Angst vor feindlicher Übernahme
Murdochs Muskelspiel lässt Kirch-Gruppe zittern

Die hochverschuldete Kirch-Gruppe nimmt Murdochs feindlichen Übernahmeversuch "sehr, sehr ernst", heißt es. Um an Geld zu kommen, zieht die Gruppe Verkäufe vor.

rtr FRANKFURT. Die Münchener Kirch-Gruppe bereitet sich nach Angaben aus Unternehmenskreisen auf die Abwehr eines offenbar kurz bevorstehenden feindlichen Übernahmeversuchs durch Rupert Murdochs australischen Medienkonzern News Corp vor. "Murdoch hat bereits mehrfach versucht, die Kontrolle bei Kirch zu übernehmen. Den jetzigen Versuch nimmt die Kirch-Gruppe sehr, sehr ernst", erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters am Sonntag aus den Kreisen. Der hochverschuldete Medienkonzern wolle nun den Verkauf seiner Beteiligung an dem spanischen TV-Sender Telecinco vorziehen und sich dadurch notwendige Finanzmittel beschaffen. Ein Kirch-Sprecher lehnte einen Kommentar ab.

Murdoch versuche zurzeit, die Gläubigerbanken der Kirch-Gruppe auf seine Seite zu ziehen und sie zu bewegen, Kredite an den Münchener Medienkonzern nicht zu verlängern, hieß es aus den Kirch-Kreisen weiter. Dazu liefen Gespräche in London und New York. Der Druck auf den Konzern von Unternehmer Leo Kirch sei groß. Medienberichten zufolge ist die Kirch-Gruppe, zu der die Senderfamilie ProSieben.SAT.1 Media AG und der defizitäre PayTV-Sender Premiere World gehört, mit mindestens sieben Mrd. DM verschuldet.

Manager erörtern Verteidigungsstrategien

Am Freitag hatte ein Kirch-Sprecher eine drohende Übernahme durch News Corp noch als Spekulation bezeichnet, die jeder Grundlage entbehre. Das Ganze habe im Münchener Konzern "eine gewisse Heiterkeit" ausgelöst, hatte der Sprecher gesagt. Nach den Angaben der Unternehmenskreise sind die Manager des Kirch-Konzerns aber alles andere als gelassen. In Krisensitzungen seien am Wochenende Verteidigungsstrategien erörtert worden.

Kirch will den Kreisen zufolge eine drohende Übernahme vor allem mit einem beschleunigten Verkauf der spanischen Beteiligung Telecinco abwehren und verhandelt darüber bereits. Namen von Interessenten wurden allerdings nicht genannt. Die Kirch-Gruppe hält an dem rentabelsten Fernsehsender Europas 25 %. Schon im Oktober hatte Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn angekündigt, im Rahmen der Konzentration des Kirch-Konzerns auf den deutschsprachigen Raum die Beteiligung verkaufen zu wollen. Telecinco hatte im vergangenen Jahr nach Kirch-Angaben bei einem Umsatz von rund einer Milliarde DM eine Rendite von rund 33 % erzielt.

Murdoch nutzt schlechte Lage auf TV-Werbemarkt

Wie es in den Kreisen weiter hieß, will Murdoch offenbar Nutzen aus der schlechten Lage des deutschen TV-Werbemarktes ziehen und den zweitgrößten Medienmarkt Europas erobern. Die Senderfamilie ProSiebenSAT.1, mit der die Muttergesellschaft KirchMedia im kommenden Jahr verschmelzen will, hatte erst vergangene Woche die dritte Gewinnwarnung veröffentlicht. Sie rechnet 2001 nun mit einem Ergebniseinbruch vor Steuern um 56 % auf 90 Mill. ? und einem schrumpfenden Werbemarkt in Deutschland um sieben bis acht Prozent.

Ein weiterer Hebel für Murdoch, Druck auf die Kirch-Gruppe auszuüben, ist außerdem die gut 22prozentige Beteiligung der News Corp an Premiere World. Im Oktober 2002 wird eine Option wirksam, durch die Murdoch diesen Anteil, der mit rund zwei Mrd. DM bewertet wird, wieder an die Kirch-Gruppe zurückverkaufen kann. Damit könnte er den verschuldeten Konzern finanziell erheblich unter Druck bringen. Interesse an dem Anteil hat aber auch der amerikanische Kabelnetzbetreiber Liberty Media angemeldet. Premiere steckt immer noch tief in den roten Zahlen und ist mit rund 2,4 Mill. Kunden bislang hinter den Erwartungen zurück geblieben.

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