Angst vor Unruhen am Wochenende
Israel schließt Grenze zum Westjordanland für vier Tage

Um die Sicherheit am Wochenende und dem höchsten jüdischen Feiertag am Montag zu gewährleisten, schließt die israelische Armee die Übergänge zum Westjordanland und dem Gaza-Streifen.

Reuters JERUSALEM. Die israelische Armee hat am Freitag die Palästinenser-Gebiete aus Furcht vor neuen Unruhen abgeriegelt. Um eine Gefährdung der Sicherheit während des Wochenendes und des höchsten jüdischen Feiertages Jom Kippur am Montag zu verhindern, seien die Übergänge des Westjordanlandes und aus dem Gaza-Streifen nach Israel für vier Tage geschlossen, teilte die Armee mit. Die Palästinenser hatten eine Fortsetzung ihres Aufstandes angekündigt, bei dem innerhalb weniger Tage 69 Menschen ums Leben gekommen sind. Im Anschluss an das Freitagsgebet auf dem Tempelberg in Jerusalem kam es zu einem neuen Zusammenstoß.

Polizei und Demonstranten trafen am Löwentor der Altstadt aufeinander, das von Ostjerusalem aus auf direktem Weg zum Tempelberg führt. Die israelische Polizei habe das Feuer auf die Steine werfenden Demonstranten eröffnet und dabei zehn Menschen verletzt, berichteten Augenzeugen. Die Polizei teilte mit, es habe Hunderte von Steinen mit Gummigeschossen erwidert. Augenzeugen hatten zuvor berichtet, die israelische Polizei und die moslemische Verwaltung des Tempelbergs hätten Vorkehrungen getroffen, um die zum Freitagsgebet erwarteten Proteste nicht eskalieren zu lassen. Die Polizei habe die Präsenz ihrer Kräfte reduziert. Verwaltungsvertreter hätten später versucht, Palästinenser davon abzuhalten, vom Tempelberg aus Steine auf betende Juden an der Klagemauer zu werfen.



Heftige Zusammenstöße am Freitag vor einer Woche

Vor einer Woche war es nach dem Freitagsgebet zu heftigen Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen, bei denen vier Palästinenser getötet und über 200 verletzt wurden. Einen Tag zuvor hatte der rechts-konservative israelische Oppositionsführer Ariel Scharon den Tempelberg besucht, was die Palästinenser als Provokation bezeichneten. Das israelische Militär habe auf übertriebene Weise auf die Proteste reagiert und damit die hohe Zahl der Opfer mit verschuldet, sagte die israelische Menschenrechtsgruppe B'tselem am Freitag bei der Veröffentlichung eines Zwischenergebnisses ihrer Untersuchung der Ereignisse.

Die radikal-islamische Hamas rief den Freitag in den Palästinenser-Gebieten zu einem "Tag des Zorns" aus. Die Fatah-Bewegung hatte zuvor zu einer Fortsetzung des Kampfes gegen Israel aufgefordert. Palästinenser-Präsident Jassir Arafat ist der Chef der Fatah. Er und Israels Ministerpräsident Ehud Barak hatten am Mittwoch in Paris in einem Gespräch mit US-Außenministerin Madeleine Albright eine Beendigung der Gewalt zugesagt. Am Donnerstag waren jedoch bei neuen Ausschreitungen zwei weitere Palästinenser getötet worden. Arafat nahm am Freitag nach Angaben der tunesischen Regierung in Tunis an einer Protestdemonstration teil.



UNO-Sicherheitsrat verurteilt übermäßige Gewalt

Unterdessen beriet in New York der UNO-Sicherheitsrat über eine Verurteilung der Gewalt in den Palästinenser-Gebieten, "besonders des übermäßigen Einsatzes von Gewalt gegen palästinensische Zivilisten". Auch die USA habe dieser Formulierung zugestimmt, verlautete am Rande der Sitzung, deren Abschluss nicht vor Freitagabend (Ortszeit) erwartet wird.

In der jordanischen Hauptstadt Amman hielt die Polizei Augenzeugen zufolge mit Tränengas rund 5000 Demonstranten davon ab, nach dem Freitagsgebet zur israelischen Botschaft ziehen. Die Polizei hielt sie an einer einer Absperrung in einer Seitenstraße auf. Jordanien ist neben Ägypten das einzige arabische Land, das einen Friedensvertrag mit Israel geschlossen hat. Wegen erwarteter Proteste gegen ihre Botschaften schloss die USA am Donnerstag nach offiziellen Angaben ihre Vertretungen in allen arabischen Ländern.

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