Angst vor einem Krieg im Irak treiben den Kurs
Experten erwarten weiteren Goldpreisanstieg

Die Ängste, dass die Amerikaner zu Beginn des nächsten Jahres im Irak einmarschieren werden, geben dem Goldpreis Auftrieb. Auch Sorgen um Verluste an den Aktienmärkten sowie niedrige Zinsen ziehen die Notierung nach oben. Die Banken bieten mittlerweile eine große Auswahl an Möglichkeiten, um auf diesen Trend zu setzen.

FRANKFURT/M. Ob der irakische Präsident Saddam Hussein die Resolution der Vereinten Nationen akzeptiert, ist noch unklar. Klar ist aber: Akzeptiert er sie nicht, dann gibt es Krieg - wahrscheinlich schon kurz nach Jahresanfang. Die Ängste vor der Eskalation des Irakkonflikts sind neu entfacht - das Krisenmetall Gold dürfte davon profitieren, meinen die Experten. Sie sehen Potenzial für weitere Aufschläge, obwohl das gelbe Metall in der letzten Zeit bereits stark gestiegen ist. Folglich würde es sich für Investoren jetzt noch lohnen, einzusteigen - zum Beispiel mit Zertifikaten.

So betont etwa Dirk G. Schernikau von Spütz Börsenservice zwar, Gold liege bereits im oberen Bereich der Range, in der er sich in den letzten fünf Jahren befunden habe, wobei 250 Dollar je Feinunze das untere und 330 Dollar den oberen Rand darstellten; das gestrige Londoner Nachmittagsfixing lag bei 320,70 Dollar je Feinunze. Doch als Krisenmetall sei Gold derzeit gefragt, sagt Schernikau.

Falls es zu einem Krieg im Irak kommen sollte, könnte das gelbe Metall kurzfristig bis auf 400 Dollar je Feinunze hochschnellen. Diese Ausschläge dürften allerdings nur einige Wochen halten. Sobald sich abzeichne, dass der Krieg nur kurze Zeit dauern werde, sollten sich die extremen Ausschläge verringern. Schernikau verweist zudem auf die Charttechnik: Einiges spreche aus dieser Sicht für einen Anstieg auf 340 Dollar je Feinunze, den Höhepunkt, den der Kurs im Jahr 1999 erzielte. Und die Analysten der Commerzbank Securities weisen darauf hin, dass sich Gold charttechnisch seit Januar in einem Aufwärtstrend befinde. Aktuell lägen ein wichtiger Widerstand bei 330 Dollar und eine Unterstützung bei 310 Dollar. Würde der Preis den genannten Widerstand brechen, sei Spielraum bis 350 Dollar gegeben, prognostizieren die technischen Analysten. Ralf Kreikenbaum, Director bei Global Precious Metals von Commerzbank Internationals SA, sieht den Goldpreis auf Jahressicht bei 350 Dollar je Feinunze.

Darüber hinaus gibt es weitere Gründe für einen steigenden Goldpreis: Alexander Zumpfe von Dresdner Kleinwort Wasserstein betont, dass viele Anleger an den Aktienmärkten Rückschläge erwarteten und daher Zuflucht zu Gold suchen dürften. Ferner kämen positive Impulse von den niedrigen Zinsen. So wirkten sich niedrige Dollarzinsen positiv auf das Edelmetall aus, weil die Preise für Termingeschäfte sänken und Absicherungsgeschäfte für Produzenten zunehmend unrentabler würden, was zu einer Reduzierung der Angebotsmenge führe. Gleichzeitig schüfen niedrige Zinsen zusätzliche Nachfrage, da eine Anlage in Festverzinslichen für Investoren interessanter werde, sagt Zumpfe, der Gold bereits in den nächsten Tagen bei 325 Dollar je Feinunze sieht.

Sein Kollege Wolfgang Wrzesniok-Roßbach ergänzt, bei Gold mache sich weiterhin das bereits im September 1999 abgeschlossene Zentralbankabkommen positiv bemerkbar. Darin haben sich europäische Notenbanken verpflichtet, heimliche Goldverkäufe zu unterlassen. Damit soll Vertrauen geschaffen werden, denn die Furcht vor diesen Verkäufen hatte den Markt lange Zeit unter Druck gehalten. Dazu komme, so Wrzesniok-Roßbach, dass erstmals seit 1980 die Investoren wieder Gold nachfragten. Mittlerweile kauften viele Anleger wieder zu, um ihr Portfolio zu diversifizieren.

Fazit: Die Aussichten sind gut für einen weiteren Anstieg des Goldpreises.

Wer nur mittelfristig mit Zuwächsen rechnet, für den lohnen sich Zertifikate mit fester Laufzeit, sonst sind Open-end-Zertifikate sinnvoll. Wichtig zu wissen: Auch bei so genannten Open-end-Zertifikaten haben die Emittenten ab einer gewissen Zeit das Recht, die Papiere zu kündigen.

Außer auf einen niedrigen Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufskurs) sollten Anleger darauf achten, dass sie bei den Papieren von ABN Amro und der ING BHF Bank ein Zertifikat auf den Amex-Goldaktienindex bzw. auf einen Basket aus Goldminenaktien kaufen. Zwar haben sowohl der Index als auch einzelne Aktien in der Vergangenheit sich tendenziell ähnlich wie der Goldpreis entwickelt. Aber unternehmensspezifische Faktoren können diesen Einfluss verwässern. Wer sich nicht über einzelne Unternehmen informieren will, sollte Papiere auf den Goldpreis kaufen.

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