Angst vor El-Kaida-Flucht
Tora Bora unter Beschuss

US-Kampfflugzeuge haben am Mittwoch ihre Bombenangriffe auf die Verstecke der El-Kaida - Kämpfer intensiviert, während deren afghanische Gegner mit ihnen über eine Kapitulation verhandelten.

rtr/afp KABUL. Es gebe Gespräche über Funk, die aber noch nicht zu einem Ergebnis geführt hätten, sagte am Vormittag ein afghanischer Kommandeur, dessen Truppen die El Kaida bei Tora Bora eingekesselt haben. In der Hauptstadt Kabul übte der noch als Präsident fungierende Burhanuddin Rabbani erneut Kritik an der Petersberger Vereinbarung über die künftige Verwaltung des Landes, sagte dem designierten Regierungschef Hamid Karsai aber seine Unterstützung zu.

Die US-Bomber hätten ihre Angriffe um 09.00 Uhr Ortzeit intensiviert, meldete die Nachrichtenagentur AIP. Die Einschläge seien so stark gewesen, dass sie noch im 55 Kilometer entfernten Dschalalabad zu spüren gewesen seien. Am Vortag hatte ein afghanischer Kommandeur gesagt, die El-Kaida-Leute wollten ab 08.00 Uhr ihre Waffen niederlegen.

Die ausländischen Söldner Bin Ladens sollen nach Informationen von AIP aber auch gefordert haben, dass sie im Beisein diplomatischer Vertreter ihrer Herkunftsländer den Vereinten Nationen (UNO) übergeben werden. Ein Sprecher des UNO - Sondergesandten für Afghanistan, Lakhdar Brahimi, sagte, die UNO habe noch keine Bitte erhalten, in einer solchen Prozedur mitzuwirken. Die USA erklärten, die El-Kaida-Leute hätten keine Bedingungen für eine Kapitulation zu stellen. Solange sie nicht die Waffen streckten, würden die internationale Koalition und die afghanischen Kämpfer ihre Offensive fortsetzen.

Geheimdienst hörte Telefone ab

US-Geheimdienste haben angeblich bin Laden nahe der Bergfestung Tora Bora ausfindig gemacht. Es gebe Hinweise darauf, dass bin Laden dort gewesen sei, als US-Kampfflugzeuge am Wochenende die schwerste Bombe in ihrem Arsenal in dem Gebiet abwarfen, wie ein Mitarbeiter des Pentagon am Dienstag (Ortszeit) in Washington sagte.

Nach einem Bericht des US-Fernsehsenders ABC brach nach der Explosion unter den rund 1000 Mitgliedern von Bin Ladens El-Kaida-Organisation, die sich dort verschanzt haben, Panik aus. Die Bin-Laden-Anhänger hätten zahlreiche Anrufe über Funktelefone geführt, aus denen klar hervorgehe, dass sich der mutmaßliche Terroristenführer in dem unterirdischen Labyrinth verstecke. Bin Laden und seine engsten Vertrauten seien "sehr nahe" am Einschlagort der Bombe gewesen, heißt es in dem Bericht weiter.

Bin Laden und seine Organisation El Kaida werden von den USA für die Anschläge vom 11. September verantwortlich gemacht. Eine Amnestie für Bin Laden und die El-Kaida-Söldner wurde von der US-Regierung bislang strikt ausgeschlossen. Anders werden die Kämpfer der afghanischen Taliban behandelt. Sie dürfen in ihre Dörfer zurückkehren, wenn sie sich stellen und ihre Waffen abgeben.

In Kabul bekräftigte Rabbani seine Kritik am Abkommen vom Petersberg, in dem die Bildung einer Übergangsregierung und die Stationierung einer internationalen Schutztruppe in Kabul vereinbart worden war. Diese Vereinbarung sei nur auf Druck ausländischer Mächte zu Stande gekommen. Er hoffe, dass dies die letzte Einmischung anderer Länder in die Angelegenheiten Afghanistans gewesen sei. Zum designierten Regierungschef Karsai sagte Rabbani, er habe ihn selbst für die Funktion vorgeschlagen. Er habe aber Probleme mit einigen Mitgliedern der künftigen Übergangsregierung. Trotz seiner Bedenken werde er aber am 22. Dezember die Macht an diese Regierung übergeben.

Rabbani wurde Präsident, als die Mudschahedin 1992 die Macht von der pro-kommunistischen Regierung übernahmen. 1996 wurde er von den Taliban aus Kabul vertrieben. Die UNO, die die Taliban nie anerkannt hat, sieht ihn nach wie vor als Präsidenten des Landes.

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