Angst vor neuen Überschwemmungen belastet
Teils stark sinkende Immobilienpreise wegen Flut

Die Aufräumarbeiten in den Hochwassergebieten laufen auf Hochtouren, auf dem ostdeutschen Immobilienmarkt werden die Folgen der Flut nach Einschätzung von Experten aber noch langfristig spürbar sein.

Reuters DRESDEN. "Es ist nicht ausgeschlossen, dass die Preise für Immobilien in bestimmten Lagen in den Keller gehen werden", sagt Hans-Eberhard Langemaack, Geschäftsführer des Bundesverbands Ring Deutscher Makler (RDM) in Hamburg. Eine wichtige Rolle könnte dabei die Angst vor neuen Überschwemmungen sowie die Sorge vor einer Schadstoffbelastung des Bodens spielen. Der Vorsitzende des RDM in Sachsen, Hans-Dieter Freudenberg, warnt Betroffene indes vor überstürzten Entscheidungen.

"Momentan sind die Preise ganz unten", sagt Freudenberg. "Wer jetzt verkauft, wird nicht reich." Tatsächlich stehen nach der Überflutung etwa des Dresdner Stadtteils Laubegast etliche Mehrfamilienhäuser komplett leer. Viele Mieter hätten das Weite gesucht, erzählen Anwohner. Das Viertel sei derzeit wie ausgestorben. Freudenberg rät zur Besonnenheit. Bestimmte Grundstücke mit Elbblick könnten in zwei Jahren möglicherweise wieder so begehrt sein wie vor der Flutkatastrophe. Auch auf der Käuferseite sei Geduld gefragt. "Man sollte sich genau ansehen, was man kaufen will." Noch könne niemand genau sagen, wie stark ein Haus durch das Hochwasser oder etwa durch ausgetretenes Heizöl beschädigt sei. Ein vermeintliches Schnäppchen könne sich schnell als Fehlinvestition erweisen.

Bewegung könnte in den Mietmarkt kommen

Freudenberg erwartet nach eigenen Worten, dass in der nächsten Zeit vor allem in den Mietmarkt Bewegung kommen wird. "Die Leute wollen möglichst sicher und weit oben wohnen." Es werde wohl auch sehr genau registriert werden, bis zu welcher Höhe das Wasser gestanden habe. Für Vermieter insbesondere von Erdgeschosswohnungen könnte dies zu einem ernsten Problem werden. Diese Wohnungen könnten sich ebenso wie besonders gefährdete Grundstücke teils deutlich verbilligen. Gleichwohl sei aber nicht damit zu rechnen, dass Immobilien in großer Menge auf den Markt kämen. In vielen Fällen würden die Besitzer vermutlich versuchen, ihre Häuser und Wohnungen zu sanieren, zumal sie nach den Ankündigungen der Bundesregierung auf Hilfe der öffentlichen Hand zählen könnten.

Insgesamt erwarten Immobilienexperten keine grundlegende Wende auf dem ostdeutschen Wohnungsmarkt. An dem vorhandenen Überangebot an Wohnungen werde sich durch die Jahrhundertflut nichts ändern, heißt es etwa beim Verband Sächsischer Wohnungsunternehmen. Durch die Wassermassen sei zwar Wohnraum zerstört worden, der Umfang sei aber nicht als massenhaft einzustufen. Selbst in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden, wo mehrere zehntausend Menschen wegen des Hochwassers ihre Häuser verlassen mussten, werde es auch nach der Katastrophe noch reichlich leer stehende Wohnungen geben.

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