlichen Polizei Streife gehen. Kontakte zu den Behörden vor Ort seien geknüpft, sagte Militärsprecher Leutnant Ronnie McCourt am Samstag dem britischen Sender BBC. "Wir versuchen, das Machtvakuum zu füllen", sagte er zu Kritik, dass die britischen Truppen nach dem Einmarsch in Basra dort offenbar nicht für Ruhe und Ordnung sorgen können. Nach Militärangaben ist es in der zweitgrößten irakischen Stadt inzwischen ruhiger geworden. Ein BBC-Reporter berichtete jedoch vor Ort, dass es auf den Straßen der Millionenstadt nach wie vor extrem gefährlich sei. Bald werde es nichts mehr zu plündern geben.

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