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Angst und große Nachfrage treiben Ölpreis in Rekordhöhen

(dpa-AFX) Wien - Der Preis für Rohöl klettert auf den internationalen Märkten in Schwindel erregende Höhen. Am Montag stieg der Korbpreis für ein Barrel (159 Liter) Opec-Öl auf über 39 US Dollar und damit den höchsten Stand seit 1987. Doch damit dürfte die Preisspirale noch lange nicht am Ende angekommen sein. Analysten halten Preise von bis zu 50 Dollar pro Barrel im kommenden Winter für durchaus realistisch. Für den rasanten Anstieg sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zur Öl-Knappheit kommt der Faktor Angst und eine Form der Spekulation, die es so auf den internationalen Märkten bisher nicht gab.

(dpa-AFX) Wien - Der Preis für Rohöl klettert auf den internationalen Märkten in Schwindel erregende Höhen. Am Montag stieg der Korbpreis für ein Barrel (159 Liter) Opec-Öl auf über 39 US Dollar und damit den höchsten Stand seit 1987. Doch damit dürfte die Preisspirale noch lange nicht am Ende angekommen sein. Analysten halten Preise von bis zu 50 Dollar pro Barrel im kommenden Winter für durchaus realistisch. Für den rasanten Anstieg sind mehrere Faktoren verantwortlich. Zur Öl-Knappheit kommt der Faktor Angst und eine Form der Spekulation, die es so auf den internationalen Märkten bisher nicht gab.

Zwar betonen die Verantwortlichen der Organisation Erdöl exportierender Länder (Opec) fast täglich, dass der Markt ausreichend mit Öl versorgt sei. Doch die Realität sieht bei näherer Betrachtung anders aus. Die Versorgungslage auf den Märkten ist durch das beschleunigte Wachstum der Weltwirtschaft angespannt und das dürfte auch die nächsten Jahre so bleiben.

China Boomt

Opec-Zahlen verdeutlichen die Situation: Bis vor wenigen Jahren gab es auf dem Weltmarkt eine Überschuss-Produktion von rund 12 Prozent der weltweiten Ölproduktion, oder rund 7 Millionen Barrel pro Tag. Durch den rapiden Anstieg des Verbrauchs insbesondere etwa in China ist dieser Puffer inzwischen jedoch auf rund 1,5 Millionen (bei einem Gesamtverbrauch von 82 Millionen Barrel) gesunken.

Fällt die Ölproduktion nur eines einzigen kleineren Opec-Landes aus - etwa durch einen möglichen Streik in Nigeria - oder könnte ein Produzent wie Yukos (1,6 Millionen Barrel) plötzlich nicht mehr liefern, würde es unausweichlich zum Versorgungsengpass kommen.

Bei der erwarteten Steigerung des weltweiten Verbrauchs von rund 2,5 Millionen Barrel jährlich ist die nächste Krise vorgezeichnet. Denn zurzeit ist nur Saudi-Arabien in der Lage, seine Produktion relativ kurzfristig zu steigern. Alle übrigen Produzenten pumpen an den Grenzen ihrer Kapazität. Dazu gilt ein großer Teil des von der Opec (rund 29 Millionen Barrel) zusätzlich produzierten Rohöls als "sauer", das heißt stark schwefelhaltig. Die Nachfrage gilt jedoch vor allem dem hochwertigen, schwefelarmen Öl, was wiederum den Preis für diese Sorten in die Höhe treibt.

Angst-Faktor

In dieser Lage ist der Markt nach Meinung aller Analysten besonders anfällig für den Angst-Faktor. Anschläge auf Pipelines im Irak, Terrordrohungen gegen den Top-Lieferanten Saudi-Arabien oder gegen die Wall Street führten in den vergangenen Wochen fast zu Panik-Käufen der Händler. Hinzu kommt eine Spekulation in bisher nie gekanntem Ausmaß. Bis zu diesem Jahr war Rohöl selten ein Objekt der Rohstoff-Spekulation. Inzwischen aber sind insbesondere die Hedgefonds äußerst aktiv an den Welt-Rohölmärkten. Experten wie der algerische Ölminister Chakib Chelil glauben, dass ein Ausstieg der Hedgefonds aus dem knappen Ölmarkt die Preise gleich um mehrere Dollar senken könnte.

Angesichts dieser Ausgangslage kann nach Meinung von Experten nur die verstärkte Förderung von Rohöl zu einer Preisberuhigung führen. Dazu, so schrieb die in Kuwait erscheinende "Arab Times" am Sonntag, seien aber massive Investitionen der Förderländer nötig. Immerhin dürfte der Ölverbrauch nach Berechnungen der Opec bis 2010 auf 89 Millionen Barrel und bis zum Jahr 2020 auf 106 Millionen Barrel steigen. Mit einer raschen Produktionsausweitung ist jedoch kaum zu rechnen, warnte am Dienstag Opec-Chef Purnomo Yusgiantoro. Lediglich Saudi-Arabien könne derzeit seine Kapazität ausweiten. Doch selbst die Saudis bräuchten dazu "einige Monate".

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