"Angespannte Situation
Pharmahandel antwortet auf Rabattschlacht mit Stellenabbau

Die Großhandelsmargen in Deutschland geraten stark unter Druck. Die Branche muss darauf reagieren.

FRANKFURT/M. Zwangsrabatte und ein heftiger Wettbewerb zehren massiv an den Margen des deutschen Pharmagroßhandels. Die Branche richtet sich daher auf einen neuen Rationalisierungsschub ein. Die Stuttgarter Celesio AG (ehemals Gehe) etwa will die Belegschaft ihrer deutschen Handelsaktivitäten um ein Zehntel verkleinern.

Vertreter der Branche sprechen von einer sehr angespannten Situation und einer regelrechten "Rabatt-Orgie". Die Ergebnisse des Pharmagroßhandels in Deutschland, fürchtet Bernd Scheifele, Chef der Mannheimer Phoenix Pharmahandel AG & Co, dürften in diesem Jahr um 50 - 100 % zurückgehen. Auch rote Zahlen seien denkbar.

Auslöser ist zum einen der dreiprozentige Zwangsrabatt, den die Bundesregierung dem Pharmagroßhandel im vergangenen Herbst auferlegte. Zum anderen hat ein unerwartet heftiger Wettbewerb bei den Lieferkonditionen eingesetzt, mit dem einzelne Großhändler Marktanteile im Geschäft mit den Apotheken zu gewinnen hoffen. "Eine Trendwende ist bisher nicht zu sehen", so Ulrich Kehr, Geschäftsführer der gleichnamigen mittelständischen Pharmagroßhandlung.

Stark getroffen werden davon vor allem die nur in Deutschland tätigen kleineren und mittelgroßen Pharmahändler, während die international tätigen Konzerne wie Celesio und Phoenix die Einbußen durch ihre Auslandsaktivitäten teilweise kompensieren können. Celesio, der europäische Marktführer, meldete gestern für das erste Quartal bei stagnierendem Umsatz von 4,5 Mrd. Euro sogar einen Anstieg des Konzerngewinns vor Steuern um knapp ein Zehntel auf 81 Mill. Euro. Dazu beigetragen haben jedoch in erster Linie die ausländischen Einzelhandelsaktivitäten. Im deutschen Pharmagroßhandel habe man erhebliche Einbußen verzeichnet, so Firmenchef Fritz Oesterle. Darauf will der Konzern nun mit einer "Optminierung" der Niederlassungen reagieren. Die Münchner Sanacorp AG meldete vor wenigen Tagen für das erste Quartal trotz steigender Umsätze einen Rückgang beim operativen Ergebnis von 10,5 auf 6,5 Mill. Euro.

Als mitverantwortlich für die Entwicklung betrachten Branchenkenner dabei ausgerechnet die Frankfurter Andreae Zahn-Noris AG (Anzag) ausgemacht, bei der Sanacorp knapp 50 % Kapitalanteil hält und eine Übernahme anstrebt. Den früheren Anzag-Chef Horst Trimborn habe dies nicht von einer ehrgeizige "Vorwärtsstrategie" abgehalten, die den Margenverfall in der gesamten Branche maßgeblich beschleunigte.

Die Anzag AG weist diese Interpretation zurück. Der Druck resultiere vielmehr aus der Politik, betonte eine Sprecherin des Unternehmens. Trimborn ist am 10. April aus dem Vorstand ausgeschieden.

Das im vergangenen Herbst verabschiedete Beitragssicherungs-Gesetz sieht Zwangsrabatte von etwa 350 Mill. Euro für die Apotheken und weitere 600 Mill. Euro für den Großhandel vor, was jedoch dessen Ertragskraft weit übersteigt. Zwar räumt die Arzneimittelpreisverordnung den Großhändlern formal eine Spanne von durchschnittlich etwa 13 % ein. Davon wird bislang aber bereits gut die Hälfte in Form von Rabatten an die Apotheken weitergegeben. Allgemein war daher erwartet worden, dass der Handel diese freiwilligen Rabatte kürzt, um seine eigenen Zwangsrabatte an die Kassen auszugleichen. Aufgrund des verstärkten Wettbewerbs konnte man dies jedoch allenfalls teilweise durchsetzen.

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