Angst vor Abstieg lässt in Leverkusen kaum Raum für Enttäuschung
Flammende Plädoyers für Kahn und das „Double“

Oliver Kahn verlebte einen unerwartet ruhigen Abend an seinem Arbeitsplatz - und für Bayern München ist zumindest auf dem Fußball-Platz die Welt in Ordnung. Nach dem Einzug ins DFB - Pokal-Finale gegen den 1. FC Kaiserslautern könnte die Saison 2002/03 für den Rekord-Champion am 31. Mai doch noch als ein Erfolgsjahr enden, das die Affären um Kirch-Vertrag und Kahns Privatleben sowie das blamable Abschneiden in der Champions League überstrahlt.

HB/dpa MÜNCHEN. Trainer Ottmar Hitzfeld erhob den 18. Meistertitel und den 11. Pokalgewinn am Mittwochabend nach dem ungefährdeten 3:1 (1:0)-Erfolg gegen den Vorjahresfinalisten Bayer Leverkusen sogar zu einer Frage der Ehre für sein Star-Ensemble: "Wir müssen das Double schaffen, um den Glanz der vergangenen Jahre wiederherzustellen", sagte Hitzfeld.

Abgesehen von den vier Toren, die Michael Ballack (30.) und "Matchwinner" Giovane Elber (57./58.) für die Bayern sowie Carsten Ramelow (52.) zum 1:1 für die enttäuschenden Rheinländer erzielten, sorgte das Geschehen auf dem Rasen für so wenig Zündstoff, dass hinterher fast nur noch über Nationaltorhüter Kahn geredet wurde.

Hitzfeld schimpfte, sein Kapitän werde in den Medien wie ein "Schwerverbrecher" behandelt. Manager Uli Hoeneß holte am Donnerstag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz sogar zu einem Rundumschlag über "die Scheinheiligkeit in unserer Gesellschaft" aus. "Auf lange Sicht kann man das nicht aushalten", bemerkte Hitzfeld ernsthaft beunruhigt. Die Sorge des Trainers um die Psyche seines Torwarts scheint angebracht, wenn Kahn sich selbst inzwischen "auf eine Stufe mit Mördern und Vergewaltigern gestellt" sieht.

Vereinsführung, Teamkollegen und die Fans in der Südkurve, die "Wir steh'n zu unserem Oliver" skandierten, geben Kahn den Rückhalt, den der Kapitän seinem Team als Torwart am Mittwochabend nicht geben musste. Beim Ausgleichstor, das wie aus dem Nichts fiel, war Kahn chancenlos und ansonsten beschäftigungslos. Leverkusen war im Olympiastadion - auch unter dem neuen Trainer Thomas Hörster - wie seit 13 sieglosen Jahren nur ein Spielball für die Gastgeber.

Für den K.o.-Schlag benötigte Elber, der mit sechs Treffern der erfolgreichste Torschütze im laufenden Pokal-Wettbewerb ist, nicht einmal 60 Sekunden. "Das größte Problem ist: Bayern macht in 90 Minuten einen Fehler, wir in einer Minute zwei", kommentierte Hörster fassungslos den Doppelschlag, mit dem Elber die Partie entschied.

"Die Truppe ist eine Klasse für sich", äußerte der Toppmöller-Nachfolger Ehrfurcht vor dem Dauer-Rivalen der letzten Jahre, der sich nun auf das Finale freut. Sogar der Endspielgegner passt Hoeneß ins Konzept: "Da hat's genau den richtigen Club getroffen, der die Millionen dringend braucht", meinte der Bayern-Manager angesichts des Umstands, dass die mit rund 40 Mill. ? verschuldeten Lauterer mit der Final-Teilnahme einen Startplatz im UEFA-Pokal und damit einige Millionen Euro als Einnahme praktisch sicher haben.

Für Leverkusen sind die internationalen Festtage dagegen vorbei. Doch die Angst vor dem Abstieg ließ kaum Raum für Enttäuschung über die letzte verpasste Titel- und UEFA-Cup-Chance. "International im nächsten Jahr nicht dabei zu sein, werden wir "mal verkraften können. Wir müssen uns über die Abstiegsfrage unterhalten, das wird schwer genug", meinte Manager Reiner Calmund. Er setzt auf den Trainer ("Die Mannschaft hat eine klare Handschrift von Hörster") und hofft auf ein besseres Ende bei der umgehenden Neuauflage um Bundesliga-Zähler: "Wir versuchen am Samstag unser Pünktchen zu holen", sagte Calmund.

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