Angriff auf die führende Position der USA
China setzt zur IT-Revolution an

Die Volksrepublik setzt ganz auf Informationstechnologie (IT). Die Branche soll dazu beitragen, das Wachstum zu beschleunigen und im Wettbewerb mit führenden Industrienationen zu bestehen. Peking fördert den Zukunftssektor gezielt durch Steuervorteile und niedrige Telekom-Gebühren.

PEKING. China sagt den globalen IT-Mächten, allen voran den USA, beherzt den Kampf an. Bis 2005 sollen alle asiatischen Nachbarn überflügelt werden. Bis 2010 wird die Position der USA attackiert, so die Vorgabe des Ministeriums für Informationstechnologie in Peking.

Die Zielsetzung stammt nicht etwa von einem übermäßig ehrgeizigen Kabinettsmitglied. Sie wurde im neuen Fünfjahresplan Chinas zementiert. Erstmals in der Geschichte der Volksrepublik wird im strategischen Wirtschaftsplan eine einzelne Branche gesondert erwähnt. Und Premier Zhu Rongji machte die IT-Industrie zum Auftakt des Volkskongresses Anfang März zur Chefsache.

Bis 2005 soll die IT-Branche in China dreimal so schnell wachsen wie die Gesamtwirtschaft. Der IT-Anteil an der Wertschöpfung soll auf 5 % des Bruttoinlandsprodukts steigen - eine Verdoppelung. Chinas Telefonnetz wird das größte in der Welt werden. Das Exportvolumen der Industrie soll sich im Vergleich zum Jahr 2000 verdoppeln.

Schon heute, sagt Li Xiaodong vom State Council Development and Research Center, einem Think Tank der Regierung, liefert China 40 % aller Kassettenrekorder, Telefonapparate und Lautsprecher auf der Welt. Ähnliche Ergebnisse peilt es mit PC, Computerzubehör, Monitoren, Diskettenlaufwerken, Farbfernsehern, DVD-Geräten und Druckern an. "Wir müssen sofort damit beginnen, die Produktion von Software und Hardware - die für das Internet geeignet sind - zu beschleunigen", sagt Li.

Aufbau der eigenen IT-Industrie zum strategischen Wettkampf

China betrachtet den rasanten Aufbau einer eigenen IT-Industrie als strategischen Wettkampf gegen die führenden Industrienationen. "Die Informationsindustrie wird die Struktur des Weltwirtschaftssystems verändern", so der Vizeminister für IT-Industrie, Lou Qinjian. China will seine strategische Position in diesem Wettlauf verbessern. Noch deutlicher wird einer der führenden Männer im Wissenschafts- und Technologiebüro von Pudong, Schanghais Zentrum für Finanzen, Chemie, Auto und High- Tech: "Künftige Konflikte können sich um den Besitz von Technologie drehen. Derzeit ist das wertvollste geistige Eigentum in Händen der Amerikaner. Das ist nicht in Ordnung."

Das Wachstum der Branche wird nicht nur von der explodierenden Nachfrage angetrieben. Allein der Bedarf an Telekomdienstleistungen nimmt in China jedes Jahr um 22 % zu. Schon jetzt hat China mit über 25 Mill. Teilnehmern einen der größten Internetmärkte der Welt. Die Regierung senkte am 1. März erneut die Telekomtarife. Sie dereguliert die IT-Märkte und führt Wettbewerb ein. Private Investoren können jetzt bis zu 49 % an Telefondienstleistern erwerben. Landesweite Netze für Telefon, Mobilfunk und Breitbandkommunikation werden errichtet. Schanghai, Shenzhen und Peking werden zu IT-Hochburgen aufgebaut.

Aggressive Kampagnen geplant

Aggressive Kampagnen sollen Talente aus dem Ausland anziehen und chinesische Akademiker zur Rückkehr ins Reich der Mitte bewegen. Peking lockt auch Taiwans Computer- und Zubehörhersteller aufs Festland. Sie siedelt Chipfabriken - vornehmlich in Schanghai - an. Schnelle Chips, Superrechner, Netzwerk-Software und Hochleistungsnetze stehen ganz oben auf der Förderliste. In diesem Jahrzehnt genießen Softwarefirmen und Chiphersteller niedrige Steuerraten von 3 und 6 %. Gemessen am Jahresumsatz haben Chinas Elektronikfirmen bereits klassische Branchen wie Textilien, Chemie und Energie überholt.

Doch noch steckt Chinas IT-Industrie in den Kinderschuhen. Gaben die US-Bürger im vergangenen Jahr 561 Mrd. $ für IT-Produkte aus, so waren es in China gerade einmal knapp 20 Mrd. $. Bislang gab es in China nur zwei größere Chip-Produzenten. Motorola baut Chips für seine Mobiltelefone. Und NEC betreibt ein Joint Venture in Schanghai. Doch große Chipfabriken wie das gemeinsam geplante Werk von Jiang Zemin- Sohn Jiang Mianhang und dem Sohn eines führenden Tycoons aus Taiwan sind beschlossene Sache.

"Der Wettbewerb in dieser Branche wird immer heftiger", sagt Li Xiaodong. Die China-Experten bei Morgan Stanley in Hongkong geben Peking recht. Die Forcierung der IT-Industrie, sagen sie, gewinnt für China aus drei Gründen strategische Bedeutung: Sie senkt die Kosten der Industrialisierung. Die schnellere Wissensvermittlung fördert eine Mittelklasse, die dem Land soziale Stabilität verleiht. Und: "IT ist die vielleicht schärfste Waffe gegen Korruption."

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%