Angriffe auf Flughafen von Kandahar und Kabul
Bombardierung von Zielen in Afghanistan fortgesetzt

Die USA haben ihre Angriffe auf Ziele in Afghanistan am Mittwoch unvermindert fortgesetzt. In Kabul war am Abend wieder das Feuer von Flugabwehrgeschützen zu hören, in der Gegend des Flughafens gab es schwere Detonationen.

ap KABUL/WASHINGTON. Das Terrornetzwerk des mutmaßlichen Terroristenführers Osama bin Laden rief unterdessen alle Moslems weltweit zum Heiligen Krieg gegen die USA auf. Ein Sprecher von El Kaida drohte neue Anschläge mit Flugzeugen an. Die Taliban erklärten, angesichts der fortgesetzen US-Luftangriffe würden sie die Beschränkungen für Bin Laden aufheben.

US-Präsident George W. Bush stellte am Mittwoch in Washington eine neue Liste mit den 22 am dringendsten gesuchten Terroristen vor. Auf ihr steht unter anderen der Name Bin Ladens. Die Liste diene dem Ziel, die Terroristen der Gerechtigkeit zuzuführen, sagte Bush im Beisein von Außenminister Colin Powell und Justizminister John Ashcroft. "Sie müssen gefunden werden. Sie werden gestoppt werden, und sie werden bestraft werden."

Bereits vor der jüngsten amerikanischen Angriffswelle hieß es am Dienstag im Verteidigungsministerium in Washington, die US-Streitkräfte hätten mittlerweile die Lufthoheit über Afghanistan erlangt. Gewährsleute erklärten, die afghanische Flugabwehr sei ausgeschaltet. Außerdem seien bis auf einen alle Flugplätze der Taliban unbrauchbar gemacht worden. Bei den am Sonntag begonnenen Luftangriffen seien ferner Stellungen von Soldaten und Ausbildungslager für Terroristen getroffen worden. Nach Darstellung des Taliban-Regimes ist die afghanische Flugabwehr allerdings nach wie vor intakt.

An der Militäroperation am Mittwoch waren nach Angaben des Verteidigungsministeriums in London britische Aufklärungs- und Tankflugzeuge beteiligt. Über Kabul flogen zahlreiche Kampfflugzeuge. Auch die Taliban-Hochburg Kandahar war wieder Ziel von Angriffen. Wie aus Kreisen der regierenden Taliban verlautete, warfen Kampfflugzeuge am Morgen drei Bomben in der Nähe des Flugplatzes ab. In der Region um den Flughafen der Stadt sollen sich Unterkünfte von mindestens 300 Anhängern Bin Ladens und Flugabwehrstellungen befinden. Eine US-Rakete traf in der Nacht möglicherweise irrtümlich ein kleines Dorf nördlich von Kabul. Wie Dorfbewohner berichteten, wurden mehrere Häuser zerstört und mehrere Menschen verletzt. So weit bekannt, gibt es bei Deh Sabs weder eine Militäreinrichtung noch ein Lager möglicher Terroristen. In der nächstes Phase der amerikanischen Militäroperation in Afghanistan könnten nach Angaben von US-Militäranalysten Kommandotrupps mit Hubschraubern aus niedriger Höhe abgesetzt werden, um Bin Laden aufzuspüren.

Der Taliban-Botschafter in Pakistan, Abdul Salam Saif, erklärte am Mittwoch weiter, der Nordallianz sei es bislang nicht gelungen, gegen die Taliban Boden zu gewinnen. Die Opposition habe in der afghanischen Bevölkerung keine Unterstützung. Saif sagte weiter, Bin Laden habe die amerikanischen Angriffe unversehrt überstanden.

Kurz zuvor hatte ein Sprecher des Taliban-Führers Mullah Mohammed Omar im paschtunischsprachigen Dienst des britischen Rundfunksenders BBC erklärt, die Taliban würden jetzt alle Beschränkungen für Bin Laden aufheben. Er begründete dies damit, dass sich mit den amerikanischen Angriffen die Lage völlig verändert habe. Bislang hatten die Taliban erklärt, Bin Laden befinde sich in ihrer Obhut, sei aber von allen Kommunikationsmöglichkeiten abgeschnitten.

Das Taliban-Regime bat die islamischen Staaten am Mittwoch um Unterstützung gegen die US-Angriffe. Sie sollten helfen, die Militäroffensive zu stoppen, forderte der Taliban-Außenminister Wakil Ahmed Muttawakil in einem Brief an die Organisation der Islamischen Konferenz, die im Emirat Katar tagte.

UN berichten von Übergriffen auf Mitarbeiter in Kabul

Die UN berichteten unterdessen von Übergriffen der Taliban auf afghanische Mitarbeiter der Weltorganisation in Kabul und zwei weiteren Städten. Die Mitarbeiter seien geschlagen worden. Darüber hinaus hätten die Taliban mehrere UN-Fahrzeuge beschlagnahmt, erklärte UN-Sprecherin Stephanie Bunker in Islamabad.

In einem Video, das der arabische Fernsehsender El Dschasira am Dienstagabend ausstrahlte, lobte der Sprecher von Bin Ladens El Kaida, Sulaiman Abu Ghaith, die Anschläge. Die Attentäter hätten etwas Gutes getan und den Kampf ins Herz Amerikas getragen. Abu Ghaith zitierte einen Vers aus dem Koran, der die gläubigen Moslems dazu auffordert, gegen jegliche Unterdrücker zu kämpfen. "Der Heilige Krieg ist eine Pflicht." Kuwait kündigte an, Abu Ghaith die Staatsbürgerschaft zu entziehen.

Nach Einschätzung der britischen Regierung verfügt El Kaida wahrscheinlich über chemische und biologische Kampfstoffe. Der Staatssekretär im Außenministerium, Ben Bradshaw, sagte im australischen Fernsehen: "Wir wissen, dass El Kaida in den letzten zehn Jahren versucht hat, in den Besitz biologischer und chemischer Waffen zu gelangen. Wir nehmen an, dass ihnen das auch gelungen ist."

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