Angst und Nervosität unter den Händlern
Dax fällt auf tiefsten Stand seit fast drei Jahren

Der Deutsche Aktienindex (Dax) ist am Nachmittag um mehr als sechs Prozent auf den tiefsten Stand seit fast drei Jahren gefallen. Händler sagten, die Angst vor möglichen Vergeltungsschlägen seitens der USA nach den Terroranschlägen setze den Markt unter Druck. Der Index fiel am späten Nachmittag zeitweise um 6,2 Prozent auf 4 129 Punkte und damit auf den tiefsten Stand seit Oktober 1998.

Reuters FRANKFURT. "Es gibt keine nennenswerten Nachrichten, nur Angst und Nervosität", sagte ein Händler. Dabei ragten die kräftigen Verluste der Lufthansa unter den Einzelwerten hervor. Auch der Blick auf die für Montag erwartete Eröffnung der Wall Street nach der Katastrophe in New York sei ungewiss und völlig spekulativ, hieß es. Um 12 Uhr (MESZ) hatten die Börsen in Frankfurt und London sowie die Terminbörse Eurex den Handel ruhen lassen, um in drei Schweigeminuten der Opfer der Terroranschlägen in den USA zu gedenken.

"Warum der Markt jetzt noch weiter rutscht, ist eigentlich kaum mit Gründen zu unterfüttern", sagte ein Händler. Die Volatilität und die geringen Umsätze ließen keine normale Bewertung des Marktes zu. "Jeder ist dabei, seine Bestände zu überprüfen, es gibt kaum gezieltes Kauf- oder Verkaufsinteresse". Der Blick richte sich auf das Wochenende und auf mögliche militärische Aktionen der USA. "Jeder wird dann darauf schauen, ob das nur ein einmaliger Schlag war, oder ob es noch schlimmer kommen könnte", sagte ein Händler.

Keine langfristigen Prognosen

Das Interesse richte sich bereits auf die Wiedereröffnung der New Yorker Börse. Wie es weitergehe, sei unmöglich vorhersehbar, hieß es bei Händlern. Zu der am Montag erwarteten ersten Eröffnung der Weltleitbörse New York nach den Anschlägen könnte der Dow Jones-Index vorerst auf 9 400 Punkte fallen, schätzte ein Händler. Langfristig gebe es keine Prognosen. Ein anderer Händler sagte, es sei nicht auszuschließen, dass die Indizes um zehn Prozent abstürzten. Wichtig für die weitere Entwicklung der kommenden Woche sei vor allem, ob der Markt auf den Tiefstständen schließe oder sich im Tagesverlauf erhole.

Bis zum frühen Nachmittag verbuchten 28 der 30 Standardwerte Kursverluste. Im Fokus standen die Aktien der Deutschen Lufthansa , die am Nachmittag um mehr als elf Prozent auf 11,05 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit April 1997 einbrachen. Händler begründeten den Kursrückgang mit der Unsicherheit über die weiteren Auswirkungen der Terroranschläge in den USA für die Fluggesellschaft. Am Morgen hatte das Unternehmen mitgeteilt, alle für Freitag geplanten USA-Flüge gestrichen zu haben. Analysten schätzen die Erlösausfälle für Lufthansa daraus auf täglich rund zehn Mill. Euro.

Auch die Titel des Softwarekonzerns SAP notierten deutlich schwächer und gaben um rund fünf Prozent auf 111 Euro nach. Der erwünschte Effekt der besser als von Analysten erwarteten Zahlen des US-Softwarekonzerns Oracle sei unter anderem vom reduzierten Kursziel einer Investmentbank aufgezehrt worden, sagte ein Börsianer. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein hatte am Morgen das Kursziel für die SAP-Aktie auf 155 Euro von zuvor 175 Euro gesenkt.

Die Bayer -Aktie verlor 5,2 Prozent auf 30,28 Euro. "Das Festhalten am Pharmabereich ist absolut enttäuschend, mit einem Verkauf wäre ein Mehrwert geschaffen worden. Außerdem belastet der Ausblick auf mögliche Schadensersatzforderungen die Aktie", sagte Anke Peters, Analystin der Vereins und Westbank. - Am Donnerstag hatte Bayer mitgeteilt, an seinem Pharmabereich als Kerngeschäft festhalten zu wollen. Durch den Rückruf des umsatzstarken Medikamentes Lipobay/Baycol hatte es Spekulationen über den Verkauf des Pharmabereiches gegeben. Die Investmentbanker von Lehman Brothers stuften die Bayer-Aktie auf "Market Perform" von zuvor "Buy" herunter.

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