Angriffe auf Flughafen
Taliban leisten weiter erbitterten Widerstand

Die Kämpfe um die letzte Taliban-Bastion im Süden Afghanistans stehen nach Einschätzung der US-Armee vor einem Wendepunkt. "Wohin die Taliban sich auch wenden, stoßen sie auf erheblichen Druck", sagte US-Major James B. Higgins auf dem Stützpunkt, den die US-Armee in Schussweite der Stadt Kandahar aufgebaut hat.

Reuters KABUL/QUETTA. Die Gefechte steuerten auf einen Wendepunkt zu. Taliban-Gegner berichteten, beim Vormarsch auf die Stadt seien ihre Kämpfer auf starken Widerstand gestoßen. An den Gefechten um den Flughafen Kandahars hätten sich Hunderte von arabischen Söldnern beteiligt, die auf Seiten der Taliban im Dienst des moslemischen Extremisten Osama bin Laden kämpfen.

Die Taliban-Gegner rückten eigenen Angaben zufolge bis auf 25 Kilometer auf das Zentrum Kandahars vor. Higgins sagte, "im Norden und Südosten rücken die Taliban-Gegner vor und wir bedrohen sie von unserer Basis aus". Der genaue Standort des Flughafens unterliegt der Geheimhaltung. Die Taliban würden mehr und mehr in die Zange genommen und "wir werden sie hoffentlich in naher Zukunft da herauskriegen", fügte der Major hinzu.

Die US-Verbände bauten das Flugfeld am Sonntag weiter aus, ohne sich am Vormarsch auf die Stadt zu beteiligen. Auf dem Flugplatz sind der US-Armee zufolge auch Verbindungsoffiziere aus Deutschland, Großbritannien und Australien tätig. Das Bundesverteidigungsministerium dementierte dies jedoch für Deutschland.

Die US-Luftwaffe setzte zudem ihre Angriffe auf den Flughafen von Kandahar unvermindert fort. Dabei wurden nach Taliban-Angaben 13 Zivilisten getötet, wie die in Pakistan ansässige afghanische Nachrichtenagentur AIP meldete. Auch die von den Taliban gehaltene Stadt Spin Boldak an der Grenze zu Pakistan wurde bombardiert. Aus dem Kampfgebiet gibt es keine unabhängige Bestätigung dieser Angaben.

Ein Sprecher der Verbände des früheren Gouverneurs von Kandahar, Gul Aga Schersai, sagte, am Flughafen seien die Truppen vor allem auf arabische Kämpfer gestoßen. "Die Araber kämpfen eisern. Sie wissen, dass sie nichts zu verlieren haben. Sie kämpfen bis zum Tod", sagte ein weiterer Sprecher der Taliban-Gegner. Die USA verfolgen Bin Laden und seine Gefolgsleute für die Anschläge vom 11. September. Taliban-Chef Mullah Mohammad Omar hatte angekündigt, Kandahar werde bis zum letzten Atemzug verteidigt.

Suche nach bin Laden geht weiter

Bei US-Luftangriffen in der Nähe der ostafghanischen Stadt Dschalalabad wurden nach örtlichen Angaben in der Nacht zum Sonntag 20 Zivilisten getötet und 18 verletzt. Es seien Ziele im Bezirk Agam rund 38 Kilometer südlich von Dschalalabad angegriffen worden, hieß es.

In der Umgebung der Stadt ging derweil die Suche nach bin Laden weiter. Der Extremist soll sich US-Angaben zufolge in der Höhlenfestung Tora Bora bei Dschalalabad versteckt halten. Der Außenminister der Nordallianz, Abdullah Abdullah, sagte jedoch, Bin Laden sei nicht in Tora Bora, sondern befinde sich in Südafghanistan auf der Flucht. Dort bereite er einen Guerillakampf vor.

In Nordafghanistan traf nach zweiwöchiger Verzögerung ein Vorauskommando der französischen Streitkräfte ein. 40 Mitglieder des 58 Soldaten umfassenden Kommandos seien am späten Samstag in Masar-i-Scharif eingetroffen, teilte am Sonntag in Paris das Verteidigungsministerium mit. Aufgabe der Infanteristen sei es, den Flughafen zu sichern. Die in großen Teilen des Landes siegreiche Nordallianz hatte sich zunächst gegen die Stationierung ausländischer Truppen in Afghanistan ausgesprochen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%