Angst vor Bedeutungslosigkeit
Prager Börse kämpft um Neugeschäft

Die Börse Prag kämpft 15 Jahre nach ihrer Eröffnung mit dem sinkenden Interesse ausländischer Investoren. Börsenchef Petr Koblic setzt jetzt auf den Handel mit Energie-Futures, um das Wachstum wieder anzukurbeln. Außerdem stehe eine Reihe von Börsengängen an, sagte Koblic im Interview mit Bloomberg News.

HB PRAG. Bis zu zehn Unternehmen bereiten Koblic zufolge ein IPO in Prag vor. Seit der Börsengründung hatten lediglich sechs Unternehmen dort debütiert. Der Börsenchef rechnet damit, dass mehr Unternehmen den Sprung an die Börse Prag wagen, sobald sich die weltweiten Marktbedingungen verbessern. In der Zwischenzeit werde die Börse ihren Energiehandel ausbauen. Die Energiebörse ist im vergangenen Juli an den Start gegangen. Im Mai wurden dort laut Börsen-Daten Stromkontrakte im Volumen von 176,6 Mill. Euro gehandelt, dreimal mehr als im Januar.

Eingerichtet wurde die Börse Prag Anfang der 90er-Jahre, um die Aktien Hunderter ehemaliger Staatsunternehmen nach deren Privatisierung zu handeln. Mitte der 90er-Jahre litt der Ruf der Börse allerdings erheblich, denn mehrere an der Börse notierte Unternehmen wurden in geheimen Übernahmen erworben. Daraufhin verschärfte das Parlament die Wertpapiergesetze und setzte striktere Offenlegungspflichten für Aktienbeteiligungen durch.

Inzwischen macht der Börse vor allem die Konkurrenz durch die Börsenplätze Wien, Budapest und Warschau zu schaffen. In Prag werden nur noch 33 Aktien notiert, verglichen mit mehr als 1 700 im Jahr 1995. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet 51,5 Mrd. Euro kommt der tschechische Aktienmarkt in Europa gerade mal auf Platz 21.

Im vergangenen Jahr gingen die ausländischen Investments in tschechische Aktien um 5,9 Mrd. Kronen (245 Mill. Euro) zurück, geht aus Daten der Zentralbank hervor. Dagegen haben am polnischen Aktienmarkt im vergangenen Jahr 81 Unternehmen debütiert, so viele wie nie zuvor, geht aus Daten der Börse Warschau und von Bloomberg hervor. Für dieses Jahr sind mindestens 70 Listings geplant.

„Wir sehen uns nicht als kranke Börse“, sagte Koblic. „Der Aktienmarkt ist erst vor zwei oder drei Jahren richtig gestartet. Davor war er komplett eingefroren.“ Koblic übernahm im September 2004 die Leitung der Prager Börse. Seitdem ist der 14 Werte umfassende Benchmarkindex PX um 125 Prozent geklettert und hat im vergangenen Jahr ein Rekordhoch markiert. Allerdings machen der Energiekonzern CEZ AS und die österreichische Erste Bank AG rund die Hälfte des Indexes aus.

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