Angst um Dammbruch am Jangtse
Flut schlägt in Asien noch schlimmer zu

Angesichts der Flutkatastrophe in Ostdeutschland und Mitteleuropa treten Überschwemmungen in anderen Teilen der Welt in den Hintergrund. Doch sind in China, Indien und Bangladesh Millionen Menschen von Fluten betroffen.

bi/ay/ag DÜSSELDORF. In Asien sind mehrere Millionen Menschen von über die Ufer tretenden Flüssen und Seen bedroht. Weitere Regenfälle sind überall vorausgesagt. In Zentralchina bangen zehn Millionen Menschen um den Dongting-See, der als Überlaufbecken für den Jangtse-Strom dient. An dem zweitgrößten Süßwassersee Chinas in der Provinz Hunan seien Tausende von Menschen mobilisiert worden, um aufgeweichte Deiche zu bewachen, berichtete am Dienstag die Tageszeitung "China Daily". Zehn Tage Regen haben den Jangtse-Strom auch in der tief liegenden Metropole Wuhan um einen Meter über die Hochwassermarke steigen lassen.

In der chinesischen Provinz Hubei wurden ebenfalls Deichwachen entlang des Jangtse angeordnet. In Hangzou in der Ostprovinz Zhejiang kamen bei Überschwemmungen 21 Menschen ums Leben.

In Jiangxi wurde die wichtige Eisenbahnverbindung zwischen Peking und Hongkong unterspült. Züge werden umgeleitet. Bei der Flutkatastrophe vor vier Jahren, die mehr als 4000 Menschen das Leben gekostet hatte, waren die Deiche am Dongting-See und am Jangtse gebrochen. In diesem Jahr sind bei den sommerlichen Unwettern in mehreren Regionen der Volksrepublik China landesweit bereits mehr als 1000 Menschen ums Leben gekommen.

Als Folge der Überschwemmungen in China sind auch in der vietnamesischen Hauptstadt Hanoi bis zu 50 000 Menschen auf der Flucht. Im Norden der Stadt sei der Rote Fluss über die Ufer getreten, hieß es am Dienstag von der dortigen Polizei. Die Bewohner von mehr als 14 000 Haushalten seien aufgefordert worden, sich in Sicherheit zu bringen. Die Behörden sind besorgt über die hygienische Lage und die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser. Überflutungen und Erdrutsche haben im Norden und in der Mitte Vietnams bislang mindestens 29 Menschenleben gefordert.

Nach Dammbrüchen an einem Fluss im Nordosten Indiens sind auch hier mehrere hundert Dörfer überflutet worden. Am Fluss Iril im Bundesstaat Manipur versuchten Helfer am Dienstag, das Wasser mit Bambuswänden und Sandsäcken einzudämmen. Auch im benachbarten Assam führten anhaltende Monsunregenfälle dazu, dass noch mehr Dörfer überschwemmt wurden. In Bihar, dem am schlimmsten betroffenen Bundesstaat im Osten, wurden am Dienstag 560 Dörfer am Fluss Noon überschwemmt.

Im Norden der benachbarten Republik Bangladesch trat am Samstag der Fluss Jamuna über die Ufer und überschwemmte dutzende Dörfer. Insgesamt sind seit Beginn der Regenzeit schon 157 Menschen in den Fluten umgekommen und beinahe sieben Millionen obdachlos geworden. Meteorologen sagten weitere Niederschläge und Überschwemmungen für Bangladesch und Indien voraus.

Im Osten Indiens und in Bangladesch stehen vor allem große Teile in den Einzugsgebieten von Ganges und Brahmaputra unter Wasser. 17 Millionen Menschen sind davon betroffen, und die Zahl der Flutopfer ist auf über 500 gestiegen. Es sind Meldungen, die sich im Subkontinent alle paar Jahre wiederholen, wenn die Regengüsse des Südwest-Monsuns über den Sammelbecken der großen Ströme niedergehen.

Die Überschwemmungen in Indien und Bangladesh sind allerdings nur die eine Seite einer Medaille. Denn in diesem Jahr rückt die Opferstatistik in die hinteren Zeitungsseiten, verdrängt von Nachrichten, die vom Ausbleiben des Regens ein viel größeres Unheil als von dessen Übermaß befürchten lassen. Ein großer Teil des landwirtschaftlichen Bodens wird nicht künstlich bewässert. Er ist abhängig vom gespeicherten Monsunwasser in Teichen, Dammanlagen und dem Auffüllen der unterirdischen natürlichen Grundwasserlager. Doch in zwei Dritteln der 28 Bundesstaaten Indiens erreichen die bisherigen Niederschläge weniger als die Hälfte der langjährigen Mengen, und vierzehn Staaten müssen gar befürchten, dass sie dieses Jahr auf die Ernte ganz verzichten müssen.

Verheerende Unwetter tobten aber auch in anderen Teilen der Welt. An der Ostküste des Kaps in Südafrika hat es so viel geregnet wie seit 30 Jahren nicht mehr. Tausende Menschen verloren in der vergangenen Woche ihr Obdach. In der Nähe von East London wurden zwei Leichen gefunden, mehrere Menschen wurden noch vermisst. Auch die Philippinen, wo bereits dutzende Menschen in den Fluten starben, und der Norden Mexikos waren von Überschwemmungen betroffen.

Quelle: Handelsblatt

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