Angestellte können bis zu 100 000 Mark Abfindung erhalten
Grundig zahlt entlassenen Mitarbeitern 53 Millionen Mark

Der angeschlagene Nürnberger Elektronikkonzern Grundig will seinen knapp 1 300 von Entlassungen bedrohten Mitarbeitern Abfindungen in Höhe von insgesamt 53 Millionen Mark zahlen. Weitere 3 Millionen Mark gingen als Anschubfinanzierung in eine Beschäftigungsgesellschaft, sagte der Grundig-Betriebsratsvorsitzende Dieter Appelt am Freitag in Nürnberg.

afp/dpa NÜRNBERG. Grundig will in seinem Werk in Nürnberg-Langwasser 1 058 und in der Bayreuther Niederlassung 180 Stellen streichen. Der in der Nacht zum Freitag erzielte Sanierungsplan wurde zunächst für die Nürnberger Beschäftigten ausgehandelt. Appelt betonte aber, dass Bayreuth die Regelungen übernehmen könne. Die gekündigten Mitarbeiter können nach der jetzt gefundenen Einigung bis zu 100 000 Mark Abfindung erhalten. Grundig bestätigte am Freitag zwar die Einigung, machte aber zum Volumen und Einzelheiten des Sozialplans keine Angaben.

Nach Angaben des Betriebsrats erhält jeder Mitarbeiter, dem gekündigt wird, eine Abfindung. Diese sei unabhägig davon, ob er danach für ein anderes Unternehmen arbeite oder arbeitslos sei, sagte Appelt. Für den größten Teil der betroffenen Beschäftigten sollen die Abfindungen demnach zwischen 20 000 und 60 000 DM liegen. Grundig legte dem Betriebsrat nach seinen Angaben bereits eine Liste mit Kündigungen vor, über die dieser bis zum 27. Juni entscheiden muss. Den betroffenen Mitarbeiter werde dann bis zum Ende des Jahres gekündigt, sagte Appelt.

Bestandteil des Interessenausgleichs ist nach Angaben des Betriebsratsvorsitzenden Dieter Appelt auch die Gründung einer Beschäftigungsgesellschaft. Zusätzlich zu den vereinbarten Sozialplanmitteln will Grundig dafür eine Anschubfinanzierung in Höhe von rund drei Millionen DM bereitstellen. Die in der Beschäftungsgesellschaft angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen sollen die entlassenen Mitarbeiter fit für neue Arbeitsplätze machen. Einzelheiten sollen in den nächsten Tagen zwischen Vorstand und Betriebsrat ausgehandelt werden.

Im einzelnen sieht der Sozialplan für die betroffenen Mitarbeiter einen einheitlichen Sockelbetrag von 5 000 DM vor. Er erhöht sich pro Kind um 2 000 DM. Besondere Aufschläge erhalten allein Erziehende und Schwerbehinderte. Die endgültige Höhe des Sozialplans bemisst sich am Alter und der Betriebszugehörigkeit der Betroffenen. Mitarbeiter zwischen 57 und 64 Jahren erhalten zusätzlich einen so genannten Nachteils-Ausgleich für drohende Rentenabschläge zwischen 5 000 und 55 000 DM.

Die Halbierung der Belegschaft im Werk Nürnberg-Langwasser auf rund 1 100 Beschäftigte und der Abbau von 200 der rund 350 Arbeitsplätze in Bayreuth sind Teil eines Sanierungsprogramms des angeschlagenen Elektronik-Konzerns. So will das fränkische Traditionsunternehmen zum Kostenabbau die Fernseher-Produktion komplett von Nürnberg in das Werk Wien verlagern. Grundig-Chef Karl- Heinz Kohlhammer rechnet schon für das nächste Jahr wieder mit einem Gewinn im operativen Geschäft. In diesem Jahr werde der Verlust aller Voraussicht nach in dreistelliger Millionenhöhe liegen. Für die Schieflage des Unternehmens wird unter anderem die schwache Konjunktur in der Unterhaltselektronik und zu hohe Herstellungskosten verantwortlich gemacht.

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