Angestellte fürchten Zerlegung von Sulzer
Übernahmekampf um Sulzer spitzt sich zu

Im Übernahmekampf um den Sulzer-Konzern kommt es am Donnerstag zum Showdown zwischen René Braginskys Incentive und dem Sulzer-Verwaltungsrat. Die Aktionäre entscheiden, wer im krisengeschüttelten Unternehmen künftig das Sagen hat.

dpa-afx WINTERTHUR/ZÜRICH. Wichtigstes Traktandum ist neben der Verselbständigung der Medizinaltochter Medica insbesondere die Wahl des Verwaltungsrates (VR). Incentive will das gesamte Sulzer-Gremium absetzen und eine eigene Mannschaft unter VR-Präsident Eberhard von Koerber an die Spitze des Konzerns setzen. Der Plan ist keineswegs chancenlos. Es ist damit zu rechnen, dass etliche Aktionäre nach dem jahrelangen Zickzack-Kurs und der schwachen Rendite des Unternehmens das Vertrauen in die Sulzer-Leute verloren haben.

Mit einem Sturz des Vewaltungsrates hätte Braginsky die Winterthurer Festung, die sich in den Achtziger Jahren erfolgreich Übernahmepiraten wie Tito Tettamanti oder Werner K. Rey widersetzt hatte, bereits am Donnerstag eingenommen. Bevor seine bis zum 22. Mai laufende Offerte an die Aktionäre überhaupt zustande gekommen ist, hätte der Financier das Unternehmen unter seiner Kontrolle. Stellt sich umgekehrt eine Mehrheit der Aktionäre hinter das Sulzer-Gespann unter VR-Präsident Leonardo Vannotti, so dürfte der Übernahmeversuch von Incentive gescheitert sein. Braginsky liess allerdings noch offen, ob er in diesem Fall die Übernahmeofferte trotzdem weiterzieht.

Incentive will Stimmrechtsbeschränkung abschaffen

Schwierigste Hürde für Incentive ist die von ihr beantragte Abschaffung der Stimmrechtsbeschränkung von 5 %. Zu deren Aufhebung benötigt sie eine Zweidrittelmehrheit. Analysten werten dies denn auch als die Schicksalsfrage im Übernahmekampf. "Wenn wir schon 1,5 Mrd. sfr für die angestrebte Aktienmehrheit zahlen, so wollen wir in Zukunft auch etwas zu sagen haben", begründete Braginsky seinen Antrag. Die Streichung der Stimmrechtsbeschränkung hat Braginsky als Voraussetzung für die Offerte festgelegt. An einem Nein müsste die Übernahme aber nicht scheitern. "Entscheidend ist für uns die Mehrheit im Verwaltungsrat", erklärte Incentive-Sprecher Thomas Wyler. Die Stimmrechtsfrage könne später wieder auf die Tagesordnung gebracht werden.

Umgekehrt darf Incentive gemäss Übernahmegesetz ihre Offerte tatsächlich abblasen, falls eine ihrer Bedingungen abgelehnt wird oder falls sie bis zum 22. Mai nicht mindestens 67 % der Aktien erwirbt. Vor diesem Szenario warnte Sulzer eindringlich: Sollte Incentive den Verwaltungsrat unter Kontrolle haben, könnte sie das Übernahmeangebot scheitern lassen und käme so praktisch gratis an die Schalthebel des Konzerns. Die Zuger Finanzgesellschaft, die direkt und über Optionen gegen 15 % von Sulzer kontrolliert, bezeichnet solche Vorwürfe als "absurde Spekulationen". Ohne klare Mehrheit könne Incentive gegen den Willen der übrigen Aktionäre gar keine wichtigen Entscheidungen treffen, sagte Wyler.

Im Übernahmekampf blieben sich die Parteien nichts schuldig. Incentive habe ausser finanziellen Eigeninteressen nichts vorzuweisen, kritisierte Sulzer-Präsident Vannotti. Der angebotene Preis spiegle in keiner Weise den Wert des Industrieunternehmens. Umgekehrt warf Braginsky dem Sulzer-Management jahrelange Erfolglosigkeit vor. Mit einer Übernahme wolle er retten, was noch zu retten sei.

Angestellte fürchten Zerlegung von Sulzer

Konkrete Strategien für den Industrieteil hat Incentive erst in Ansätzen. Sulzer werde nach der Abspaltung von Medica ein "auf zwei bis drei Geschäftsfelder fokussiertes, ertragstarkes, technologiegetriebenes Unternehmen", liess der ehemalige ABB-Manager von Koerber in Interviews durchblicken. Unterstützung erhält Sulzer von den Angestellten. Die Arbeitnehmerorganisationen und Betriebsräte stellen bereits Kampfmassnahmen in Aussicht. Sie gehen davon aus, dass Braginsky den Konzern zerlegt und in Einzelteilen verkauft.

Branchenkenner gehen von einem offenen Rennen aus. Die Börse scheint allerdings nicht an eine Übernahme zu glauben. Jedenfalls liegt der Sulzer-Kurs seit längerem unter Braginskys Angebot. Verkaufswillige Investoren, die von einer Übernahme überzeugt wären, hätten bei dieser Diffenerenz wohl verkauft. Der Kurs hätte sich Braginskys Offerte angeglichen.

Sulzer steigert Bestellungseingang um 6%

Im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2001 hat die Sulzer AG den Bestellungseingang um 6 % auf 1.532 Mill. sfr gesteigert. Bereinigt um Akquisitionen, Devestitionen und den Währungseinfluss habe die Zunahme 7 % betragen, teilte der Konzern am Dienstag in Zürich mit. Sulzer rechnet im laufenden Jahr mit einem "weiterhin positiven Trend" beim Bestellungseingang.

Sulzer Medica steigerte den Umsatz im ersten Quartal gegenüber der entsprechenden Vorjahresperiode um 4 % auf 360 Mill. sfr. Akquisitions- und währungsbereinigt sei der Umsatz um 1 % gesteigert worden. Der Rückruf der Inter-Op-Hüftschalen habe erwartungsgemäss zu einem leichten Rückgang der Verkäufe von Hüftimplantaten in den USA geführt, hiess es.

Der gesamte Bestellungseingang von Sulzer Industries im ersten Quartal lag mit 1.177 Mill. sfr um 7 % über dem Vorjahreswert. Akquistions-, devestitions- bzw. währungsbereinigt betrug die Zunahme 9 %.

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