Angst vor biologischen Kampfstoffen
Geheimdienste befürchten bei US-Vergeltungsschlägen noch schlimmere Attentate

Deutsche und US-Geheimdienste befürchten nach amerikanischen Vergeltungsschlägen gegen islamistische Terroristen möglicherweise noch schlimmere Attentate: "Wir wissen nicht, wie viele 'sleepers' - schlafende Terroragenten - zum Beispiel in Deutschland auf der Lauer liegen", hieß es am Mittwoch aus bundesdeutschen Nachrichtendiensten.

ddp BONN/BERLIN. Die Geheimdienste warnen auch vor möglichen Angriffen mit biologischen und chemischen Waffen. Nach Angaben von Offizieren der Bundeswehr ließ die amerikanische Armee ihre Soldaten schon vor einiger Zeit gegen Milzbrand impfen. Dabei handelt es sich nur um einen unter 70 potenziellen Biokampfstoffen.

Der Irak hatte seinerzeit eingestanden, dass er während des Golfkrieges 1991 Scud-Raketen bereithielt, die biologische Sprengköpfe tragen sollten. Viele von den USA genannte «Schurkenstaaten» - Irak, Libyen, Nordkorea - verfügen nach westlichen Erkenntnissen über Biowaffen.

Anthrax und das Botulinus-Toxin sind die am häufigsten erwähnten biologischen Kampfstoffe. Sie führen zu inneren Blutungen und Atemstillstand. Andere Biowaffen sind Yersinia pestis, die Beulenpest verursacht, oder Gelbfieber-Bakterien.

Die Geheimdienstler verweisen auf den Anschlag der japanischen Aum-Sekte im März 1995 auf die U-Bahn in Tokio. Dabei verwendeten die Terroristen das Nervengas Sarin. Es gab viele Tote und Verletzte.

Chemiewaffen wurden zum ersten Mal systematisch im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Deutsche Truppen öffneten am 22. April 1915 im belgischen Ypern Tausende von Stahlflaschen, aus denen Wolken von Chlorgas auf die gegnerischen Linien trieben. Inzwischen gelten C-Waffen als die «Atombombe des kleinen Mannes», weil sie verhältnismäßig einfach und billig herzustellen sind. Herkömmliche chemische Kampfstoffe sind meist haut- oder lungenschädigende Substanzen - Phosgen und Senfgas - sowie Nervengifte - Sarin, Tabun und VX - , die über die Haut aufgenommen werden.

Ein typisches ätzendes Giftgas ist der Schwefellost, wegen seines Geruchs Senfgas genannt. Andere chemische Kampfstoffe sind Substanzen, die zum Ersticken führen, wie Phosgen. 1937 wurde das Nervengas Tabun entwickelt. Die USA begannen 1987 mit der Herstellung von binären C-Waffen. Dabei werden zwei relativ ungiftige Substanzen getrennt gehalten, die sich erst Sekunden nach dem Abschuss oder Abwurf zu tödlichem Sarin vermischen.

Vor einiger Zeit brachte ein Überläufer des russischen Geheimdienstes die Probe eines völlig neuartigen Giftgases in den Westen. Kommt ein Mensch auch nur geringfügig mit dem Gas in Kontakt, stirbt er auf der Stelle. Moskau soll diesen chemischen Kampfstoff im Krieg gegen Tschetschenien ausprobiert haben. Das Giftgas soll so wirken, dass es in keiner Weise nachgewiesen werden kann.

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